{"id":256,"date":"2014-03-06T14:44:40","date_gmt":"2014-03-06T13:44:40","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=256"},"modified":"2017-02-23T16:48:26","modified_gmt":"2017-02-23T15:48:26","slug":"256","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2014\/03\/06\/256\/","title":{"rendered":"Der Mindestlohn: Besch\u00e4ftigungskiller oder -treiber?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Bald kommt die n\u00e4chste Vorlage vors Volk, welche eine hitzige Debatte \u00fcber die wirtschaftlichen Konsequenzen einer Annahme entfachen wird: Die Mindestlohninitiative. Der Mindestlohn ist momentan in aller Munde. Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in den USA und Deutschland ist er auf der politischen Agenda. Obama m\u00f6chte ihn fl\u00e4chendeckend erh\u00f6hen und in Deutschland will ihn die grosse Koalition bis 2015 einf\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wieviele Arbeitnehmer w\u00e4ren direkt betroffen (in%)?<\/strong><span style=\"line-height: 1.5;\"><br \/>\n<!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/e.infogr.am\/mindestlohn-64805\" width=\"582\" height=\"500\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none;\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><br \/>\n<\/span><\/p><p><strong>Die Mindestlohndebatte<\/strong><\/p><p>Neben normativen Argumenten (&#8218;<em>faire L\u00f6hne f\u00fcr alle<\/em>&#8218;) pr\u00e4gen vor allem Aussagen \u00fcber die Konsequenzen von fl\u00e4chendeckenden Mindestl\u00f6hnen die Debatte. Es ist jedoch nach wie vor h\u00f6chst umstritten, welche Auswirkungen Mindestl\u00f6hne haben. Nicht nur Politiker und Interessenverb\u00e4nde, sondern auch \u00d6konomen sind sich nicht einig.<b> <\/b>Anh\u00e4nger der neoklassischen Schule argumentieren, der Mindestlohn halte diejenigen Personen vom Arbeitsmarkt fern, deren Arbeit f\u00fcr Arbeitgeber weniger Ertrag bringe als das die Kosten f\u00fcr ihren Arbeitsplatz betragen w\u00fcrden[1]. Diese Tradition hat auf die Schweizer Gegner des Mindestlohns abgef\u00e4rbt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs besteht die Gefahr, dass Arbeitspl\u00e4tze verschwinden\u2026\u201c<\/p><p>Bundesrat Schneider-Amman[2]<\/p><\/blockquote><p>Die Bef\u00fcrworter st\u00fctzen sich hingegen auf die nachfrageorientierte Kaufkrafttheorie[3]. Da die Kaufkraft der Niedriglohn-Arbeitskr\u00e4fte mit dem Mindestlohn ansteige, f\u00fchre dies zur Erh\u00f6hung des Gesamtkonsums. Ergo seien Mindestl\u00f6hne gesamtwirtschaftlich sinnvoll.<\/p>\n<blockquote><p>\u201e\u2026 Der Mindestlohn schafft Kaufkraft und Arbeitspl\u00e4tze.\u201c<\/p><p>SGB[4]<\/p><\/blockquote><p>Es gibt nat\u00fcrlich noch eine Vielzahl weiterer Aspekte in der Debatte, jedoch m\u00f6chte ich mich auf die zentrale Frage der Effekte auf die Besch\u00e4ftigung beschr\u00e4nken.<\/p><p><strong>Mindestl\u00f6hne im internationalen Vergleich<\/strong><\/p><p>Um die Vorz\u00fcge und Nachteile des Mindestlohns aufzuzeigen wird in der Schweizer Debatte oftmals auf das Ausland verwiesen. \u00a0Bef\u00fcrworter verweisen zum Beispiel auf Seattle, wo seit 15 Jahren der h\u00f6chste Mindestlohn in den USA festgeschrieben ist und in diesem Zeitraum proportional am meisten neue Stellen geschaffen wurden[5]. Gegner verweisen lieber auf andere Beispiele:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEin Blick ins Ausland gen\u00fcgt. Je regulierter der Arbeitsmarkt, desto tiefer die Besch\u00e4ftigung. Zudem sch\u00fctzt ein Mindestlohn nicht vor Armut und sozialem Abstieg. Hier gen\u00fcgt ein Blick nach Frankreich oder auch Grossbritannien.\u201c<\/p><p>Karin Keller-Sutter , FDP [6]<\/p><\/blockquote><p>Um die T\u00fccken solcher Vergleiche zu vergegenw\u00e4rtigen lohnt sich ein Blick auf Europa. Eine Vielzahl europ\u00e4ischer Staaten verf\u00fcgt \u00fcber gesetzlich festgelegte Mindestl\u00f6hne, in unterschiedlicher H\u00f6he. Auch was die Erwerbsquote der Geringqualifizierten angeht, bestehen wesentliche Unterschiede. <a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/EuropaMLERW1.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-491\" alt=\"Europe Minimumwage\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/EuropaMLERW1-1024x787.jpeg\" width=\"604\" height=\"464\" \/><\/a> Die Besorgnis der Schweizer Gegner des Mindestlohns ist vor allem auf die geforderte H\u00f6he zur\u00fcckzuf\u00fchren, sie setzen diese in Relation mit den negativen Auswirkungen. Sehr tiefe Mindestl\u00f6hne sehen sie als weniger problematisch an.<\/p>\n<blockquote><p>\u201e\u2026 so ist in Anbetracht der ausserordentlichen H\u00f6he des geforderten Mindestlohns und der hohen Anzahl betroffener Personen mit Sicherheit mit negativen Auswirkungen auf die Besch\u00e4ftigungssituation zu rechnen. Gerade den niedrig qualifizierten Personen und jungen Erwachsenen w\u00fcrde es zus\u00e4tzlich erschwert eine Stelle zu finden\u2026\u201c<\/p><p>Economiesuisse [7]<\/p><\/blockquote><p>In dem Sinne m\u00fcsste ein hoher Mindestlohn denjenigen schaden welche nach Vorstellung der Initianten profitieren sollten. Mit ansteigendem Mindestlohn w\u00e4ren vermehrt negative Effekte auf die Erwerbquote der Geringqualifizierten zu erwarten. Doch &#8211; \u00a0zumindest im europ\u00e4ischen Vergleich \u2013 ist kein negativer Zusammenhang zu erkennen, der in diese Richtung geht. <span style=\"line-height: 1.5;\"><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/MLERWgg2.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-492\" alt=\"ML&ERWgg\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/MLERWgg2-1024x930.jpeg\" width=\"604\" height=\"548\" \/><\/a>Im Gegenteil, unter den Staaten die einen Mindestlohn kennen, weisen die mit h\u00f6herem Mindestlohn tendenziell sogar h\u00f6here Erwerbsquoten der Geringqualifizierten auf. Der positive Einfluss kann in einer statistischen Regressionsanalyse durch die Ber\u00fccksichtigung anderer theoretisch relevanter Faktoren auf seine Robustheit gepr\u00fcft werden,\u00a0<\/span><span style=\"line-height: 1.5;\">er k\u00f6nnte schliesslich auch \u201azuf\u00e4llig\u2018 sein<\/span><span style=\"line-height: 1.5;\">[8]<\/span><span style=\"line-height: 1.5;\">. Das Ziel ist es zu eruieren, welche Faktoren die Variation der Erwerbsquote am besten erkl\u00e4ren bzw. vorhersagen.<\/span><\/p>\n<table style=\"text-align: center;\">\n<caption><strong>Resultate der Regressionsanalyse<\/strong><\/caption>\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"border-bottom: 1px solid black;\" colspan=\"4\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td colspan=\"3\"><em>Abh\u00e4ngige Variable:<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td style=\"border-bottom: 1px solid black;\" colspan=\"3\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td colspan=\"3\">Erwerbsquote der Geringqualifizierten<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td>(Model 1)<\/td>\n<td>(Model 2)<\/td>\n<td>(Model 3)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"border-bottom: 1px solid black;\" colspan=\"4\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\">GAV Abdeckung<\/td>\n<td><\/td>\n<td>0.336<sup>**<\/sup><\/td>\n<td>0.267<sup>**<\/sup><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td><\/td>\n<td>(0.132)<\/td>\n<td>(0.101)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\">Mindestlohnh\u00f6he<\/td>\n<td>0.997<sup>*<\/sup><\/td>\n<td>0.128<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td>(0.511)<\/td>\n<td>(0.563)<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\">Konjunktur<\/td>\n<td><\/td>\n<td>0.353<\/td>\n<td>0.110<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td><\/td>\n<td>(0.277)<\/td>\n<td>(0.221)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\">Aktivierungsmassnahmen<\/td>\n<td><\/td>\n<td>-19.251<\/td>\n<td>38.411<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td><\/td>\n<td>(60.196)<\/td>\n<td>(45.301)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\">Konstante<\/td>\n<td>-4.260<\/td>\n<td>13.750<\/td>\n<td>22.098<sup>***<\/sup><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td>(21.108)<\/td>\n<td>(20.601)<\/td>\n<td>(5.163)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"border-bottom: 1px solid black;\" colspan=\"4\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\">Observations<\/td>\n<td>21<\/td>\n<td>20<\/td>\n<td>28<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\">R<sup>2<\/sup><\/td>\n<td>0.167<\/td>\n<td>0.477<\/td>\n<td>0.428<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\">Adjusted R<sup>2<\/sup><\/td>\n<td>0.123<\/td>\n<td>0.337<\/td>\n<td>0.357<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\">Residual Std. Error<\/td>\n<td>12.331 (df = 19)<\/td>\n<td>10.942 (df = 15)<\/td>\n<td>10.560 (df = 24)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\">F Statistic<\/td>\n<td>3.802<sup>*<\/sup> (df = 1; 19)<\/td>\n<td>3.414<sup>**<\/sup> (df = 4; 15)<\/td>\n<td>5.994<sup>***<\/sup> (df = 3; 24)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"border-bottom: 1px solid black;\" colspan=\"4\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\"><em>Notes:<\/em><\/td>\n<td style=\"text-align: right;\" colspan=\"3\"><sup>*<\/sup>p&lt;0.1; <sup>**<\/sup>p&lt;0.05; <sup>***<\/sup>p&lt;0.01<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table><p>Werden weitere Faktoren miteingeschlossen (Model 2) schw\u00e4cht sich die Erkl\u00e4rungskraft der Mindestlohnh\u00f6he ab. Die H\u00f6he der Erwerbsquote scheint hingegen systematisch mit dem Abdeckungsgrad durch Kollektivvertr\u00e4ge zusammenzuh\u00e4ngen, auch wenn Staaten ohne Mindestlohn mitber\u00fccksichtigt werden (Model 3).\u00a0Interessant ist dies weil die Lohnstruktur in den meisten L\u00e4ndern st\u00e4rker durch Kollektivvertr\u00e4ge bestimmt wird als durch einheitliche Mindestl\u00f6hne[9]. Folglich \u00fcberrascht es wenig, dass dem Abdeckungsgrad solcher Vertr\u00e4ge in der Schweizer Debatte viel Gewicht beigemessen wird:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWegen schlechter GAV-Abdeckung braucht es einen gesetzlichen Mindestlohn f\u00fcr alle\u201c<\/p><p>Vania Alleva, Co-Pr\u00e4sidentin Gewerkschaft Unia [10]<\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/COLERW1.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-493\" alt=\"Kollektivvertr\u00e4ge\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/COLERW1-1024x945.jpeg\" width=\"604\" height=\"557\" \/><\/a><\/p><p>Nat\u00fcrlich beharren auch Mindestlohngegner auf den Vorz\u00fcgen von Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen, da diese zumindest die Unterschiede zwischen Regionen und Branchen ber\u00fccksichtigen. Bisher z\u00f6gerten sie jedoch deren Ausdehnung weiter zu forcieren[11].<\/p><p><b>Die Grenzen der Mindestlohnforschung<\/b><\/p><p>Was ist das Fazit dieses Beitrags? \u00a0Die statistische Analyse zeigt, dass im europ\u00e4ischen L\u00e4ndervergleich zunehmende Reglementierung der Lohnstruktur durch Kollektivvertr\u00e4ge systematisch mit leicht steigender Erwerbst\u00e4tigkeit der Geringqualifizierten miteinhergeht. Offen ist, ob die zwei Faktoren auch kausal zusammenh\u00e4ngen. Zu unterschiedlich sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den jeweiligen L\u00e4ndern um daraus Schl\u00fcsse ziehen zu k\u00f6nnen. Zus\u00e4tzlich scheinen drastische Auswirkungen h\u00f6herer fl\u00e4chendeckender Mindestl\u00f6hne auf die Erwerbst\u00e4tigkeit der Niedrigqualifizierten, seien sie positiver oder negativer Natur, im europ\u00e4ischen Vergleich nicht identifizierbar zu sein. Dieser Befund weicht nicht von den Erkenntnissen der Mindestlohnforschung ab, da auch in methodisch sophistizierteren Studien die empirische Evidenz meist uneindeutig und manchmal sogar widerspr\u00fcchlich ist[12]. Arbeitgeber und -nehmer reagieren an vielen Fronten auf Mindestl\u00f6hne. Sie folgen unterschiedlichen Pfaden welche von\u00a0 einer Vielzahl kontextueller Faktoren abh\u00e4ngen, die mit einem stets \u201alimitierten Datensatz\u2018 nicht vollst\u00e4ndig erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen. Manche erh\u00f6hen die Preise, reduzieren Arbeitsstunden oder Mitarbeiterbenefits, andere senken L\u00f6hne der besserverdienenden Belegschaft oder verschlanken die Arbeitsprozesse. M\u00f6glicherweise k\u00f6nnen Mindestl\u00f6hne zu einer Verminderung kostenintensiver Fluktuation f\u00fchren, was Kosteneinsparungen erm\u00f6glicht. Arbeitnehmer k\u00f6nnten durch die h\u00f6heren L\u00f6hne zu h\u00f6herer Produktivit\u00e4t angespornt werden. All diese Optionen gen\u00fcgen um einen &#8218;messbaren&#8216; Stellenr\u00fcckgang zu unterbinden oder abzuschw\u00e4chen[13]. Mindestl\u00f6hne haben also auf jeden Fall Konsequenzen die zu folgenreichen Ver\u00e4nderungen in den betroffenen Betrieben f\u00fchren. Doch inwiefern diese zu einem messbaren R\u00fcckgang der Erwerbst\u00e4tigkeit f\u00fchren ist fraglich. Das es sich ab einer gewissen Mindestlohnh\u00f6he nicht mehr rechnet gewisse Stellen zu besetzen ist nat\u00fcrlich plausibel, aber wo (f\u00fcr wen) die Schwelle genau liegt, ist unklar. Daher ist in der Schweizer Mindestlohndebatte sowohl gegen\u00fcber der Panikmache der Gegner, als auch gegen\u00fcber den \u00fcberoptimistischen Versprechen der Bef\u00fcrworter, eine\u00a0 gesunde Portion Skepsis gefragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: small;\"><em>Blogbeitrag von Thomas Lo Russo (s<\/em><em>07732928) , \u00a0W\u00f6rter: 1025<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: small;\"><em>thomas.lorusso@uzh.ch<\/em><\/span><\/p><p><strong>Daten<\/strong><\/p><p><em>Mindestlohnh\u00f6he<\/em>: Eurostat, Mindestl\u00f6hne 2011 gemessen am durchschnittlichen\u00a0 Monatsverdienst. Indikator : [earn_mw_avgr2]<\/p><p><em>Erwerbsquote der Geringqualifizierten<\/em>: Eurostat, Erwerbsquote 2011 nach Bildungsniveau. Indikator: [lfsa_ergaed]<\/p><p><em>Konjunktur<\/em>: BIP Wachstum 2008-2011, Eigene Berechnung auf Basis der Jahresdaten von Eurostat. Indikator: [nama_gdp_c]<\/p><p><em>Aktivierungsmassnahmen<\/em>: Eigene Berechnung des nach BIP und Arbeitslosenquote gewichteten Niveaus der Ausgaben f\u00fcr aktive Arbeitsmarktpolitik (ALMP), auf Basis der Daten von Eurostat. Indikator [lmp_expsumm]. Berechnung nach Vorbild von Oesch (2010).<\/p><p><em>Abdeckung durch Kollektivvertr\u00e4ge:<\/em> Die Abdeckungsraten sind nicht alle von 2011, manche Werte sind von 2010 oder 2012. Da die Jahr-zu-Jahr Unterschiede jeweils minim sind ist dies jedoch relativ unproblematisch. Die Zahlen stammen von : Fulton (2013): Worker representation in Europe. Labour Research Department: ETUI.\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.worker-participation.eu\/National-Industrial-Relations\">http:\/\/www.worker-participation.eu\/National-Industrial-Relations<\/a>.<\/p><p><em>Anteil der betroffenen Arbeitnehmer:<\/em><\/p><p><em>CH\u00a0<\/em> Schweizerischer Arbeitgeber Verband (2014):\u00a0 Positionspapier Mindestl\u00f6hne.<\/p><p><em>DE<\/em>\u00a0 Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung Halle (2013): Mindestlohn von 8,50 Euro: Wie viele verdienen weniger, und in welchen Branchen arbeiten sie?<\/p><p><em>USA<\/em> Economic Policy Institute (2013): Minimum wage.<\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>[1] Siehe dazu:\u00a0 Detzer, Daniel (2010): Mindestl\u00f6hne und Besch\u00e4ftigung \u2013 Die theoretische Debatte und empirische Ergebnisse. <i>WSI-Mitteilungen<\/i> 8. 412-418. S. 412. \u00a0<a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/wsimit_2010_08_detzer.pdf\">http:\/\/www.boeckler.de\/wsimit_2010_08_detzer.pdf<\/a><\/div>\n<div>[2] Tagesanzeiger (2014): Schneider-Ammann k\u00e4mpft gegen den Mindestlohn. 25.02.2012.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/SchneiderAmmann-kaempft-gegen-den-Mindestlohn\/story\/20819506\">http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/SchneiderAmmann-kaempft-gegen-den-Mindestlohn\/story\/20819506<\/a><\/div>\n<div>[3] Siehe dazu: Lurenweg, Maren (2009): Dogmengeschichtliche Entwicklung der Kaufkrafttheorie der L\u00f6hne.<i>\u00a0Vierteljahrschrift f\u00fcr Sozial- und Wirtschaftsgeschichte<\/i> 96 (4). 511-547. S. 512.<\/div>\n<div>[4] Schweizerischer Gewerkschaftsbung (2014): Ein starkes Land braucht faire L\u00f6hne: Medienmitteilung vom 27.02.2014. <a href=\"http:\/\/www.sgb.ch\/themen\/arbeit\/artikel\/details\/ein-starkes-land-braucht-faire-loehne\/\">http:\/\/www.sgb.ch\/themen\/arbeit\/artikel\/details\/ein-starkes-land-braucht-faire-loehne\/<\/a><\/div>\n<div>[5] Ohanian, Matthias (2014): Mindestlohn: Taugt Seattle als Vobild f\u00fcr die Schweiz? Handelszeitung, 06.03.2014. <a href=\"http:\/\/www.handelszeitung.ch\/konjunktur\/mindestlohn-taugt-seattle-als-vorbild-fuer-die-schweiz-577484\">http:\/\/www.handelszeitung.ch\/konjunktur\/mindestlohn-taugt-seattle-als-vorbild-fuer-die-schweiz-577484<\/a><\/div>\n<div>[6] Karin Keller-Sutter (2014): Starkes Land.Liberaler Arbeitsmarkt. NZZ Mindestlohnblog, 14.02.2014. <a href=\"http:\/\/mindestlohn.blog.nzz.ch\/2014\/02\/14\/starkes-land-liberaler-arbeitsmarkt\/\">http:\/\/mindestlohn.blog.nzz.ch\/2014\/02\/14\/starkes-land-liberaler-arbeitsmarkt\/\u00a0<\/a><\/div>\n<div>[7] Economiesuisse (2013): Mindestl\u00f6hne auf dem Pr\u00fcfstand. Dossierpolitik 15. S. 11. <a href=\"http:\/\/www.economiesuisse.ch\/de\/PDF%20Download%20Files\/dp15_Mindestlohn_20132511.pdf\">http:\/\/www.economiesuisse.ch\/de\/PDF%20Download%20Files\/dp15_Mindestlohn_20132511.pdf<\/a><\/div>\n<div>[8] Ausgaben f\u00fcr Aktivierungsmassnahmen, Abdeckungsgrad durch Kollektivvertr\u00e4ge sowie Mindestlohnh\u00f6he sind g\u00e4ngig f\u00fcr Analysen was die Erwerbsquote der Geringqualifizierten angeht. Siehe z.B.: Oesch, Daniel (2010): What explains high unemployment among low-skilled workers? Evidence from 21 OECD countries. European Journal of Industrial Relations 16 (1). 39-55.<\/div>\n<div>[9] Siehe dazu: Oesch (2010:40).<\/div>\n<div>[10]UNIA (2014): Wegen schlechter GAV Abdeckung braucht es einen gesetzlichen Mindestlohn f\u00fcr alle. Pressemitteilung vom 27.02.2014. <a href=\"http:\/\/www.unia.ch\/fileadmin\/user_upload\/News\/Pressemitteilungen\/2014\/20140226_pk_sgb_milo\/20140227_PK_Milo_Beitrag__Alleva.pdf\">http:\/\/www.unia.ch\/fileadmin\/user_upload\/News\/Pressemitteilungen\/2014\/20140226_pk_sgb_milo\/20140227_PK_Milo_Beitrag__Alleva.pdf<\/a><\/div>\n<div>[11] NZZ (2014): Hoch umstrittener Lohnschutz. 06.03.2014.<\/div>\n<div><a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/aktuell\/schweiz\/hoch-umstrittener-lohnschutz-1.18256962\">http:\/\/www.nzz.ch\/aktuell\/schweiz\/hoch-umstrittener-lohnschutz-1.18256962<\/a><\/div>\n<div>[12] Eine gute Aufarbeitung des Forschungsstandes bietet:\u00a0Schmitt, John (2013): Why Does the Minimum Wage Have No Discernible Effect on Employment? CEPR Center For Economic Policy Research : Washington.<\/div>\n<div>[13] Diese Ausf\u00fchrungen beruhen auf: Schmitt, John (2013: S. 22)<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bald kommt die n\u00e4chste Vorlage vors Volk, welche eine hitzige Debatte \u00fcber die wirtschaftlichen Konsequenzen einer Annahme entfachen wird: Die Mindestlohninitiative. Der Mindestlohn ist momentan in aller Munde. Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in den USA und Deutschland ist er auf der politischen Agenda. Obama m\u00f6chte ihn fl\u00e4chendeckend erh\u00f6hen und in Deutschland will [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":12201,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[295],"tags":[159,160],"class_list":["post-256","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-18-marz-2014","tag-mindestlohn","tag-mindestlohninitiative"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/256","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=256"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/256\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11383,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/256\/revisions\/11383"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12201"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}