{"id":17719,"date":"2019-06-14T15:46:25","date_gmt":"2019-06-14T13:46:25","guid":{"rendered":"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?p=17719"},"modified":"2019-08-20T10:40:04","modified_gmt":"2019-08-20T08:40:04","slug":"17719","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2019\/06\/14\/17719\/","title":{"rendered":"Nidwaldner &#8211; Die ruhigsten St\u00e4nder\u00e4te"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Analyse der Wortmeldungen im St\u00e4nderat zeigt, dass sich die St\u00e4nder\u00e4te des Kantons Nidwalden mit Abstand am wenigsten zu Wort melden. Wor\u00fcber sprechen sie also, wenn die Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te einmal zu Wort kommen?<\/strong><\/p><p>Im Vergleich aller Wortmeldungen im St\u00e4nderat pro Kanton zwischen 1995 und 2017 bilden die Halbkantone das Schlusslicht. Einzig der Kanton Jura reiht sich hinter Basel-Stadt in die Gruppe der &#8222;ruhigsten Kantone&#8220; im St\u00e4nderat ein. Mit nur einem St\u00e4nderat pro Legislatur f\u00fcr jeden Halbkanton und doppelter Vertretung f\u00fcr alle anderen Kantone scheint diese Reihenfolge kaum \u00fcberraschend.<br \/>\nTrotzdem f\u00e4llt auch im direkten Vergleich der Halbkantone auf, dass die Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te ruhiger sind als ihre Ratskollegen. Im Vergleich mit dem \u201egespr\u00e4chigsten\u201c Halbkanton, Basel-Stadt, melden sich Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te in der beobachteten Zeit \u00fcber 4x weniger zu Wort.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-18300\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik1.2_WordCount_Halbk-1-1024x896.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"569\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik1.2_WordCount_Halbk-1-1024x896.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik1.2_WordCount_Halbk-1-300x263.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik1.2_WordCount_Halbk-1-768x672.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p><p>Wie aus der Grafik ersichtlich wird, besteht sowohl zwischen Nidwalden und Appenzell Ausserrhoden, als auch zwischen Appenzell Innerrhoden und Basel-Stadt ein deutlicher Abstand. St\u00e4nder\u00e4te aus Basel-Stadt sind trotz ihrer einfachen Vertretung pro Legislatur fast gleich auf mit St\u00e4nder\u00e4ten des Kanton Neuenburg.<\/p><p><strong>Auch inhaltliche Unterschiede<br \/>\n<\/strong>Die Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te unterscheiden sich aber nicht nur in ihrer Gespr\u00e4chigkeit von ihren Kollegen, sondern scheinen auch inhaltlich andere Priorit\u00e4ten zu setzen. W\u00e4hrend z.B. St\u00e4nder\u00e4te aus Basel-Stadt oder Appenzell-Ausserrhoden vor allem finanzielle Angelegenheiten diskutieren, konzentrieren sich die Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te lieber auf Themen, die ihre Kantonsbev\u00f6lkerung betreffen. Neben der Besprechung von Kommissionsberichten, die f\u00fcr alle St\u00e4nder\u00e4te zum Alltag geh\u00f6rt, erz\u00e4hlen Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te gerne auch von Problemen ihres eigenen Kantons. Das soll nicht bedeuten, dass andere Kantone sich nicht auch um ihre kantonalen Interessen k\u00fcmmern, sondern in Anbetracht der seltenen Wortmeldungen zeigen, dass Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te sich haupts\u00e4chlich melden, um Anliegen ihres Heimatkantons zur Sprache zu bringen.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-18298\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik3.1_Tfidf_Halbk-1-1024x896.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"569\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik3.1_Tfidf_Halbk-1-1024x896.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik3.1_Tfidf_Halbk-1-300x263.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik3.1_Tfidf_Halbk-1-768x672.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p><p><strong>Paul Niederberger \u2013 der gespr\u00e4chigste von allen <\/strong><\/p><p>Auch wenn die Anzahl der Wortmeldungen f\u00fcr den Kanton Nidwalden im Vergleich mit anderen Kantonen gering ist, variiert auch unter den Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4ten das Meldebed\u00fcrfnis enorm. Obwohl Marianne Slongo und Paul Niederberger beide je zwei Legislaturperioden absolviert haben, \u00fcbertreffen Niederbergers Wortmeldungen die von Slongo um mehr als das Zweifache. Peter-Josef Schallberger hat w\u00e4hrend seiner letzten Legislaturperiode lediglich 48 mal vor dem St\u00e4nderat gesprochen. Weil die Parlamentsreden, die f\u00fcr diesen Artikel analysiert wurden, nur bis Ende 2017 reichen, ist die 50. Legislaturperiode nur zur H\u00e4lfte integriert. Hans Wicki, der amtierende St\u00e4nderat des Kantons Nidwalden, liegt vermutlich vor allem deshalb an letzter Stelle.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-18299\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik2.1_WordCount_SR_NW-1-1024x896.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"569\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik2.1_WordCount_SR_NW-1-1024x896.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik2.1_WordCount_SR_NW-1-300x263.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik2.1_WordCount_SR_NW-1-768x672.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p><p>Dass die Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te im Allgemeinen sehr ruhig sind, zeigt sich auch im Vergleich mit anderen Kantonen. Die Basel-st\u00e4dter St\u00e4nder\u00e4te Anita Fetz und Gian-Reto Plattner haben pro Legislaturperiode weitaus mehr zum St\u00e4nderat gesprochen, als ihre Nidwaldner Kollegen. Dasselbe gilt auch f\u00fcr die St\u00e4nder\u00e4te aus Appenzell-Ausserrhoden. Generell finden sich kaum weitere so ruhige St\u00e4nder\u00e4te, wie im Kanton Nidwalden.<br \/>\nOb die reine Menge der Wortmeldungen auch etwas \u00fcber die Qualit\u00e4t der Politiker aussagt, ist fragw\u00fcrdig. Viel interessanter ist die inhaltliche Analyse ihrer Parlamentsreden.<\/p><p><strong>Bauern, Landwirtschaft, Nidwalden<\/strong><\/p><p>Da ein Grossteil der Nidwaldner B\u00fcrger in der Landwirtschaft t\u00e4tig sind, gilt es f\u00fcr die Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te, die Interessen ihrer Bauern und der Landwirtschaft allgemein zu vertreten. Bauern, Landwirtschaft oder damit assoziierte Begriffe werden dementsprechend von Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4ten immer wieder aufgegriffen werden. So diskutieren die St\u00e4nder\u00e4te beispielsweise ausf\u00fchrlich, wie die wirtschaftliche Lage der Bauern erhalten bzw. verbessert werden kann und eine Wettbewerbsf\u00e4higkeit einheimischer Bauern gew\u00e4hrleistet bleibt, oder weisen darauf hin, wenn gesetzliche \u00c4nderungen Bergbauern in ihrer&nbsp;wirtschaftlichen Existenz zu gef\u00e4hrden drohen.<\/p><p>Obwohl die Landwirtschaft f\u00fcr alle Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te ein wichtiges Thema ist, greift Peter-Josef Schallberger dieses Thema am h\u00e4ufigsten in seinen Reden auf. Als eigenst\u00e4ndiger Landwirt kennt Schallberger die Bed\u00fcrfnisse und Sorgen der Bauern nur zu gut und hat seine Anliegen w\u00e4hrend der 45. Legislaturperiode auch gerne mit Anekdoten aus seinem eigenen Alltag als Landwirt geschm\u00fcckt.<\/p><p>Marianne Slongo hat in ihren Parlamentsreden stets die Bed\u00fcrfnisse und Probleme ihres Heimatkantons betont. Des Weiteren hat sie als langj\u00e4hriges Mitglied der Finanzkommission des St\u00e4nderats deren Ansichten im St\u00e4nderat diskutiert und vorgestellt.<\/p><p>Paul Niederberger, hat die Begriffe &#8222;Insieme&#8220; und &#8222;Arbeitsgruppe&#8220; so h\u00e4ufig verwendet, weil er die Arbeitsgruppe zum IT-Projekt &#8222;Insieme&#8220; pr\u00e4sidiert hat und in dieser Rolle immer wieder vor dem St\u00e4nderat Bericht erstatten musste.<\/p><p>Hans Wicki hat sich gegen den R\u00fcckbau der Bergstrecke zwischen der Innerschweiz und dem Tessin ausgesprochen, um eine Alternative f\u00fcr G\u00fcterz\u00fcge zu erhalten und schnellere Verbindungen f\u00fcr Personenz\u00fcge zwischen Luzern und dem Tessin vorzuhalten. Dadurch w\u00fcrde auch der Tourismus der Region gef\u00f6rdert, der auf gute Anschliessung ans Schweizer Schienennetz angewiesen ist.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-18297\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik4.1_Tfidf_SR_NW-1-1024x896.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"569\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik4.1_Tfidf_SR_NW-1-1024x896.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik4.1_Tfidf_SR_NW-1-300x263.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Grafik4.1_Tfidf_SR_NW-1-768x672.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p><p><strong>Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te fassen sich kurz&nbsp;<\/strong><\/p><p>Trotz der verschwindend kleinen Anzahl der Wortmeldungen sind Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te stets darum bem\u00fcht, ihre Anliegen zu \u00fcberbringen. Gerne betonen Sie auch w\u00e4hrend ihrer Reden, dass bereits vorgebrachte Argumente nicht wiederholt werden sollen und versuchen, ohne \u00fcberfl\u00fcssige Ausschweifungen ihre Sicht zu vermitteln. Vermutlich w\u00fcrde dieses Motto, w\u00fcrde es \u00f6fter angewandt, den Alltag f\u00fcr Politiker sp\u00fcrbar erleichtern.<\/p><p>______________________________________________________________________________<\/p><p><strong>Validit\u00e4t:<\/strong><br \/>\nF\u00fcr diesen Blogbeitrag wurden Parlamentsreden des Schweizer St\u00e4nderats aus den Legislaturperioden 45-50 analysiert. Um eine bessere inhaltliche Aussage machen zu k\u00f6nnen, wurden Reden der Bundesr\u00e4te sowie die Parlamentsreden des jeweiligen St\u00e4nderatspr\u00e4sidenten herausgefiltert. Zudem wurden neben herk\u00f6mmlichen deutschen, franz\u00f6sischen und italienischen Stoppw\u00f6rtern weitere, kontext-spezifische Stoppw\u00f6rter eigenh\u00e4ndig entfernt. F\u00fcr die Grafiken 2 und 4 wurden mit Hilfe eines <em>Term frequency-inverse document frequency<\/em>-Modells die relevantesten Begriffe berechnet. Die hier genannten Themen und Begriffe geben einen Eindruck, wor\u00fcber die Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te sprechen. Nat\u00fcrlich sind die Themen hier aber nicht abschliessend diskutiert.<\/p><p><strong>Anzahl W\u00f6rter:<\/strong> 756<\/p><p><strong>Autorin:<\/strong> Laura Pohl, Matrikelnr.: 13-766-159<br \/>\n<strong>Email:<\/strong> lauramadeleine.pohl@uzh.ch<br \/>\n<strong>Abgabedatum:<\/strong> 16.06.2019<\/p><p>Forschungsseminar politischer Datenjournalismus<br \/>\n<strong>Dozenten: <\/strong>Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Theresa Gessler & Alexandra Kohler<\/p><p><strong><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/RCode_LauraPohl-1.html\">RCode:<\/a><\/strong><\/p><p><strong>Quellen:<\/strong><\/p><p>Die Bundesversammlung. Das Schweizer Parlament.<strong><br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\">https:\/\/www.parlament.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Analyse der Wortmeldungen im St\u00e4nderat zeigt, dass sich die St\u00e4nder\u00e4te des Kantons Nidwalden mit Abstand am wenigsten zu Wort melden. Wor\u00fcber sprechen sie also, wenn die Nidwaldner St\u00e4nder\u00e4te einmal zu Wort kommen?Im Vergleich aller Wortmeldungen im St\u00e4nderat pro Kanton zwischen 1995 und 2017 bilden die Halbkantone das Schlusslicht. 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