{"id":23855,"date":"2021-07-23T14:23:58","date_gmt":"2021-07-23T12:23:58","guid":{"rendered":"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?p=23855"},"modified":"2021-07-23T14:23:59","modified_gmt":"2021-07-23T12:23:59","slug":"psychische-krankheiten-bleiben-stigmatisiert-trotz-corona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2021\/07\/23\/psychische-krankheiten-bleiben-stigmatisiert-trotz-corona\/","title":{"rendered":"Psychische Krankheiten bleiben stigmatisiert &#8211; trotz Corona"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Psychische Krankheiten sind nach wie vor von Stigmata und Tabus gepr\u00e4gt. Hat die Pandemie daran etwas ver\u00e4ndert?<\/strong>&nbsp;<strong>Eine Analyse der Berichterstattung in der Deutschschweiz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem Beginn der Coronakrise haben vermehrt<a href=\"https:\/\/gesundheitsfoerderung.ch\/assets\/public\/documents\/de\/5-grundlagen\/publikationen\/diverse-themen\/arbeitspapiere\/Arbeitspapier_052_GFCH_2021-01_-_Auswirkungen_der_Corona-Pandemie.pdf\"> Menschen Begegnung mit psychischen Krankheiten gemacht.<\/a> Das hat nicht nur bei Betroffenen, sondern auch bei Expert:innen <a href=\"https:\/\/time.com\/5835960\/coronavirus-mental-illness-stigma\/\">zu der hoffnungsvollen Vorhersage gef\u00fchrt, dass die Pandemie das Thema endlich enttabuisieren und entstigmatisieren wird<\/a>. Doch stimmt das? Eine Analyse, wie im Coronajahr 2020 in Deutschschweizer Tages- und Sonntagszeitungen \u00fcber psychische Krankheiten gesprochen wurde, zeigt: Die Antwort ist zumindest f\u00fcr die Deutschschweiz im besten Fall ein \u00abJein\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es wird mehr \u00fcber psychische Krankheiten gesprochen \u2013 aber weniger spezifisch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Indikator daf\u00fcr, wie tabuisiert ein Thema ist, ist die H\u00e4ufigkeit, mit der dar\u00fcber gesprochen wird. Die Analyse zeigt: Kurz vor der erneuten Versch\u00e4rfung der Coronamassnahmen im Herbst ist der Anteil an Artikeln, in denen psychische Krankheiten erw\u00e4hnt werden, stark gestiegen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/erw\u00e4hnungen_datum.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26051\" width=\"800\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/erw\u00e4hnungen_datum.jpeg 800w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/erw\u00e4hnungen_datum-300x225.jpeg 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/erw\u00e4hnungen_datum-768x576.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das scheint auf den ersten Blick daf\u00fcr zu sprechen, dass seit Beginn der zweiten Coronawelle das Thema psychische Erkrankungen mehr Aufmerksamkeit erfahren hat und ein Trend zur Enttabuisierung desselben sichtbar ist. Man sollte sich aber an dieser Stelle nicht zu fr\u00fch freuen. <br><br>So hat zwar der Prozentsatz an Artikeln, in denen psychische Krankheiten erw\u00e4hnt werden, seit Beginn der zweiten Welle stark zugenommen. Gleichzeitig ist aber die durchschnittliche Anzahl Erw\u00e4hnungen von psychischen Krankheiten in diesen Artikeln sowohl w\u00e4hrend des Lockdowns als auch nach der erneuten Massnahmenversch\u00e4rfung im Herbst jeweils eher leicht gesunken. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/anzahl_erw\u00e4hnungen.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26052\" width=\"800\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/anzahl_erw\u00e4hnungen.jpeg 800w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/anzahl_erw\u00e4hnungen-300x225.jpeg 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/anzahl_erw\u00e4hnungen-768x576.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>In den akuten Phasen der Coronakrise letztes Jahr wurde also zwar mehr, aber weniger spezifisch \u00fcber psychische Krankheiten gesprochen. Es ist daher unklar, wie viel die Coronakrise tats\u00e4chlich zur Enttabuisierung des Themas beigetragen hat. Das bedeutet aber noch nicht unbedingt, dass sich keine Effekte auf die (Ent-)Stigmatisierung des Themas feststellen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was Stigmata sind und wieso sie ein Problem darstellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unter einem Stigma wird normalerweise die &#8222;soziale Missbilligung von Individuen auf Grund von angenommenen oder tats\u00e4chlichen Charakteristika, \u00dcberzeugungen oder Verhalten, die gegen die Norm sind (&#8230;)&#8220;, verstanden (Lauber 2008: 11, \u00dcbers. G.M.). So werden Personen mit psychischen Krankheiten oft als gef\u00e4hrlich, merkw\u00fcrdig, asozial oder auch faul wahrgenommen (Gottipati et al. 2021; McDaid; Dey et al. 2020).  Eine mediale Berichterstattung ist insofern <em>stigmatisierend, <\/em>als sie diese Missbilligung weiter befeuert &#8211; durch die Wahl der Themen, in deren Zusammenhang \u00fcber psychische Krankheiten gesprochen wird, und durch die Verwendung abwertender Begriffe wie &#8222;gest\u00f6rt&#8220; oder &#8222;verr\u00fcckt&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entstigmatisierung psychischer Krankheiten ist deshalb wichtig, weil Stigmata sehr reale Konsequenzen f\u00fcr Betroffene haben, wie Roger Staub, Gesch\u00e4ftsleiter von Pro Mente Sana sagt: \u00abBetroffene wenden auf Grund des Stigmas oft viel Zeit auf, um ihre Krankheit zu verbergen. Das kann zu einer Chronifizierung und zu schweren Verl\u00e4ufen der Erkrankung f\u00fchren, die vermieden werden k\u00f6nnten\u00bb. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stigmatisierende Themenwahl: Ein starker Kontrast zwischen Sommer und Herbst<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Aufschluss dar\u00fcber, welche Themen in Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen in den jeweiligen Pandemiephasen in den Medien besonders akut waren, gibt eine sogenannte Keyness-Analyse. Diese verdeutlicht, welche Worte &#8211; und damit indirekt welche Themen &#8211; in einer Phase im Vergleich zu den anderen drei Phasen besonders h\u00e4ufig in unmittelbarem Zusammenhang mit psychischen Krankheiten erw\u00e4hnt wurden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/keyness_windows-2.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-23972\" width=\"1000\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/keyness_windows-2.jpeg 1000w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/keyness_windows-2-300x240.jpeg 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/keyness_windows-2-768x614.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Auff\u00e4llig ist hier, dass nach Aufhebung der Massnahmen im Sommer und vor der erneuten Versch\u00e4rfung derselben u.a. Begriffe wie &#8222;forensischer&#8220;, &#8222;angeklagt&#8220; oder &#8222;Staatsanwaltschaft&#8220; charakteristisch f\u00fcr die Kontexte sind, in denen psychische Krankheiten erw\u00e4hnt wurden.  Hier scheint das Thema also besonders in Zusammenhang mit Verbrechen und Gerichtsurteilen und entsprechend stigmatisierend aufgegriffen worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>In starkem Kontrast dazu zeichnete sich die Berichterstattung nach der Versch\u00e4rfung der Massnahmen im Herbst durch einen Fokus auf Hilfsangebote und -plattformen wie <a href=\"https:\/\/www.projuventute.ch\/\">Pro Juventute<\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.143.ch\/\">Dargebotene Hand<\/a> oder <a href=\"https:\/\/dureschnufe.ch\/\">dureschnufe.ch<\/a> aus. Diese klare Dominanz von Hilfsangeboten in der Berichterstattung \u00fcber psychische Erkrankungen scheint darauf hinzudeuten, dass das Thema nach der Versch\u00e4rfung der Massnahmen eine gewisse Entstigmatisierung erfahren hat. So scheint hier \u00fcber psychische Krankheiten nicht als Charakterschw\u00e4chen oder Gefahr f\u00fcr andere Menschen, sondern tat\u00e4schlich als Krankheiten, f\u00fcr die man Hilfe erhalten kann, gesprochen worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(K)eine Entstigmatisierung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Stigmatisierung zeigt sich, wie bereits angesprochen, nicht nur darin, welche Themen charakteristischerweise im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen behandelt werden, sondern auch, <em>wie <\/em>\u00fcber diese Krankheiten gesprochen wird. Die untenstehende Grafik zeigt, wie viele Artikel in den jeweiligen Pandemiephasen in unmittelbarem Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen stigmatisierende Worte wie &#8222;verr\u00fcckt&#8220;, &#8222;durchdrehen&#8220; oder &#8222;kriminell&#8220; verwendet haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/stigmata_all.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-23963\" width=\"800\" height=\"520\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/stigmata_all.jpeg 800w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/stigmata_all-300x195.jpeg 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/stigmata_all-768x499.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Es scheint, dass in den akuten Phasen der Pandemie generell weniger stigmatisierend \u00fcber das Thema gesprochen wurde als in den weniger akuten Phasen. Auch eine Aufschl\u00fcsselung der verschiedenen Stigmata best\u00e4tigt diesen Eindruck. Es dominierte dabei in allen vier Phasen klarerweise die Darstellung dieser Menschen als &#8222;gef\u00e4hrlich&#8220;. Interessant ist zudem: Sowohl in Bezug auf die Gesamtzahl der Stigmata als auch unter Aufschl\u00fcsselung derselben scheint sich ein gewisser Abw\u00e4rtstrend zu zeigen.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Stereotypes_specific.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-23968\" width=\"826\" height=\"537\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Stereotypes_specific.jpeg 800w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Stereotypes_specific-300x195.jpeg 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Stereotypes_specific-768x499.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 826px) 100vw, 826px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Wird \u00fcber psychische Krankheiten spezifisch im Kontext der Coronakrise also weniger stigmatisierend gesprochen als \u00fcber psychische Krankheiten allgemein? Kaum, meint Staub: \u00abDie \u2018Spinnerartikel\u2019 gibt es weiterhin. Sie wurden w\u00e4hrend den akuten Phasen der Pandemie einfach vom Coronathema \u00fcberdeckt. Das Grundrauschen an stigmatisierender Berichterstattung bleibt aber weiter bestehen\u00bb. Wer zudem aus dem Trend nach unten in Sachen stigmatisierender Sprache Hoffnung gesch\u00f6pft hat, der muss ebenfalls entt\u00e4uscht werden: \u00abWenn wir \u00fcber Entstigmatisierung sprechen, m\u00fcssen wir in Dekaden reden, nicht in Jahren. Ich glaube kaum, dass der Trend nachhaltig ist \u2013 sondern wohl eher ein Zufall\u00bb, relativiert Staub.  <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein ern\u00fcchterndes Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Fazit zu den Effekten der Coronapandemie auf die Enttabuisierung und Entstigmatisierung psychischer Krankheiten in der medialen Berichterstattung in der Deutschschweiz f\u00e4llt ern\u00fcchternd aus. So scheint die Pandemie zwar auf den ersten Blick besonders nach der erneuten Massnahmenversch\u00e4rfung im Herbst die Aufmerksamkeit um das Thema erh\u00f6ht und Stigmata vermindert zu haben. Auf den zweiten Blick sind diese Effekte aber mit Vorsicht zu geniessen \u2013 und werden sich wohl kaum als nachhaltig erweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6nnen psychische Krankheiten also effektiv entstigmatisiert werden? F\u00fcr Staub ist die Sache klar: \u00abEs braucht vor allem eine Dauerpr\u00e4senz des Themas im \u00f6ffentlichen Raum &#8211; also eine langj\u00e4hrige und sehr sichtbare &#8222;Wie geht&#8217;s Dir?&#8220;-Kampagne, vergleichbar mit der STOP AIDS Kampagne\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-light-green-cyan-background-color\"><strong>Informationen zum Blogbeitrag:<\/strong><br><br>Titel des Blogbeitrags: Psychische Krankheiten bleiben stigmatisiert &#8211; trotz Corona<br>Abgabedatum: 20.06.2021<br>Anzahl Worte: 955<br><br>Verfasst von: Gina Messerli<br>Matrikelnummer: 15-702-384<br>E-Mail: gina.messerli@uzh.ch<br><br>Seminar: Forschungsseminar Politischer Datenjournalismus (FS21)<br>Dozierende: Theresa Gessler, Bruno W\u00fcest, Alexandra Kohler <br><br><strong>Daten und Vorgehen:<\/strong><br><br>Diesem Beitrag liegt ein Datensatz mit \u00fcber 35&#8217;000 Artikeln ca. 20 deutschsprachiger Schweizer Zeitungen aus dem Jahr 2020 zugrunde, der vom Digital Democracy Lab f\u00fcr die vorliegende Analyse zur Verf\u00fcgung gestellt wurde. Es wurden die beiden themenspezifischen Bl\u00e4tter \u00abDer Landbote\u00bb und \u00abFinanz und Wirtschaft\u00bb ausgeschlossen und lediglich Tages- und Sonntagszeitungen f\u00fcr die Analyse verwendet. Nach der Bereinigung der Daten wurden die Artikeltexte in einen Corpus \u00fcberf\u00fchrt, alles kleingeschrieben und Satzzeichen und Zahlen entfernt. Der Corpus wurde dann absichtlich nicht gestemmt, d.h. die Worte auf ihre Stammformen zur\u00fcckgef\u00fchrt, weil dies im Kontext dieser Arbeit zu Problemen gef\u00fchrt h\u00e4tten (z.B. w\u00e4ren die Ausdr\u00fccke &#8222;Psychos&#8220; als abwertende Beschreibung von Personen mit psychischen Krankheiten und &#8222;Psychose&#8220; als Beschreibung eines medizinischen Ph\u00e4nomens auf dieselbe Stammform zur\u00fcckgef\u00fchrt worden).<br><br>F\u00fcr den Beitrag wurde erstens eine diktion\u00e4r-basierte Textanalyse verwendet. Hierbei werden sogenannte Diktion\u00e4re erstellt, bei denen Themen durch gewisse Schlagworte repr\u00e4sentiert werden. Mit einer Analyse der H\u00e4ufigkeit dieser Schlagworte kann untersucht werden, wie salient ein Thema innerhalb eines gew\u00e4hlten Textausschnittes ist. Im Fall der vorliegenden Analyse wurden zwei Diktion\u00e4re erstellt: einer zum Thema psychische Krankheiten und einer zum Thema Stigma um psychische Krankheiten. Bei den psychischen Krankheiten wurden Ausdr\u00fccke wie \u00abAngstst\u00f6rung\u00bb, \u00abpsychische Krankheit\u00bb oder \u00abschizophren\u00bb miteinbezogen. Die Ausdr\u00fccke \u00abDepresssion\u00bb und \u00abdepressiv\u00bb wurden spezifisch ausgeschlossen, weil hier auch eine wirtschaftliche Depression gemeint sein kann und dies die Ergebnisse verzerrt h\u00e4tte. Beim Thema Stigma wurden auf Basis einiger aktueller Forschungspapere (siehe Literaturverzeichnis) 9 negative, stereotypische Eigenschaften psychisch kranker Personen in entsprechende Schlagworte kodifiziert: Dummheit, Faulheit, Verr\u00fccktheit, Unzuverl\u00e4ssigkeit, Asozialit\u00e4t, Merkw\u00fcrdigkeit, \u00dcberempfindlichkeit, Unmoralit\u00e4t und Gef\u00e4hrlichkeit.<br><br>Zweitens wurde eine Keyness-Analyse durchgef\u00fchrt. Hierbei wird geschaut, welche Worte im Gegensatz zu einer Menge an Referenztexten statistisch \u00fcberproportional oft gebraucht werden. Der Code f\u00fcr die gesamte Analyse kann <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/All_Blogbeitrag_Datenjournalismus_FS21.html\" target=\"_blank\"><strong>hier<\/strong><\/a> runtergeladen werden. <strong><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Hier (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Selbststaendigkeitserklaerung_BlogbeitragFS21.pdf\" target=\"_blank\">Hier<\/a><\/strong> findet sich die Selbstst\u00e4ndigkeitserkl\u00e4rung f\u00fcr den Beitrag.<br><br><strong>Validit\u00e4t:<\/strong><br><br>Die Validit\u00e4t der Analyse kann als relativ hoch betrachtet werden, da f\u00fcr die Erstellung der Diktion\u00e4re Forschungspaper hinzugezogen und die Ergebnisse zudem mit einem Experten abgeglichen wurden. Zwei Dinge sind aber zu beachten: Erstens sollten die Diktion\u00e4re f\u00fcr eine wirklich sorgf\u00e4ltige Analyse validiert werden. Das konnte hier aus Zeitgr\u00fcnden nicht gemacht werden, was sicherlich die Qualit\u00e4t der Analyse noch erh\u00f6ht h\u00e4tte. Zweitens wurden prim\u00e4r deskriptive Analysen durchgef\u00fchrt. \u00dcber eine allf\u00e4llige statistische Signifikanz der Ergebnisse kann nur im Fall der Keyness-Analyse eine Aussage gemacht werden.<br><br><strong>Literaturverzeichnis:<\/strong><br><br>Dey, Michelle, Raquel Paz Castro, Anthony Francis Jorm, Laurent Marti, Michael Patrick Schaub, Andrew Mackinnon (2020): &#8222;Stigmatizing attitudes of Swiss youth towards peers with mental disorders&#8220;, PLoS ONE 15(7).<br><br>Lauber, Christoph (2008): &#8220; Stigma and Discrimination against People with Mental Illness: a Critical Appraisal&#8220;, <em>Epidemiologia e Psichiatria Sociale<\/em>, 17(1), 10-13.<br><br>McDaid, Daniel (2008): &#8222;McDaid, D. (2008). Countering the stigmatisation and discrimination of people with mental health problems in Europe&#8220;<br><br>Gottipatti, Swapna, Mark Chong, Andrew Lim Wei Kiat, Benny Haryanto Kawidiredjo (2021): &#8222;Exploring Media Portrayals of People with Mental Disorders using NLP&#8220;,  <em>Proceedings of the 14th International Conference on Biomedical Engineering Systems and Technologies (BIOSTEC 2021) &#8211; Volume 5: HEALTHINF<\/em>, 708-715.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Psychische Krankheiten sind nach wie vor von Stigmata und Tabus gepr\u00e4gt. Hat die Pandemie daran etwas ver\u00e4ndert?&nbsp;Eine Analyse der Berichterstattung in der Deutschschweiz.Seit dem Beginn der Coronakrise haben vermehrt Menschen Begegnung mit psychischen Krankheiten gemacht. 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