{"id":19532,"date":"2020-08-12T09:56:00","date_gmt":"2020-08-12T07:56:00","guid":{"rendered":"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?p=19532"},"modified":"2020-08-12T15:54:11","modified_gmt":"2020-08-12T13:54:11","slug":"zur-wahl-aufgestellt-das-generische-maskulinum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2020\/08\/12\/zur-wahl-aufgestellt-das-generische-maskulinum\/","title":{"rendered":"Zur Wahl aufgestellt: das generische Maskulinum"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Im Deutschen h\u00e4lt die geschlechtergerechte Sprache nur langsam Einzug. Wie sieht es damit bei den National- und St\u00e4nderatskandidat*innen im Auftakt zu den Wahlen 2019 aus? Eine Twitter Sprachanalyse soll Aufschluss geben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die deutsche Sprache geh\u00f6rt zu derjenigen Sprachgruppe, die ein Genussystem verwendet. Das heisst, dass jegliche Substantive einem grammatischen Geschlecht zugeordnet werden. Diese geschlechtsspezifische Sprachgruppe, welche starke m\u00e4nnliche und weibliche Bindungen aufbaut, ist die ungleichste was Geschlechtergleichheit angeht (Criado Perez 2019). Nehmen wir das Substantiv <em>Kandidat<\/em> als Beispiel: Aus sprachlicher Sicht kann ein Kandidat eine Frau oder ein Mann sein. Dabei denkt jedoch Studien zu Folge kaum jemand an eine Frau (Prewitt-Freilino, Caswell &amp; Laakso 2012; Criado Perez 2019). Eine weitere Eigenheit dieser grammatikalischen Form ist der Vorzug des maskulinen Plurals: 99 Kandidatinnen werden zu 100 Kandidaten, sobald ein einziger Mann dazu st\u00f6sst. <\/p>\n\n\n\n<p>Die allt\u00e4gliche Verwendung der deutschen Sprache sieht jedoch nicht nur grammatikalische, sondern auch hierarchische Gegens\u00e4tze zwischen den Geschlechtern (Stahlberg, Sczesny &amp; Braun 2001). Professionelle Sportlerinnen geh\u00f6ren nicht der Nationalmannschaft an, sondern der Frauen Nationalmannschaft. Die &#8222;<em>normale&#8220; <\/em>Nationalmannschaft wird ganz klar als etwas m\u00e4nnliches gesehen. Eine weibliche Nationalmannschaft ist die Abweichung dieser Norm. Dies kommt zwar von einer historisch bedingten sozialen Ungleichheit, jedoch bleibt diese Hierarchie von Norm und Abweichung in vielen Teilen der Sprache weiterhin bestehen (Criado Perez 2019).<\/p>\n\n\n\n<p>Die geschlechtergerechte Sprache wird grunds\u00e4tzlich in zwei Gruppen eingeteilt: die Neutralisierung und die Feminisierung. Neutralisierung heisst, das Geschlecht wird bei personenbezogenen Substantiven neutralisiert. Beispiele daf\u00fcr sind <em>das Personal <\/em>anstelle von<em> Arbeiter<\/em>, oder die <em>Studierenden <\/em>anstelle von Studenten. W\u00e4hrend die Neutralisierung versucht, das Geschlecht unsichtbar zu machen, sorgt die Feminisierung daf\u00fcr, Frauen in der Sprache sichtbar zu machen (Stout, Dasgupta 2011; Sczensy, Formanowicz, &amp; Moser 2016).  Bestimmte Formen der Feminisierung werden bereits sehr regelm\u00e4ssig im Alltag gebraucht, zum Beispiel in Ansprachen; &#8222;<em>liebe  Kollegen und Kolleginnen&#8220;.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"432\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Tabelle_Form-1024x432.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-19731\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Tabelle_Form-1024x432.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Tabelle_Form-300x127.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Tabelle_Form-768x324.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Tabelle_Form.png 1150w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><em>Arten, Beispiele und Einteilung der geschlechtergerechten Sprache. <\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Doch auch die Feminisierung st\u00f6sst an sprachliche Grenzen, denn das Geschlecht ist nicht nur auf Frauen und M\u00e4nner begrenzt (Newman 2018). Um Personen, welche sich nicht als Frau oder Mann identifizieren zu inkludieren, sind in den letzten Jahren weitere Arten der geschlechtergerechten Sprache aufgegriffen worden. Diese sind in der obigen Tabelle als Genderinklusive bezeichnet. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"background-color:#ffeab1\" class=\"has-background\"><strong>Der Unterschied zwischen biologischem und sozialem Geschlecht (Sex vs Gender)<\/strong><br><br>Das englische Wort Sex f\u00fcr Geschlecht bezieht sich auf biologische und genetische Eigenschaften, wie zum Beispiel Geschlechtsteile oder Chromosomen.  H\u00e4ufig geht man in der breiten Bev\u00f6lkerung hier von einer Dichotomie, Mann und Frau, aus. In der Wissenschaft geht man auch bei Sex von mehr als zwei Geschlechtern aus, zum Beispiel Intersex Menschen. <br><br>Das englische Wort Gender f\u00fcr Geschlecht dagegen, bezieht sich auf das sozial konstruierte Geschlecht. Dies ist unter anderem die kulturelle und pers\u00f6nliche Geschlechteridentit\u00e4t. Hierunter fallen cis-M\u00e4nner und Frauen, Transmenschen sowie non-bin\u00e4re Menschen. Non-bin\u00e4re Menschen f\u00fchlen sich weder als Frau, noch als Mann und bevorzugen h\u00e4ufig mit Namen anstatt Pronomen angesprochen zu werden.<br><br>Weitere Informationen zu den Themem <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Sex und Gender (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.medicalnewstoday.com\/articles\/232363\" target=\"_blank\">Sex und Gender<\/a>, <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.tgns.ch\/de\/information\/\" target=\"_blank\">Transmenschen<\/a> und <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"non-bin\u00e4re (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.nonbinary.ch\/was-ist-non-binaer\/\" target=\"_blank\">non-bin\u00e4re<\/a> Menschen finden sie auf den verlinkten Seiten. <\/p>\n\n\n\n<p>Um die Sprache der National- und St\u00e4nderatskandidat*innen w\u00e4hrend des Wahlkampfs zu untersuchen, wurden Daten des Digital Democracy Labs ausgewertet. Das DDL sammelte s\u00e4mtliche Twitterdaten der Kandidierenden zwischen Januar und Oktober 2019. In Anbetracht der Daten stellt sich zuerst die Frage &#8211; wer twitterte denn \u00fcberhaupt?<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"936\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-15-1024x936.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-20169\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-15-1024x936.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-15-300x274.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-15-768x702.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-15.png 1313w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Fast zwei Drittel der twitternden Kandidierenden sind m\u00e4nnlich. 40% der offiziellen Kandidat*innen der letztj\u00e4hrigen Wahlen waren jedoch weiblich; wir sehen hier eine leichte \u00dcbervertretung der M\u00e4nner in der online Pr\u00e4senz. Ebenfalls wird ersichtlich, dass Kandidaten weit h\u00e4ufiger twittern: 77.5% der analysierten Tweets stammen von M\u00e4nnern.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p style=\"color:#ffffff\" class=\"has-text-color\">s<br>s<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"910\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-26-1024x910.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-20170\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-26-1024x910.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-26-300x267.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-26-768x683.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-26.png 1313w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-normal-font-size\">Das Medianalter der twitternden Kandidat*innen ist 36 Jahre. Deswegen erstaunt es wenig, dass die unter 38-j\u00e4hrigen (Durchschnittsalter) hier in der Anzahl Onlinekandidat*innen und Anzahl Tweets leicht vorne liegen. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p style=\"color:#ffffff\" class=\"has-text-color\">s<br>s<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"250\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-49-1024x250.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-20171\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-49-1024x250.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-49-300x73.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-49-768x187.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-49-1536x375.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Element-49-2048x500.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Parteien mit den meisten twitternden Kandidat*innen sind die glp, gefolgt von der FDP und CVP. Am meisten Tweets verfassten die Kandidierenden der CVP, glp und der jungen glp. Die Mitteparteien waren demnach \u00fcber den beobachteten Zeitraum die aktivsten auf Twitter. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die ersten beiden Analysen des Sprachgebrauchs wurde die Verwendung von spezifischen W\u00f6rtern getestet. Bei Wahlen geht es vor allem um zwei Akteure: die Kandidat*innen und die W\u00e4hler*innen (inklusive B\u00fcrger*innen). Die erste Analyse zeigt, wie oft die rein weibliche Form (z.B. Kandidatin) oder rein m\u00e4nnliche Form (z.B. B\u00fcrger) der W\u00f6rter verwendet wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese H\u00e4ufigkeiten werden mit denen der Doppelnennung abgeglichen. Bei der Doppelnennung werden beide, die m\u00e4nnliche und weibliche Wortform verwendet; zum Beispiel W\u00e4hler &amp; W\u00e4hlerinnen. Was hier relevant wird, ist die Reihenfolge der weiblichen und m\u00e4nnlichen Form. Wer wird zuerst genannt, der Kandidat oder die Kandidatin?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"604\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reihenfolge_g-1024x604.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-20180\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reihenfolge_g-1024x604.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reihenfolge_g-300x177.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reihenfolge_g-768x453.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reihenfolge_g-1536x906.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reihenfolge_g-2048x1208.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><em>Vergleich der relativen H\u00e4ufigkeiten der Einzelnennungen (Kandidat \/ Kandidatin) und der Doppelnennung. Aufgeteilt nach Geschlecht des Twitternden. <\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"color:#ffffff\" class=\"has-text-color\">s<br>s<\/p>\n\n\n\n<p>Die Doppelnennung wird weit weniger h\u00e4ufig verwendet als die rein m\u00e4nnliche oder weibliche Wortform. Dies kann gut erkl\u00e4rt werden, da oft \u00fcber nur eine Kandidatin oder ein Kandidat gesprochen wurde. Die rein m\u00e4nnliche Wortform, wird mehr als zweimal so h\u00e4ufig verwendet, als die rein weibliche Form; es hatte bei diesen Wahlen jedoch weder doppelt so viele Kandidaten, B\u00fcrger oder W\u00e4hler. Entweder wurde einfach \u00f6fters \u00fcber M\u00e4nner gesprochen, oder das generische Maskulinum wurde auch zur Beschreibung von Frauen verwendet. <\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4nnliche Twitternde benutzten die rein m\u00e4nnliche Form doppelt so oft als ihre Kolleginnen. W\u00e4hrend twitternde Kandidatinnen die rein weibliche Form ebenfalls doppelt so h\u00e4ufig verwenden als Kandidaten, benutzten die Frauen auch die Doppelnennung um ein zweifaches mehr. Interessant ist, dass die Reihenfolge Frau vor Mann, zum Beispiel <em>B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger<\/em>, viel regelm\u00e4ssiger benutzt wurde als die Reihenfolge Mann vor Frau. Diese Art der Sprache, in welcher die Feminisierung sichtbar wird, hat sich sichtlich in den allt\u00e4glichen Gebrauch eingenistet. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"603\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reihenfolge_a-1024x603.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-20181\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reihenfolge_a-1024x603.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reihenfolge_a-300x177.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reihenfolge_a-768x452.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reihenfolge_a-1536x904.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reihenfolge_a-2048x1206.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><em> Vergleich der relativen H\u00e4ufigkeiten der Einzelnennungen (Kandidat \/ Kandidatin) und der Doppelnennung. Aufgeteilt nach Alter des Twitternden. <\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"color:#ffffff\" class=\"has-text-color\">s<br>s<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vergleich zwischen den alten und jungen Kandidat*innen auf Twitter sehen wir nicht ganz so starke unterschiede. Auch hier wurde die Doppelnennung im Vergleich zu den Einzelnennungen weit weniger h\u00e4ufig verwendet. Auch die Kombination weiblich vor m\u00e4nnlich wurde regelm\u00e4ssiger verwendet, vor allem von den \u00e4lteren Kandidat*innen. Die m\u00e4nnliche Einzelform wurde von Alten und Jungen um ein mehrfaches \u00f6fters verwendet als die rein weibliche Form. W\u00e4hrend die Jungen die nur m\u00e4nnliche Form \u00f6fters verwendeten, waren es bei der weiblichen Form die Alten. <\/p>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chste Analyse befasste sich mit einer weiteren Form der geschlechtergerechten Sprache; dem Anpassen der Wortenden. In der obigen Tabelle sind alle m\u00f6glichen Arten der Wortanpassung aufgelistet, auf diese wurde der gesamte Datensatz getestet. <br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"438\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Wortende_ag-1024x438.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-20242\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Wortende_ag-1024x438.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Wortende_ag-300x128.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Wortende_ag-768x328.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Wortende_ag-1536x657.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Wortende_ag-2048x875.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><em>Relative H\u00e4ufigkeit der Verwendung von geschlechtergerechten Wortenden nach Geschlecht und Alter.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"color:#ffffff\" class=\"has-text-color\">s<br>s<\/p>\n\n\n\n<p>Die meist verwendeten Anpassungen der Wortenden waren das Binnen-I (z.B. KandidatInnen) und der Gendergap (z.B. Politiker_Innen). Die twitternden Kandidatinnen benutzen diese Form der geschlechtergerechten Sprache regelm\u00e4ssiger als ihre Kollegen. Ein weniger erstaunlich ist jedoch, dass die \u00e4lteren Kandidat*innen diese Wortanpassung h\u00e4ufiger als ihre j\u00fcngere Konkurrenz. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"617\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Wortende_p-1024x617.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-20192\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Wortende_p-1024x617.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Wortende_p-300x181.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Wortende_p-768x463.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Wortende_p-1536x926.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Wortende_p-2048x1234.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><em>Relative H\u00e4ufigkeit der Verwendung von geschlechtergerechten Wortenden nach Partei.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"color:#ffffff\" class=\"has-text-color\">s<br>s<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht erstaunlich ist, dass die AL ZH diese Form der Sprache am h\u00e4ufigsten benutzt. Sie setzen sich stark f\u00fcr Gleichstellung, Emanzipation und das Aufsprengen der traditionellen Geschlechterrollen ein. W\u00e4hrend die junge EVP auf dieser Ebene punktet, \u00fcberrascht es, dass die JUSO nicht in der Liste der top 10 Parteien zu finden ist. Sie folgt auf Platz 15, geschlagen von den Jungparteien der EVP, glp, CVP und BDP.  <\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt folgt eine Analyse der individuellen Kandidat*innen. Der fleissigste Verwender der geschlechtergerechten Sprache ist Silvio A. Fareri (CVP). Der Jungpolitiker aus Basel-Landschaft sticht weder in den Medien, noch in seinem Smartvoteprofil als Vertreter von moderner Geschlechterpolitik hervor, twittert aber oft \u00fcber Kandidatinnen und deren Erfolge. Marc Schinzel, ein freisinniger Basler Landrat mischt ebenfalls weit vorne mit. Auch dass erstaunt. Denn keiner der beiden M\u00e4nner treibt an ihren politischen Posten die Geschlechterpolitik voran. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"616\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Fleissig_p-1024x616.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-20194\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Fleissig_p-1024x616.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Fleissig_p-300x181.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Fleissig_p-768x462.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Fleissig_p-1536x924.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Fleissig_p-2048x1232.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><em>Relative H\u00e4ufigkeit der Verwendung von geschlechtergerechter Sprache nach individueller Kandidat*in.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Was jedoch neun von zehn dieser Kandidat*innen gemeinsam haben, ist eine Terti\u00e4rausbildung. Die meisten davon haben an einer Universit\u00e4t studiert, einige an Fachhochschulen oder am Lehrerseminar. Wie jedoch die Benutzung der geschlechtergerechten Sprache mit der Bildung zusammenh\u00e4ngt m\u00fcsste genauer untersucht werden. W\u00e4hrend die linken Kandidat*innen die Geschlechtergerechtigkeit auf ihren Webseiten und im Wahlkampf vorstossen, scheint es bei den rechten eine pers\u00f6nliche, keine politische Entscheidung zu sein, die geschlechtergerechte Sprache zu benutzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Warum ist die Verwendung dieser Sprache nun so wichtig? L\u00e4nder in welchen eine Sprache mit Genusssystem gesprochen wird, punkten signifikant schlechter im Global Gender Gap Report (Prewitt-Freilino, Caswell &amp; Laakso 2012). Frauen f\u00fchlen sich durch das generische Maskulinum oft nicht angesprochen und bewerben sich zum Beispiel weit weniger h\u00e4ufig auf ausgeschriebene Stellen wenn das generische Maskulinum in der Ausschreibung verwendet wurde (Stout &amp; Dasgupta 2011; Criado Perez 2019). Doch bereits Kinder k\u00f6nnen von der Verwendung der geschlechtergerechten Sprache profitieren: der Gebrauch der Doppelform (<em>Ingenieur und Ingenieurinnen) <\/em>ver\u00e4nderte die Vorstellung und das Interesse von M\u00e4dchen an sonst typischen M\u00e4nnerberufen positiv (Vervecken, Hannover &amp; Wolter 2013). <\/p>\n\n\n\n<p>Das generische Maskulinum war im Wahlkampf sehr pr\u00e4sent. Weit h\u00e4ufiger wird nur \u00fcber den Kandidaten als \u00fcber Kandidatinnen gesprochen &#8211; egal wer damit gemeint war. Im allgemeinen sind es auf Twitter vor allem die Links- und Mitte-Parteien sowie die Frauen die geschlechtergerechte Sprache benutzen. Doch die Wahl, geschlechtergerechte Sprache zu integrieren, scheint auch regelm\u00e4ssig aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden getroffen zu werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-cyan-bluish-gray-background-color\"><strong>Daten, Methoden und Validit\u00e4t<\/strong><br>Die hier verwendeten Daten wurden vom Digital Democracy Lab gesammelt und zur Verwendung im Forschungsseminar zur Verf\u00fcgung gestellt. Der Datensatz wurde nach St\u00e4nde- und Nationalratskandidat*innen gefiltert. Der gesamte Code kann <a href=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Updated_Blog.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (opens in a new tab)\">hier<\/a> eingesehen werden. Um die Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Grafiken zu erm\u00f6glichen wurde die relative H\u00e4ufigkeit ermittelt, das heisst die Analysen wurden immer im Vergleich zu der Gesamtanzahl der Tweets der spezifischen Gruppe \u00fcber den Beobachtungszeitraum gerechnet. F\u00fcr die fleissigsten Verwender wurde die H\u00e4ufigkeit der Doppelnennung sowie die Wortenden Analysen summiert. Von dieser Summe wurde die Differenz von Anzahl Einzelnennungen M\u00e4nner und Frauen abgezogen.<br><br><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><br>Criado Perez, C.  (2019). <em>Invisible Women.<\/em> London: Chatto &amp; Windus.<br>Gygax, P.,  Gabriel, U., Sarrasin, O., &amp; Garnham, A. (2008). Generically intended, but  specifically interpreted: When beauticians, musicians and mechanics are all  men. <em>Language and cognitivee processes<\/em>, 464-485.<br>Newman, T. (2018).  <em>Sex and gender: What is the difference?<\/em> Abgerufen am 2020 von  MedicalNewsToday: https:\/\/www.medicalnewstoday.com\/articles\/232363<br>Prewitt-Freilino,  J., Caswell, A., &amp; Laakso, E. (2012). The Gendering of Language: A  Comparison of Gender Equality in Countries with Gendered, Natural Gender, and  Genderless Languages. <em>Sex Roles<\/em>, 268-281.<br>Sczensy, S.,  Formanowicz, M., &amp; Moser, F. (2016). Can Gender-Fair Language Reduce  Gender Stereotyping and Discrimination? <em>Frontiers in Psychology<\/em>, 1-11.<br>Stahlberg, D., Sczesny,  S., &amp; Braun, F. (2001). NAME YOUR FAVORITE MUSICIAN Effects of Masculine  Generics and of Their Alternatives in German. <em>JOURNAL OF LANGUAGE AND  SOCIAL PSYCHOLOGY <\/em>, 464-469.<br>Stout, J., &amp;  Dasgupta, N. (2011). When He Doesn\u2019t Mean You: Gender- Exclusive Language as  Ostracism. <em>Personality and Social Psychology Bulletin<\/em>, 757-769.<br>Vervecken, D., Hannover,  B., &amp; Wolter, I. (2013). Changing (S)expectations: How gender fair job  decriptions impact children&#8217;s perceptions and interest regarding traditionally  male occupations. <em>Journal of Vocational Behaviour<\/em>, 208-220.<br>Walker, P. L., &amp;  Collins Cook, D. (1998). Brief communication: Gender and sex: Vive la  difference. <em>American Journal of Physical Anthropology<\/em>, 255-259.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-cyan-bluish-gray-background-color\"><strong>Informationen zum Blog<\/strong><br><strong>Autor:<\/strong> Anna Meisser, 16-702-243, anna.meisser@uzh.ch<br><strong>Modul:<\/strong> Forschungsseminar Politischer Datenjournalismus<br><strong>Dozenten: <\/strong>Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Theresa Gessler, Alexandra Koller<br><strong>Abgabedatum:<\/strong> 14.06.2020<br><strong>Anzahl Worte:<\/strong>  1012<br><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Selbsta\u0308ndigkeitserkla\u0308rung_meisser.pdf\" target=\"_blank\">Selbst\u00e4ndigkeitskl\u00e4rung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Deutschen h\u00e4lt die geschlechtergerechte Sprache nur langsam Einzug. Wie sieht es damit bei den National- und St\u00e4nderatskandidat*innen im Auftakt zu den Wahlen 2019 aus? Eine Twitter Sprachanalyse soll Aufschluss geben.Die deutsche Sprache geh\u00f6rt zu derjenigen Sprachgruppe, die ein Genussystem verwendet. Das heisst, dass jegliche Substantive einem grammatischen Geschlecht zugeordnet werden. Diese geschlechtsspezifische Sprachgruppe, welche [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":124,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[55,362,227,271],"class_list":["post-19532","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-deutschschweiz","tag-geschlechter","tag-sprache","tag-wahlen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19532","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/124"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19532"}],"version-history":[{"count":261,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19532\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20256,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19532\/revisions\/20256"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19532"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}