{"id":17331,"date":"2019-06-17T21:31:10","date_gmt":"2019-06-17T19:31:10","guid":{"rendered":"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?p=17331"},"modified":"2019-08-20T10:34:14","modified_gmt":"2019-08-20T08:34:14","slug":"sprachverstaendlichkeit-im-parlament-ideen-fuer-2-blog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2019\/06\/17\/sprachverstaendlichkeit-im-parlament-ideen-fuer-2-blog\/","title":{"rendered":"Wie verst\u00e4ndlich reden unsere Politikerinnen und Politiker?"},"content":{"rendered":"<h3>Schweizer&nbsp;ParlamentarierInnen werden stets mit einem gewissen Argwohn aus verschiedenen Teilen der Bev\u00f6lkerung konfrontiert. Dieser Vorbehalt ist unter anderem auf die komplizierte Sprache im Ratssaal zur\u00fcckzuf\u00fchren. Wie gehen die PolitikerInnen in Bern, beim Versuch ihre Volksn\u00e4he zu betonen, mit diesem Umstand um? Eine Textanalyse mehrerer tausend Parlamentsreden geht der Sache auf die Spur.<\/h3><p>Oliver Roos, 16.06.2019<\/p>\n<div id=\"attachment_17643\" style=\"width: 1004px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2019\/06\/17\/sprachverstaendlichkeit-im-parlament-ideen-fuer-2-blog\/nationalrat-2\/\" rel=\"attachment wp-att-17643\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17643\" width=\"994\" height=\"476\" class=\"wp-image-17643 size-full\" alt=\"\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Nationalrat.jpg\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Nationalrat.jpg 994w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Nationalrat-300x144.jpg 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Nationalrat-768x368.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 994px) 100vw, 994px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-17643\" class=\"wp-caption-text\">Rede im Nationalrat. Quelle: Top Online.<\/p>\n<\/div><p>Sprache und Politik sind schon seit jeher sehr eng miteinander verbunden. PolitikerInnen sind stets mit der Herausforderung konfrontiert, schwierige Sachverhalte einem m\u00f6glichst grossen Teil der Bev\u00f6lkerung verst\u00e4ndlich zu erkl\u00e4ren.&nbsp; Vielen,&nbsp; oftmals Spezialisten auf ihrem Politikgebiet, f\u00e4llt es allerdings schwer, die B\u00fcrger \u00fcberzeugend und effektiv anzusprechen.&nbsp;Denn f\u00fcr eine gute und leicht verst\u00e4ndliche Rede bedarf es neben einer guten Rhetorik und einem sicheren&nbsp;Auftreten zus\u00e4tzlich auch eines ad\u00e4quaten Sprachniveaus. Einerseits m\u00fcssen PolitikerInnen ihre Problematik sachkompetent und nicht zu banal wiedergeben, um ernstgenommen zu werden. Andererseits werden zu komplex und schwierig formulierte Reden nicht aufmerksam verfolgt oder \u00fcberhaupt verstanden und wirken dar\u00fcber hinaus abgehoben und elit\u00e4r.<\/p><p>In der Schweiz sollten die PolitikerInnen der Bev\u00f6lkerung in Anbetracht des Milizsystems eigentlich n\u00e4her stehen. Nichtsdestotrotz kann schon seit l\u00e4ngerem eine Kluft&nbsp;zwischen den W\u00e4hlern und denen &#8222;da oben in Bern&#8220; beobachtet werden, deren Ursache unter anderem auch in der politische Sprache gesucht werden muss. Verfolgt man einmal die Debatte im Nationalrat, welche h\u00e4ufig &nbsp;von vielen trockenen, m\u00f6glichst schnell abgelesenen Reden gepr\u00e4gt ist, dann macht die politische Ausdrucksweise nicht gerade einen einladenden Eindruck. Dies best\u00e4tigte sich auch schon in einer <a style=\"font-size: 16px;\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/sie-sind-gut-beraten-das-fuder-nicht-zu-ueberladen\/story\/27322660#card2\">Umfrage des Tagesanzeiger,<\/a><span style=\"font-size: 16px;\">&nbsp;bei welcher 46% die Diskussion im Parlament als langweilig und nicht volksnah empfanden. Nicht erst seit kurzem wird die politische Klasse mit einem schwer verst\u00e4ndlichen &#8222;Polit-Deutsch&#8220; in Verbindung gebracht. Dieses ist, laut einer <\/span><a style=\"font-size: 16px;\" href=\"https:\/\/www.easyvote.ch\/fileadmin\/files\/Wahlen\/2015\/143114_SB_Easyvote_Publikationsfassung.pdf\">Studie des Gfs Bern <\/a>von 2014, unter anderem daf\u00fcr verantwortlich, dass viele Jungb\u00fcrger von den Wahlen und Abstimmungen fernbleiben, da Ihnen die Sprache der Politikerinnen und Politiker schlicht zu schwierig sei.<\/p><p>Ist diese fachspezifische und eher trockene Sprache der PolitikerInnen aber auch&nbsp;tats\u00e4chlich so schwer verst\u00e4ndlich oder hat sie nur ein schlechtes Image? Obwohl ParlamentarierInnen ihre Reden im engeren Sinn nur f\u00fcr ihre Kollegen halten, ist dennoch fast allen bewusst, dass sie damit eigentlich das Volk adressieren. Besonders gerne betont dies SVP-Nationalrat Amstutz: <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/sie-sind-gut-beraten-das-fuder-nicht-zu-ueberladen\/story\/27322660\">\u00abIch rede jetzt zur Bev\u00f6lkerung an den Fernsehern!\u00bb<\/a>&nbsp;Da in den beiden nationalen R\u00e4ten die Landespolitik massgebend bestimmt wird, stehen sie auch immer unter der Beobachtung der \u00d6ffentlichkeit. Die Reden sollten folglich f\u00fcr den Durchschnittsb\u00fcrger greifbar sein.<br \/>\nUm spezifischere Angaben machen zu k\u00f6nnen, wurden rund 100&#8217;000 deutschsprachige Parlamentsreden zwischen 1995 und 2017 in einer quantitativen Textanalyse mithilfe eines Index [siehe Infobox unten] hinsichtlich ihre Sprachkomplexit\u00e4t untersucht.<\/p>\n<section class=\"infobox\"><strong>4. Wiener Sachtextformel &#8211; Index f\u00fcr Textkomplexit\u00e4t<\/strong><wbr><\/p><p>Die (neue) Wiener Sachtextformeln, welche von Bamberger und Vanecek (1984) direkt f\u00fcr die deutsche Sprache entwickelt wurden, verfolgen die Absicht einen intuitiveren Wert f\u00fcr Lesbarkeit und somit auch Textverst\u00e4ndlichkeit zur Verf\u00fcgung zu stellen. Der Wertebereich geht dabei von 4 bis 15, wobei die Werte ungef\u00e4hr den Schulstufen entsprechen. Ein Text mit einem Index von 4 kann somit von Viertkl\u00e4sslern verstanden werden, w\u00e4hrend Texte mit Werten ab 12 eher f\u00fcr Akademiker geeignet sind. Es gibt insgesamt 4 verschiedene Formeln, von welchen die 4., welche verwendet wurde, am schlichtesten und damit besonders gut geeignet f\u00fcr die Analyse grosser Textkorpora ist.<wbr><\/p><p><strong>WSTF4 = 0.2656*SL + 0.2744*MS &#8211; 1.693<\/strong><wbr><\/p><p><em>SL \u2013 Satzl\u00e4nge (mittlere Satzl\u00e4nge (Anzahl W\u00f6rter\/ Anzahl S\u00e4tze)); MS &#8211; Mehrsilber (prozentualer Anteil W\u00f6rter mit drei oder mehr Silben)<\/em><\/p><p>Dabei werden entsprechende Werte eines Textes (<em>mittlere Satzl\u00e4nge und prozentualer Anteil an Mehrsilbern<\/em>) ermittelt\/gez\u00e4hlt und in die Formel eingesetzt, um als Ergebnis die entsprechende Schulstufe zu erhalten, f\u00fcr die jener Text geeignet ist.<\/p>\n<\/section>\n<h3>Ist die &#8222;volksnahe&#8220; SVP auch einfach zu verstehen?<\/h3><p>Dass das Thema der distanzierten Politikersprache mittlerweile sogar die Schweizer Volks Partei (SVP) besch\u00e4ftigt, welche immer wieder selbstbewusst ihre eigene Volksn\u00e4he betont, zeigte sich k\u00fcrzlich bei einer Pressekonferenz. Christoph Blocher bezog nach der Niederlage seiner Partei in mehreren Kantonen Stellung und forderte, dass viele SVP-Politiker wieder einfacher reden sollten.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.20min.ch\/schweiz\/news\/story\/Versteht-das-Volk-die-SVP-nicht-mehr--31244667\">\u00abDie Leute verstehen nicht mehr, was die Politiker in Bern sagen wollen. Auch die SVP muss hier aufpassen.\u00bb<\/a>&nbsp;Ist die SVP wirklich schlechter verst\u00e4ndlich als fr\u00fcher? Und inwiefern bestehen \u00fcberhaupt Unterschiede zwischen den verschiedenen nationalen Parteien hinsichtlich ihrer Sprachverst\u00e4ndlichkeit?<\/p><p>Ein Blick auf die untenstehende Grafik zeigt, dass diese Vorw\u00fcrfe von Blocher teilweise zur\u00fcckgewiesen werden m\u00fcssen. Die Trendlinie zeigt sich n\u00e4mlich deutlich, dass die Textkomplexit\u00e4t der SVP-Reden im Parlament \u00fcber die letzten 20 Jahre kleiner geworden ist. Dem Anspruch der Bev\u00f6lkerung am n\u00e4chsten zu stehen, wurde die Partei in den letzten Jahren also tats\u00e4chlich gerecht, abgesehen von der BDP, deren &nbsp;Reden 2017 im Schnitt noch einfacher waren. Die FDP ist, zusammen mit der CVP, die Partei, die die schwersten Reden im Parlament h\u00e4lt. Eine m\u00f6gliche Begr\u00fcndung, wonach die SVP und BDP aufgrund ihres, im Vergleich zu den anderen Parteien, tiefen Anteils an Akademikern im Parlament (siehe <a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?p=4898\">Blogbeitrag<\/a> 2015)&nbsp;die einfachsten Reden geben, bleibt gegenstandslos, da die Gr\u00fcnen, welche prozentual die meisten Hochschulabg\u00e4ngerInnen in ihren Reihen haben, sogar \u00fcber lange Zeit die Spitzenreiter bez\u00fcglich Verst\u00e4ndlichkeit waren.<\/p><p><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?attachment_id=18251\" rel=\"attachment wp-att-17523\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"4200\" height=\"3600\" class=\"aligncenter wp-image-18251 size-full\" alt=\"\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/nWS_allparties_new.png\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/nWS_allparties_new.png 4200w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/nWS_allparties_new-300x257.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/nWS_allparties_new-768x658.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/nWS_allparties_new-1024x878.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 4200px) 100vw, 4200px\" \/><\/a><\/p><p>Diese Unterschiede im Verst\u00e4ndlichkeitsgrad der Parteien sollte aber nicht \u00fcberh\u00f6ht werden. So war der durchschnittliche Abstand zwischen den schwer und leicht verst\u00e4ndlichen Parteien maximal ein Index-Punkt, sprich eine Schulstufe, was schlussendlich keinen riesigen Unterschiede ausmacht. Allerdings viel interessanter ist die Interpretation des tats\u00e4chlichen Zahlenwerts, der bei allen Parteien des gesamten Zeitraums immer \u00fcber 9 lag. Somit sind Schweizer Parlamentsreden mindestens so komplex wie ein NZZ-Artikel [siehe kleine Indobox unten] und k\u00f6nnen erst von Sch\u00fclern am Ende der Sekundarschule (Ende der obligatorischen Schulzeit) verstanden werden.<\/p>\n<section class=\"textbox\">Zur besseren Einordnung der Textkomplexit\u00e4t-Werte:<\/p>\n<ul style=\"text-align: left;\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>ein <strong>NZZ-Artikel<\/strong> hat im Durchschnitt einen Indexwert h\u00f6her als 9<\/li>\n<li>ein <strong>20min Artikel<\/strong> hingegen nur knapp 7.5<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: left;\">Zur Berechnung dieser Werte wurden jeweils f\u00fcnf Artikel zuf\u00e4llig ausgesucht und davon die durchschnittliche Sprachverst\u00e4ndlichkeit errechnet. Diese Werte wurden in der oberen Grafik als Referenz hinzugef\u00fcgt.<\/p><p>Texte bis zur 9. Stufe k\u00f6nnen als leicht bis mittel eingesch\u00e4tzt werden. Dann wird es mit steigenden Werten tendenziell schwieriger.<\/p>\n<\/section><p>Unter anderem \u00e4rgerte sich auch schon Nationalrat C\u00e9dric Wermut selbstkritisch \u00fcber die Debattenkultur und Sprache des eigenen Kollegiums. \u00abWir leben hier manchmal in einer Blase\u00bb, <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/sie-sind-gut-beraten-das-fuder-nicht-zu-ueberladen\/story\/27322660\">gestand er dem Tagesanzeiger<\/a>, \u00abwir entwickeln uns in Bern zu Fachspezialisten. Darum ist die Sprache oft so \u00adtechnokratisch.\u00bb<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Reden werden einfacher<\/h3><p>Trotz der Erkenntnis, dass die Reden im National- und St\u00e4nderat tendenziell komplex und ein wenig schwerer verst\u00e4ndlich sind, kann man bei fast allen Parteien eine schrittweise Reduktion der Textkomplexit\u00e4t seit 1995 beobachten. &nbsp;Nur die Textkomplexit\u00e4t der FDP Parlamentsbeitr\u00e4ge scheint sich \u00fcber den ganzen Untersuchungszeitraum kaum ver\u00e4ndert zu haben. Ein genereller Trend hin zu simpleren Reden im Schweizer Parlament l\u00e4sst sich dennoch nicht von der Hand weisen. So lag der durchschnittliche Index f\u00fcr die Textkomplexit\u00e4t 1995\/96 bei 10.02 und 2016\/17 bei rund 9.62. Es gibt also durchaus ein Bestreben der Politiker, auf die Kritik der Entfernung zur Bev\u00f6lkerung mit einer verst\u00e4ndlicheren Sprache zu reagieren.&nbsp;Einige <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/sie-sind-gut-beraten-das-fuder-nicht-zu-ueberladen\/story\/27322660\">ParlamentarierInnen geben sogar offen zu<\/a>, dass sie&nbsp;im Bem\u00fchen dem Zuschauer, dem \u00abVolk\u00bb zu gefallen, oftmals schlechter reden, als sie k\u00f6nnen.<\/p><p>Besonders auffallend ist diese Abw\u00e4rts-Tendenz, wie schon vorher angemerkt wurde, bei der SVP. War der Anteil an ziemlich schwierigen (und schwereren) Reden 1995 noch bei Rund 75%, so ist in den Jahren bis 2017 auf knapp 50% gesunken. Ebenfalls stechen die neuen Mitte-Parteien, GLP und BDP, heraus. Beide Parteien haben ihre Reden, welche zu Beginn eher schwierig waren, seit ihrem Einzug ins nationale Parlament im Jahr 2007 in kurzer Zeit stark in der Komplexit\u00e4t vereinfacht.<\/p>\n<div id=\"attachment_17635\" style=\"width: 790px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?attachment_id=17635\" rel=\"attachment wp-att-17634\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17635\" width=\"780\" height=\"606\" class=\"wp-image-17635 size-large\" alt=\"\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/komplexit\u00e4tsanteile-copia-1024x796.png\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/komplexit\u00e4tsanteile-copia-1024x796.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/komplexit\u00e4tsanteile-copia-300x233.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/komplexit\u00e4tsanteile-copia-768x597.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 780px) 100vw, 780px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-17635\" class=\"wp-caption-text\">Kategorien: <strong>sehr leicht<\/strong> &lt; 6 WSTF4; <strong>leicht<\/strong> &gt;= 6 & &lt;7.5; <strong>mittel<\/strong> &gt;= 7.5 & &lt; 9; <strong>ziemlich schwierig<\/strong> &gt;= 9 & &lt; 11; <strong>schwierig<\/strong> &gt;=11 & &lt; 13; <strong>sehr schwierig<\/strong> &gt;= 13.<\/p>\n<\/div><p>Obwohl die Mehrheit der Reden tendenziell schwierig bleiben, ist indes hervorzuheben, dass sehr schwer verst\u00e4ndliche Beitr\u00e4ge (dunkelblau in Grafik), welche nur von Menschen mit h\u00f6herer Bildung aufgefasst werden k\u00f6nnen, konstant niedrig bleiben.<\/p>\n<h3>Giezendanner spricht in Bern am verst\u00e4ndlichsten<\/h3><p>W\u00e4hrend sich die Unterschiede zwischen den Parteien in beiden Kammern des Parlaments in Grenzen halten, sind die Reden der Politiker selbst sehr stark polarisiert hinsichtlich ihrer Sprachkomplexit\u00e4t. Am unkompliziertesten aller ParlamentarierInnen spricht der Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner, oft auch als ein <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/Giezendanner-ist-wuetend\/story\/15525641?track\">Haudegen<\/a> bekannt, mit einem Lesbarkeitsindex von nur 7.14. Seine Reden sind so im Schnitt noch weniger komplex als ein durchschnittlicher 20min Artikel.<\/p>\n<div id=\"attachment_17642\" style=\"width: 439px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a style=\"font-size: 16px; font-weight: bold;\" href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2019\/06\/17\/sprachverstaendlichkeit-im-parlament-ideen-fuer-2-blog\/giezendanner-foto\/\" rel=\"attachment wp-att-17642\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17642\" width=\"429\" height=\"242\" class=\"wp-image-17642\" alt=\"\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Giezendanner-foto-300x169.jpg\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Giezendanner-foto-300x169.jpg 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Giezendanner-foto.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 429px) 100vw, 429px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-17642\" class=\"wp-caption-text\">Ulrich Giezendanner am Rednerpult. Quelle Badener Tagblatt.<\/p>\n<\/div><p>Dicht auf Giezendanner folgen Ex-Bundesrat Burkhalter und Yvette Estermann. Beide sprechen Deutsch nicht als ihre Muttersprache, was erkl\u00e4ren k\u00f6nnte, weshalb die Texte ihrer Reden weniger kompliziert aufgebaut sind. Dahingegen findet man am Ende des Rankings PolitikerInnen mit sehr hohen durchschnittlichen Komplexit\u00e4tswerte von bis zu 12-13, die wohl f\u00fcr den Grossteil der Bev\u00f6lkerung zu schwierig sind. Auffallend dabei ist, dass mit de Buman, K\u00fcchler, Markwalder und Bischofsberger gleich vier ehemalige St\u00e4nde- oder Nationalratspr\u00e4sidenten in den Top-10 der schwer verst\u00e4ndlichen Redner auftauchen. Dies ist vermutlich auf das Verlesen der komplizierten Formalit\u00e4ten der Ratspr\u00e4sidenten zur\u00fcckzuf\u00fchren, die alleinstehend wenig durchsichtig sind.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" width=\"606\" height=\"482\" src=\"\/\/datawrapper.dwcdn.net\/DMAoJ\/14\/\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p><p>Erkennt man nun anhand der Rangliste auch die besten RednerInnen des Parlaments? Nein, das kann man so sicher nicht sagen! Wie anfangs bereits einmal erw\u00e4hnt wurde erfordert eine Ansprache weit mehr, als bloss ein simple Sprachverst\u00e4ndlichkeit. Wenig komplexe Reden, werden zwar von mehr Menschen verstanden, sind aber nicht automatisch auch spannend oder packend.<\/p>\n<section class=\"infobox\"><strong>Informationen zum Beitrag<\/strong><br \/>\nBlogbeitrag im Rahmen des Forschungsseminars \u00abPolitischer Datenjournalismus\u00bb (FS 2019)<\/p><p>Dozierende: Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Theresa Gessler, Alexandra KohlerTitel: &#8222;Wie verst\u00e4ndlich reden unsere Politikerinnen und Politiker?&#8220;<\/p><p>Anzahl W\u00f6rter (exkl. Lead, Anh\u00e4nge und Infoboxen): 1180<\/p><p>Verfasser: Oliver Roos, Matr. Nr. 15-710-890 | oliver.roos@bluewin.ch<\/p><p><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2019\/06\/17\/sprachverstaendlichkeit-im-parlament-ideen-fuer-2-blog\/selbststaendigkeitserklaerungipz_oroos\/\" rel=\"attachment wp-att-17899\">Selbstst\u00e4ndigkeitserkl\u00e4rung<\/a><\/p><p><strong>Daten,Vorgehen und Validit\u00e4t<\/strong><\/p><p>Die in diesem Beitrag verwendeten Daten zu allen Parlamentsreden zwischen 1995 und 2017 wurden vom Institut f\u00fcr Politikwissenschaft Z\u00fcrich (IPZ) im Rahmen des Forschungsseminars zur Verf\u00fcgung gestellt. F\u00fcr die Datenauswertung wurden lediglich die deutschsprachigen Reden verwendet und \u00fcberdies nur Reden mit einer L\u00e4nge von min. 750 Zeichen. Auf kleinere Parteien, wie zum Beispiel die EDU, CSP oder Lega, wurde aus Gr\u00fcnden der Aussagekraft (zu wenige Reden) und zugunsten einer besseren \u00dcbersicht nicht eingegangen. Mit Hilfe des <a href=\"https:\/\/quanteda.io\/reference\/textstat_readability.html?q=reada\">quanteda-packages<\/a> und der oben bereits ausgef\u00fchrten Wiener Sachtextformel wurden die Lesbarkeit f\u00fcr jede Rede berechnet. Extremwerte weit ausserhalb der eigentlichen Index-Skala wurden als Ausreisser aus dem Sample entfernt (Es waren haupts\u00e4chlich Aufz\u00e4hlungen von Artikelnummern und Parlamentariervorst\u00f6ssen, welche schlecht als Reden interpretiert werden konnten). Bei der Berechnung der durchschnittlichen Verst\u00e4ndlichkeit pro PolitikerIn f\u00fcr die Tabelle (Ranking) wurde des weiteren ein Minimumwert f\u00fcr die Anzahl Reden festgelegt. Die Visualisierungen wurden in R mit ggplot2 und\/oder Datawrapper erstellt.<br \/>\nDas R-Script kann <a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2019\/06\/17\/sprachverstaendlichkeit-im-parlament-ideen-fuer-2-blog\/r_code_blog_oliver_roos\/\" rel=\"attachment wp-att-17896\">hier<\/a> geladen werden.<br \/>\nAls Schwachpunkt dieser Auswertung muss angef\u00fcgt werden, dass die Ergebnisse stark vom jeweiligen Index abh\u00e4ngig sind. Die Werte der Sprachkomplexit\u00e4t waren zum Beispiel bei Benutzung der 1. WSTF, statt der 4. Formel, leichten Ver\u00e4nderungen unterworfen (generelle Tendenzen blieben erhalten), was vereinzelt eine andere Interpretation erm\u00f6glicht h\u00e4tte.<\/p><p><strong>Referenzen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Golder Lukas; Milic Thomas; Tsch\u00f6pe Stephan; M\u00fcller Meike; Schwab Johanna Lea (2014):&nbsp;<span style=\"font-size: 16px;\">Planungsstudie politisches Interesse und Jugendpartizipation. Im Auftrag von easyvote. Gfs Bern.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 16px;\">K\u00e4ser Julia (20min) 2019:&nbsp;<\/span><span style=\"font-size: 16px;\">Blocher kritisiert \u00abPolit-Deutsch\u00bb seiner Partei. (https:\/\/www.20min.ch\/schweiz\/news\/story\/Versteht-das-Volk-die-SVP-nicht-mehr&#8211;31244667 [23.04.2019]).<\/span><\/li>\n<li>Loser Philippe; Cassidy Alan (Tagesanzeiger) 2016:&nbsp;<span style=\"font-size: 16px;\">Dieses b\u00e4urische Hochdeutsch.&nbsp;<\/span><span style=\"font-size: 16px;\">So schneiden Amstutz und Co. im Debatten-Vergleich mit Berlin, Washington, London und Rom ab. (https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/sie-sind-gut-beraten-das-fuder-nicht-zu-ueberladen\/story\/27322660 [10.06.2019]).<\/span><\/li>\n<li>Mistric Vanessa (2015):&nbsp;Akademiker im Parlament: der Bildungsgraben schliesst sich. Data&nbsp;driven Journalism @ IPZ\/ UZH. (http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?p=4898 [23.04.2019]).<\/li>\n<li>Weber Hannes (der Bund) 2017:&nbsp;<span style=\"font-size: 16px;\">Debattieren, nicht ablesen! (https:\/\/www.derbund.ch\/schweiz\/standard\/debattieren-nicht-ablesen\/story\/28211668 [10.06.2019]).<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schweizer&nbsp;ParlamentarierInnen werden stets mit einem gewissen Argwohn aus verschiedenen Teilen der Bev\u00f6lkerung konfrontiert. Dieser Vorbehalt ist unter anderem auf die komplizierte Sprache im Ratssaal zur\u00fcckzuf\u00fchren. Wie gehen die PolitikerInnen in Bern, beim Versuch ihre Volksn\u00e4he zu betonen, mit diesem Umstand um? 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