Millenials: Arbeitstiere und klassisches Familienmodel?

Die jungen Millenials haben immer wieder mit dem Voruteil zu kämpfen, sie seien die verwöhnte Generation der Moderne. Sie wüssten nicht mehr was das „echte“ Leben und die „echte, harte Arbeit“ sei. Es wird nur noch Teilzeit gearbeitet und am besten nach dem ersten Jahr ein Sabatical gemacht. Die jungen Frauen stürmen die Karriereleiter hinauf und die gläserne Decke bekommt immer mehr Risse. Die Daten des Statistikamtes Zürich erzählen aber eine ganz andere Geschichte.

Quelle: RNIB online

In vielen Artikeln ist die neue Milleniumgeneration das grosse Thema. Die Jungen werden charakterisiert, Merkmale werden ihnen zugeschrieben, wie man nun mit dieser neuen Generation der Moderne umgehen sollte. Generation X, Y oder gar Z genannt – der Überblick geht verloren. Die Millennials werden oft mit Vorurteilen konfrontiert, die Verwöhnten unserer Zeit zu sein. Man liest Artikel wie: 10-Tipps wie der Chef mit den Millenials am Arbeitsplatz umgehen muss. Die jüngsten werden auch schon „digital natives“ genannt, das heisst man ist in der digitalen Welt aufgewachsen. Das „echte“ Leben und die „echte harte“ Arbeit der früheren Generationen kennen sie durch den heutigen Wohlstand nicht. Die Unternehmen müssen bessere Arbeitgeber sein als jemals zuvor, um eine Balance zwischen den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter und der Verbesserung ihres Erwerbs zu erreichen, Mitarbeiter zu halten und zu motivieren. Der Trend zum Teilzeit arbeiten ist in den letzten Jahren gestiegen. Laut Statistik Zürich ist jede dritte Stelle in der Stadt Zürich eine Teilzeitstelle, und das nicht nur in der Stadt sondern die Anteile sind auch im Kanton ähnlich. Nicht nur in der Region Zürich sondern allgemein in der Schweiz boomt der Teilzeittrend und das sogar bei Kaderstellen. Laut dem Bundesamt für Statistik ist die Zahl der Teilzeitarbeitenden seit 2011 um 12 Prozent gestiegen, bei den Arbeitnehmern mit Vorgesetztenfunktion sogar um 24 Prozent. Die moderne Arbeitsteilung in der Familie wird als Grund dafür gesehen. Nicht nur die Mütter sind verantwortlich für die Kindererziehung, sondern auch die Väter wollen teilhaben. Gefragt sind flexible Arbeitszeitmodelle für Frau und Mann.

Die andere Geschichte der Zahlen

Die Jungen scheinen nicht nur mehr zu arbeiten und sehr ehrgeizig zu sein, sondern tragen auch nachhaltig zur wirtschaftlichen und räumlichen Veränderung der Stadt bei. Der „Teilzeitstellen-Trend“ scheint erst nach dem 35-Lebensjahr einzutreten und stetig mit höherem Alter zu steigen. Doch die Vorurteile, dass junge Menschen zwischen 20 und 35 Jahren, wenig arbeiten möchten und an Teilzeitstellen interessiert wären – scheint sich überhaupt nicht zu bestätigen. Der Kreis 11 ist der nördlichste und der bevölkerungsreichste Stadtkreis der Stadt Zürich. In den letzten vier Jahren wohnten dort die meisten jungen Menschen, die in den Arbeitsmarkt einstiegen.

Im Kreis 11 leben die meisten jungen Menschen zwischen 20 und 35, gefolgt vom Kreis 9 und 3. Mehr als 90 Prozent der Arbeitsplätze in der Stadt Zürich gehören zum tertiären Sektor, so auch im Kreis 11. In den letzten vier Jahren hat der Kreis 11 am meisten zugelegt, was die Beschäftigung betrifft. Insgesamt hat die Anzahl von 2011 bis 2015 um 4781 Personen zugenommen, was einer relativen Veränderung von 12.3 Prozent entspricht. Im Kreis 11 steigt der Anteil der Vollzeitäquivalenz am steilsten von 11.6 auf 12.4 Prozent.

Bei den Vollzeitäquivalenten werden Teilzeitstellen in Vollzeitstellen umgerechnet. Die Zunahme der Beschäftigung in der Stadt Zürich und den Kreisen zeigt sich in dieser Zahl. Dieser Trend hat in den letzten Jahren zugenommen und überflügelt die Gesamtzahl der Stellen. Daraus lässt sich schliessen, dass es mehr Stellen gibt mit höheren Pensen. Dies überrascht, da doch anscheinend der Teilzeittrend boomt. Sind die bisherigen Statistiken falsch? Oder liegt der Hund an einem anderen Ort begraben?

Ist die junge Generation der Grund?

Die Jungen scheinen dafür verantwortlich zu sein. Der Teilzeittrend mag steigen, aber nicht bei den Jungen. Können wir einen Zusammenhang entdecken zwischen der Jungen Generation und dem Anteil der Beschäftigung in der Stadt Zürich? Eine statistische Analyse zeigt Interessantes. Je höher der Anteil der Jungen in einem Kreis, desto höher ist die Beschäftigungsrate. Dies stimmt mit der vorhergehenden Beobachtung im Kreis 11 überein. Je älter der Anteil von arbeitsfähigen Leuten wird, desto niedriger ist die Vollzeitäquivalenz im Wohnkreis. In der ersten Grafik ist der positive Einfluss der jungen Generation klar ersichtlich, und es lassen sich auch keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern oder Ausländern ausmachen In diesem Falle scheinen die Vorurteile über die Millenials genau dies zu sein – Vorurteile. Die Jungen arbeiten und wie! Sie sind die treibende Kraft des wirtschaftlichen Booms in den Stadtkreisen – am meisten davon profitiert der Kreis 11. Der Teilzeittrend schlägt erst in der älteren Generation ein. Sind die Jungen nun doch Arbeitstiere? Natürlich arbeiten nicht alle Jungen im gleichen Kreis wie sie wohnen und doch ist der Einfluss verblüffend. Es lässt sich vermuten, dass die Mischung von jungen Arbeitenden und Konsumenten, die am Wohnkreisleben teilnehmen die Geschäfte florieren lassen, folglich den ganzen Kreis.

Der Trend unter den ausländischen Anwohnern ist grösstenteils konsistent mit der gesamten Entwicklung. Auffällig ist der rapide Abfall bei den Frauen nach 35 Jahren, welcher sich bis zur Pension hält. Der Beitrag der Frauen ab 35 Jahren zur Vollzeitäquivalenz nimmt rapide ab. Dies zeigt nicht nur, dass Frauen mehr Teilzeit arbeiten während der „Familiengründung“, sondern dieses Pensum auch nicht mehr aufzubauen scheinen nach dem die Kinder älter werden. In der Schweiz arbeiten Ende 2014 insgesamt 55 Prozent der Frauen Teilzeit und 14 Prozent der Männer. Laut Statistik Zürich ist die Stadt Zürich mit nur 51% als Vollzeit-Zentrum der Frauen genannt werden. Auch wenn dies im Gesamttrend stimmen mag, ist es trotzdem besorgniserregend, dass entweder die Anreize oder Möglichkeiten nach dem Abbau für Frauen nicht mehr die gleichen sind wie bei den Männern eine Stelle mit höherem Pensum auszuüben. Ist die Vereinbarkeit von Familie und Karriere nun doch ein Märchen insbesondere für Frauen?

Info Box: Daten und Berechnungen
Die hier verwendeten Daten stammen vom statistischen Amt Zürich, welches das Kompetenzzentrum für die kantonale öffentliche Statistik ist. Die Individual-Daten werden jährlich mit einer Gesamterhebung der Bevölkerung der Stadt Zürich erhoben und sind nicht direkt öffentlich zugänglich.

Quellen
https://www.stadt-zuerich.ch/prd/de/index/statistik/publikationen-angebote/publikationen/webartikel/2015-03-18_Beschaeftigung-in-der-Stadt-Zuerich.html
[14.12.2017]

https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/wirtschaftliche-soziale-situation-bevoelkerung/gleichstellung-frau-mann/erwerbstaetigkeit/teilzeitarbeit.html [14.12.2017]

„Millenials: Arbeitstiere und auch noch das klassische Familienmodel?“
Abgabedatum: 17.12.2017
Autorin: Darja-Anna Yurovsky, darjaanna.yurovsky@uzh.ch, 12-735-403
Veranstaltung: Forschungsseminar Politischer Datenjournalismus
Dozenten: Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Dr. Bruno Wüest, Alexandra Kohler
Wortanzahl: 867 (exkl. Lead, Anhänge und Literaturverzeichnis)

R-Script:

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