{"id":14965,"date":"2018-05-27T13:21:48","date_gmt":"2018-05-27T11:21:48","guid":{"rendered":"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?p=14965"},"modified":"2018-06-25T13:59:27","modified_gmt":"2018-06-25T11:59:27","slug":"die-arbeitslosigkeit-als-wichtigste-sorge-der-bevoelkerung-die-parteien-interessiert-es-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2018\/05\/27\/die-arbeitslosigkeit-als-wichtigste-sorge-der-bevoelkerung-die-parteien-interessiert-es-nicht\/","title":{"rendered":"Parteien interessieren sich nicht f\u00fcr Sorgen der Bev\u00f6lkerung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vor Arbeitslosigkeit f\u00fcrchten sich Schweizer seit eh und je. Die Parteien jedoch scheinen an den Sorgen der Bev\u00f6lkerung vorbei zu politisieren. <\/strong><\/p><p>Doch treffen die Parteien mit ihren Themen auch die Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer? Arbeitslosigkeit, Ausl\u00e4nderfragen und Fl\u00fcchtlinge sind in den letzten sechs Jahren die gr\u00f6ssten Sorgen der Schweizer Bev\u00f6lkerung. Eine Textanalyse der Medienmitteilungen der vier gr\u00f6ssten Schweizer Parteien ab dem Jahr 2012 zeigt im Vergleich mit dem Sorgenbarometer diffuse Ergebnisse. Die Analyse ermittelt die Erw\u00e4hnung von Themen, die in der Bev\u00f6lkerung laut Sorgenbarometer Anklang finden. Die Grafiken zeigen, wie h\u00e4ufig ein Wort zu einem bestimmten Thema in den Medienmitteilungen der Parteien pro Jahr vorkam.<\/p><p><strong>SVP: \u00abAusl\u00e4nder\u00bb und \u00abFl\u00fcchtlinge\u00bb<\/strong><\/p><p>Wenig \u00fcberraschend nennt die SVP Themen wie Migration und Asyl am h\u00e4ufigsten. Sie treffen damit genau den Nerv der Bev\u00f6lkerung, denn in den letzten Jahren scheinen sich die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger auch mit diesen Themen befasst zu haben.<\/p><p>Das Thema \u00abAusl\u00e4nder\u00bb erreichte im Jahr 2015 ihren H\u00f6hepunkt. Die SVP ist zwar die einzige Schweizer Partei, die sich in ihren Medienmitteilungen intensiv mit Ausl\u00e4nderfragen auseinandersetzt, jedoch geschieht das nicht immer konsistent mit den Sorgen der Bev\u00f6lkerung. Die h\u00f6chste Anzahl an Worten zu Migration enthielten die Medienmitteilungen in den Jahren 2014 und 2016. In diesen Jahren wurde \u00fcber die Masseneinwanderungs- respektive die Durchsetzungsinitiative abgestimmt. Es scheint also eher, als w\u00fcrde die SVP in erster Linie ihre eigenen politischen Ziele mit ihren Mitteilungen st\u00fctzen wollen und nicht unbedingt die Anliegen der Bev\u00f6lkerung.<\/p><p>Ein \u00e4hnliches Prinzip ist auch bei den anderen Parteien erkennbar, auch wenn nur zu einem minimalen Ansatz im Vergleich zur SVP: Alle haben sich diesem Thema vor allem im Jahr der Abstimmung \u00fcber die Durchsetzungsinitiative angenommen. Interessanterweise sanken die Nennungen zu Ausl\u00e4ndern dann bei allen Parteien extrem, auch wenn das Thema 2017 noch f\u00fcr 35 Prozent der Bev\u00f6lkerung die wichtigste Sorge darstellte. Die SP und die Gr\u00fcnen haben erstaunlich wenig \u00fcber Ausl\u00e4nderfragen geschrieben. Vor allem \u00fcberraschend ist, dass die Medienmitteilungen der SP \u00fcber Migrationsfragen im Jahr der Masseneinwanderungsinitiative keinen H\u00f6hepunkt erreicht haben.<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Ausl\u00e4nder.html\" scrolling=\"no\" width=\"100%\" height=\"500\" class=\"iframe-class\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p><p><strong>Bei \u00abFl\u00fcchtlingen\u00bb klaffen die Nennungen der SVP und die Sorgen der Bev\u00f6lkerung auseinander<\/strong><\/p><p>Auch wenn es um W\u00f6rter rund um das Thema \u00abFl\u00fcchtlinge\u00bb geht, ist die SVP im Besitz des Themas. Sie nennen diese W\u00f6rter in den Medienmitteilungen mit einer H\u00e4ufigkeit von \u00fcber 30 Prozent. Doch auch hier klafft die Partei mit den Sorgen der Bev\u00f6lkerung auseinander. W\u00e4hrend sich die Bev\u00f6lkerung im Jahr 2015 am meisten Sorgen \u00fcber Fl\u00fcchtlinge machte, nahm sich die SVP sowohl im Vorjahr als auch im Jahr danach dem Thema h\u00e4ufiger an. Auch hier spielt politisches Eigeninteresse eine Rolle, denn im Jahr 2016 stimmte das Volk \u00fcber die \u00c4nderung des Asylgesetzes ab. Die SVP hat wahrscheinlich versucht, das Thema in die \u00d6ffentlichkeit zu bringen. Was \u00fcberrascht: die SP hatte in Asylfragen nicht viel mitzuteilen. Es w\u00e4re zu erwarten, dass die SP als Gegenpol zur SVP mindestens gleich h\u00e4ufig Meldungen \u00fcber dieses Anliegen rausschickt. Allerdings war die Nennung von Worten in der Kategorie \u00abFl\u00fcchtlinge\u00bb bei der SP, neben den Gr\u00fcnen, am tiefsten. Die CVP und die FDP hingegen haben im Jahr der Abstimmung \u00fcber das Asylgesetz vergleichsweise viel \u00fcber dieses Anliegen geschrieben. Ab 2017 hat das Thema \u00abFl\u00fcchtlinge\u00bb jedoch sowohl als Sorge in der Bev\u00f6lkerung als auch als politisches Thema in den Medienmitteilungen der Parteien deutlich abgenommen.<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Fl\u00fcchtlinge.html\" scrolling=\"no\" width=\"100%\" height=\"500\" class=\"iframe-class\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p><p><strong>Arbeitslosigkeit scheint kein glamour\u00f6ses Thema zu sein<\/strong><\/p><p>Auch wenn die Arbeitslosenquote in der Schweiz in den letzten Jahrzenten selten \u00fcber vier Prozent lag (Seco), bleibt die Arbeitslosigkeit das am h\u00e4ufigsten genannte Problem. So antworten jedes Jahr \u00fcber 40 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, die Arbeitslosigkeit sei ihre gr\u00f6sste Sorge sowie das Problem, welches am dringendsten gel\u00f6st werden m\u00fcsse. Ein Blick in die Medienmitteilungen der Parteien zeigt jedoch, dass dieses Thema dort keinen Anklang findet. Macht sich die Bev\u00f6lkerung um etwas Sorgen, das gar nicht existiert? Liegen die Parteien richtig, diesem Thema keine grosse Aufmerksamkeit zu schenken? Die politische Linke setzt sich f\u00fcr einen Sozialstaat ein und daf\u00fcr, dass der Staat mehr f\u00fcr die Arbeitslosenbek\u00e4mpfung unternehmen soll. Umso mehr \u00fcberrascht es daher, dass sich die SP in ihren Medienmitteilungen gar nicht damit auseinandersetzt. B\u00fcrger, die im ersten Sektor besch\u00e4ftigt sind, wo die Arbeitslosigkeit am h\u00f6chsten ist, geh\u00f6ren heutzutage zu den W\u00e4hlern der SVP. Die SVP vermag die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger durch andere \u00c4ngste als die Arbeitslosigkeit abzuholen, beispielsweise mit Themen wie Einwanderungszuwachs.<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Arbeitlosigkeit-1.html\" scrolling=\"no\" width=\"100%\" height=\"500\" class=\"iframe-class\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p><p>Wenn man die Sorgen der Schweizer Bev\u00f6lkerung mit den Medienmitteilungen der Parteien vergleicht, scheinen die Parteien tats\u00e4chlich an den Sorgen der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger vorbei zu politisieren. Themen wie \u00abAusl\u00e4nder\u00bb und \u00abFl\u00fcchtlinge\u00bb finden zwar durchaus Anklang, schaut man sich den Zeitpunkt der h\u00e4ufigsten Nennungen an, wird jedoch klar, was das Ziel der Parteien ist: die eigenen politischen Ziele st\u00fctzen. Sich um die Sorgen der Bev\u00f6lkerung zu k\u00fcmmern scheint eher zweitrangig.  <\/p><p><span style=\"font-family: 'Open Sans', Arial, sans-serif;font-size: 18px;font-weight: bold\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h3>Informationen zum Blogbeitrag<\/h3><p>Autorin: Blerta Salihi,<br \/>\nMatrikelnummer: 12-736-758<br \/>\nMail: blerta.salihi@uzh.ch<br \/>\nAbgabedatum: 27.05.2019<br \/>\nAnzahl W\u00f6rter: 823<\/p><p>Veranstaltung: Forschungsseminar Politischer Datenjournalismus, Universit\u00e4t Z\u00fcrich<br \/>\nDozierende Personen: Dr. des. Bruno W\u00fcest, Alexandra Kohler<\/p><p><strong>Daten<\/strong><\/p><p>Die Pressemitteilungen der Parteien wurden mittels Web Scraping gesammelt.<\/p><p>Die Sorgen der Bev\u00f6lkerung wurden anhand vom <a href=\"https:\/\/www.credit-suisse.com\/corporate\/de\/responsibility\/dialogue\/sorgenbarometer\/download-center.html\">Sorgenbarometer<\/a> ermittelt.\u00a0Das Sorgenbarometer der Credit Suisse wird seit 41 Jahren j\u00e4hrlich erhoben. Im Auftrag der CS f\u00fchrt das Forschungsinstitut gfs.bern eine repr\u00e4sentative Umfrage unter 1000 Stimmberechtigten in allen Landesteilen der Schweiz durch und befragt die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger unter anderem nach ihren Sorgen. Die Daten werden mittels pers\u00f6nlicher Interviews (so genannter Face-to-face-Interviews) erhoben.<\/p><p>Weitere Daten:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/wirtschaftslage---wirtschaftspolitik\/Wirtschaftslage\/Arbeitslosenzahlen.html\">https:\/\/www.seco.admin.ch\/<br \/>\n<\/a><\/p><p><strong>Anmerkung zur Textanalyse<\/strong><\/p><p>Die Medienmitteilungen der Parteien wurden nach den Themen \u00abAusl\u00e4nder\u00bb,\u00a0 \u00abFl\u00fcchtlinge\u00bb und \u00abArbeitslosigkeit\u00bb durchgesucht. Dabei wurden alle W\u00f6rter, die zu diesen Themen geh\u00f6ren ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor Arbeitslosigkeit f\u00fcrchten sich Schweizer seit eh und je. 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