{"id":1662,"date":"2014-04-08T13:28:47","date_gmt":"2014-04-08T12:28:47","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=1662"},"modified":"2017-02-23T16:46:13","modified_gmt":"2017-02-23T15:46:13","slug":"1662","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2014\/04\/08\/1662\/","title":{"rendered":"Katalonien und Schottland \u2013 Zwei Regionen mit dem Wunsch der Unabh\u00e4ngigkeit"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1980\" style=\"line-height: 1.5;\" alt=\"tbsn\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?p=1463tbsn.jpg\" width=\"945\" height=\"316\" \/><strong>Am 18. September 2014 wird in Schottland \u00fcber das Referendum zur Unabh\u00e4ngigkeit vom Vereinigten K\u00f6nigreich abgestimmt. Das katalanische Parlament will am 9. November 2014 eine Volksbefragung durchf\u00fchren, wobei die B\u00fcrgerInnen \u00fcber die Zugeh\u00f6rigkeit Kataloniens in Zukunft befragt werden sollen. Beide Regionen grenzen sich durch eine eigene Sprache ab und haben das Gef\u00fchl, dass sie bei einer allf\u00e4lligen Unabh\u00e4ngigkeit \u00f6konomisch besser gestellt w\u00fcrden.<\/strong><\/p><p>Der gr\u00f6sste Unterschied zwischen den beiden Regionen betrifft die Haltung (zum Wunsch der Unabh\u00e4ngigkeit) des Staates, dem sie bis jetzt angeh\u00f6ren.<br \/>\nDas Vereinigte K\u00f6nigreich ist sicherlich nicht gl\u00fccklich \u00fcber diesen Abspaltungswunsch der Schotten, legt ihnen jedoch aktiv keine Steine in den Weg. Im Gegenteil, das schottische Parlament h\u00e4tte gar nicht die Befugnis ein verfassungs\u00e4nderndes Referendum abzuhalten. Das Parlament des Vereinigten K\u00f6nigreichs hat jedoch eine ausserordentliche Befugnis erlassen, welche dieses Referendum rechtsm\u00e4ssig macht (<a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/policies\/facilitating-a-legal-fair-and-decisive-referendum-in-scotland\">vgl. UK Gov.<\/a>).<\/p><p>In Katalonien sieht die Situation anders aus. Das katalanische Parlament will im November eine Volksbefragung durchf\u00fchren, diese wird jedoch durch das spanische Parlament blockiert, da nur dieses in der Lage ist solche Volksbefragungen und Referenden anzusetzen (<a href=\"http:\/\/www.bbc.com\/news\/world-europe-25353086 \">vgl. BBC News<\/a>). Falls die spanische Zentralregierung dem Wunsch nach einer Volksbefragung der Katalanen nicht nachkommen soll, haben diese gedroht eine einseitige Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung aufzusetzen.<br \/>\nDas Vorgehen der beiden Regierungen unterscheidet sich also grunds\u00e4tzlich.<\/p><p>Sezessionen sind meist von zwei Dimensionen gepr\u00e4gt: Der kulturellen (meist von Nationalismus gepr\u00e4gt) und der \u00f6konomischen Dimension.<br \/>\nDie kulturelle Dimension meint hierbei, die Dimension, auf der sich die Leute mit ihrer Region identifizieren. Der gr\u00f6sste Faktor der Identifikation ist eine eigene Sprache, welche die Region vom Rest des jeweiligen Landes unterscheidet. Bei der \u00f6konomischen Dimension geht es um die \u00f6konomische Betroffenheit der B\u00fcrger der jeweiligen Regionen. Also ob sie das Gef\u00fchl haben, als eigenst\u00e4ndiger Staat w\u00fcrden sie in \u00f6konomischen Belangen, wie zum Beispiel der Arbeitslosigkeit, besser gestellt.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: none;\" src=\"\/\/e.infogr.am\/infographic-78025\" height=\"744\" width=\"550\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"width: 550px; border-top-width: 1px; border-top-style: solid; border-top-color: #acacac; padding-top: 3px; font-family: Arial; font-size: 10px; text-align: left;\"><em>Datenquelle: EUROSTAT. Darstellung mit infogr.am.<\/em><\/p><p>Katalonien umfasst 15.9% der gesamten spanischen Bev\u00f6lkerung, Schottland hingegen nur 8.4% der britischen Bev\u00f6lkerung. Absolut gesehen w\u00e4ren in Schottland weniger Personen von einer Abspaltung betroffen, obqohl das Vereinigte K\u00f6nigreich eine gr\u00f6ssere Bev\u00f6lkerung aufweist, als Spanien.<br \/>\nKatalonien verf\u00fcgt \u00fcber ein rund 4&#8217;000\u20ac h\u00f6heres BIP\/Kopf als Spanien. Schottland hingegen weist ein um 2&#8217;000\u20ac kleineres BIP\/Kopf auf, als das Vereinigte K\u00f6nigreich. Hier muss allerdings beachtet werden, dass die \u00d6l-Einnahmen Schottlands nicht in die Berechnung einbezogen wurden. Mit diesen h\u00e4tte Schottland ein vergleichbar hohes BIP\/Kopf wie die wirtschaftlich st\u00e4rkste Region der Hauptstadt London (<a href=\"http:\/\/www.bbc.com\/news\/uk-scotland-24866266 \">vgl. BBC News<\/a>). Wer die Einnahmen der \u00d6lf\u00f6rderungen in der Nordsee, bei einer allf\u00e4lligen Unabh\u00e4ngigkeit Schottlands bekommen w\u00fcrde, ist einer der Punkte, in welchem sich beide Parteien uneinig sind.<br \/>\nSchottland und das Vereinigte K\u00f6nigreich unterscheiden sich in puncto Arbeitslosenquote nicht. Spanien hingegen weist seit der Finanzkrise allgemein eine sehr hohe Arbeitslosenquote auf. Katalonien weist eine tiefere Quote auf.<br \/>\nDies widerspiegelt auch die Quote der von Armut bedrohten Personen. In Spanien sind deutlich mehr Personen davon betroffen als in Katalonien. In Schottland hingegen sind mehr Personen von Armut bedroht als im ganzen Vereinigten K\u00f6nigreich.<br \/>\nDie \u00f6konomische Situation zeigt, dass die Katalanen sich von Spanien zur\u00fcckgesetzt f\u00fchlen, da sie \u00f6konomisch alleine besser dastehen w\u00fcrden. Auch die Schotten haben das Gef\u00fchl, dass sich ihre Situation ohne den Rest des Vereinigten K\u00f6nigreichs, vor allem durch die \u00d6l-Einnahmen stark verbessern k\u00f6nnte.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: none;\" src=\"\/\/e.infogr.am\/infographic-32757\" height=\"769\" width=\"551\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<div style=\"width: 551px; border-top: 1px solid #acacac; padding-top: 3px; font-family: Arial; font-size: 10px; text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Datenquelle: EUROSTAT. Darstellung mit infogr.am.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: 'Source Sans Pro', Helvetica, sans-serif; font-size: 16px; line-height: 1.5;\">Bei Umfragen in beiden Regionen wurden Personen gefragt, mit welcher Nationalit\u00e4t sie sich identifizieren. In Schottland sehen sich 62.4% der Befragten als Schotten an. 18.3% sehen sich als Schotten und Briten und nur gerade 8.4% sehen sich als Briten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: 'Source Sans Pro', Helvetica, sans-serif; font-size: 16px; line-height: 1.5;\">In Katalonien sehen sich 33.3% der Befragten als Katalanen und Spanier, 31.3% als Katalanen und 26.6% als mehr katalanisch als Spanisch. Z\u00e4hlt man diejenige, welche sich als Katalanen sehen und diejenige, welche sich \u00fcberwiegend als Katalanen sehen, ist das Resultat vergleichbar mit demjenigen in Schottland. In beiden Regionen sehen sich ca. zwei Drittel als Katalanen respektive Schotten. Die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung identifiziert sich als eigene Nation.<\/span><em><\/em><\/p>\n<\/div><p>In beiden F\u00e4llen unterscheiden sich die Regionen durch die Sprache vom Rest des Landes. In Schottland wird neben Englisch, Scots (nicht zu verwechseln mit schottischem Englisch, der Amtssprache Schottlands) und Gaelic gesprochen. Wobei Gaelic nur noch \u00fcberwiegend auf den Inselregionen Schottlands gesprochen wird. 98.3% der Bev\u00f6lkerung hat keine Kenntnisse mehr von Gaelic, deshalb kann Gaelic auch nicht als Identifikationsfaktor der Schotten dienen. Scots Kenntnisse weisen hingegen noch gut ein Drittel der Bev\u00f6lkerung auf, wobei nur 23.9% angegeben haben, dass sie dies lesen, schreiben und sprechen k\u00f6nnen.<br \/>\nIn Katalonien sieht die Situation ganz anders aus. Dort geben 95.1% der Befragten an katalanisch zu verstehen. Selbst schreiben k\u00f6nnen noch 55.7%. Dies zeigt, dass in Katalonien eine gr\u00f6ssere Abgrenzung der Region von Spanien schon durch die Sprache entsteht. Dieser deutliche Unterschied ist in Schottland nicht vorhanden.<\/p><p>Dies widerspiegelt sich auch in den Meinungsumfragen, die meist von Zeitungen durchgef\u00fchrt wurden. Hier zeigt sich, dass das Thema der Unabh\u00e4ngigkeit in Katalonien auf viel mehr Unterst\u00fctzung der B\u00fcrgerInnen st\u00f6sst, als in Schottland.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: none;\" src=\"\/\/e.infogr.am\/infographic-21319\" height=\"550\" width=\"551\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<div style=\"width: 551px; border-top-width: 1px; border-top-style: solid; border-top-color: #acacac; padding-top: 3px; font-family: Arial; font-size: 10px; text-align: left;\"><p><em>Datenquellen: El Peri\u00f3dico, La Vanguardia, Whatscotlandthinks.org. Darstellung mit infogr.am.\u00a0<\/em><\/p>\n<\/div><p>In Schottland schwankt die Zustimmung zwischen 28% (Mai 2010) und 36% (Juli 2008). Im Schnitt spricht sich nur ein Drittel der Schotten f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit aus. Auch \u00fcber den Befragungszeitraum keine Tendenzen feststellen. Die Zustimmung zur Unabh\u00e4ngigkeit h\u00e4lt sich konstant im genannten Bereich.<br \/>\nIn Katalonien sprechen sich hingegen zwischen 33.9% (Oktober 2007) und 57.8% (Mai 2013) f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit aus. Je nach Zeitpunkt der Befragung w\u00e4re das Begehren an den Urnen angenommen worden. Auch zu sehen ist, dass sich vom M\u00e4rz 2010 bis Juli 2013 mehrheitlich eine Steigerung der Zustimmung feststellen l\u00e4sst. Dies l\u00e4sst sich sicherlich auch auf die zunehmend schwieriger werdende Situation Spaniens, in puncto Wirtschaftslage zur\u00fcckf\u00fchren<em>.<\/em><\/p><p>Schaut man sich die Verteilung der Zustimmung in der Bev\u00f6lkerung nach Alterskategorien an, sieht man, dass in Schottland vor allem die j\u00fcngeren Generationen sich f\u00fcr eine Abspaltung aussprechen.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: none;\" src=\"\/\/e.infogr.am\/infographic-68986\" height=\"550\" width=\"551\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<div style=\"width: 551px; border-top-width: 1px; border-top-style: solid; border-top-color: #acacac; padding-top: 3px; font-family: Arial; font-size: 10px; text-align: left;\"><p><span style=\"color: #000000;\"><em><a style=\"color: #acacac; text-decoration: none;\" href=\"\/\/infogr.am\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #000000;\">Datenquellen: Institut de Ci\u00e8nes Politiques i Socials und Lord Ashcroft Polls. Darstellung mit infogr.am.<\/span><\/a><\/em><\/span><\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<\/div><p><em><\/em><span style=\"font-family: 'Source Sans Pro', Helvetica, sans-serif; font-size: 16px; line-height: 1.5;\">Mit zunehmendem Alter sprechen sich die Schotten weniger f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit aus. In Katalonien sprechen sich gerade die B\u00fcrger bis 25 Jahre nicht f\u00fcr die Sezession aus. Ab 25 ist die Zustimmung relativ konstant.<\/span><\/p><p>Die Frage eines unabh\u00e4ngigen Staates st\u00f6sst in Katalonien eindeutig auf mehr Geh\u00f6r. Eine Annahme einer allf\u00e4lligen Abstimmung ist dort sicherlich nicht auszuschliessen. In Schottland zeigt sich die Situation gem\u00e4ssigter. Hier ist zu diesem Zeitpunkt nicht mit einer Annahme des Referendums zu rechnen. Der Hauptunterschied der beiden Regionen ist der Umgang der Zentralregierung mit dem Wunsch der Sezession. Wie sich dieser weiterentwickelt, wird sich bald zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 18. September 2014 wird in Schottland \u00fcber das Referendum zur Unabh\u00e4ngigkeit vom Vereinigten K\u00f6nigreich abgestimmt. Das katalanische Parlament will am 9. November 2014 eine Volksbefragung durchf\u00fchren, wobei die B\u00fcrgerInnen \u00fcber die Zugeh\u00f6rigkeit Kataloniens in Zukunft befragt werden sollen. 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