{"id":2584,"date":"2014-05-07T09:41:21","date_gmt":"2014-05-07T08:41:21","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=2584"},"modified":"2017-02-23T16:40:49","modified_gmt":"2017-02-23T15:40:49","slug":"2584","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2014\/05\/07\/2584\/","title":{"rendered":"\u00c4rztemangel \u2013 Realit\u00e4t oder Mythos?"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"line-height: 1.5;\">Am 18. Mai wird \u00fcber den &#8218;Bundesbeschluss \u00fcber die medizinische Grundversorgung abgestimmt. Die Vorlage will die medizinische Grundversorgung als Ganzes st\u00e4rken und daf\u00fcr auch die Hausarztmedizin gezielt f\u00f6rdern (<a href=\"http:\/\/www.bk.admin.ch\/themen\/pore\/va\/20140518\/index.html?lang=de&download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCIdX93gmym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A-- \">vgl. Erl\u00e4uterungen des Bundesrates<\/a><\/span><span style=\"line-height: 1.5;\">). Sprich die Position der Haus\u00e4rztInnen soll gest\u00e4rkt werden, um den drohenden \u00c4rztemangel in der Grundversorgung abzuwenden. Aber wie gross ist dieser Mangel \u00fcberhaupt?<\/span><\/strong><\/p><p><span style=\"line-height: 1.5;\">Der \u00c4rztemangel ist nicht nur in der Schweiz ein Thema, sondern auch in anderen L\u00e4ndern Europas. Allerdings gibt es momentan auch so viele \u00c4rzte wie noch nie. (<\/span><a style=\"line-height: 1.5;\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/gesundheit\/diagnose\/aerztestatistik-der-bundesaerztekammer-zahl-der-mediziner-auf-rekordhoch-a-964270.html\">vgl. Spiegel<\/a><span style=\"line-height: 1.5;\">)<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_2812\" style=\"width: 612px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/blog31.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2812\" class=\"size-full wp-image-2812\" alt=\"\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/blog31.png\" width=\"602\" height=\"373\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-2812\" class=\"wp-caption-text\">\u00c4rztedichte in Europa<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"attachment_2813\" style=\"width: 612px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/blog32.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2813\" class=\"size-full wp-image-2813\" alt=\"\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/blog32.png\" width=\"602\" height=\"373\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-2813\" class=\"wp-caption-text\">Gesundheitskosten pro Einwohner<\/p>\n<\/div><p>Im europ\u00e4ischen Vergleich liegt die \u00c4rztedichte der Schweiz im oberen Mittelfeld mit 383.3 \u00c4rzten pro 100&#8217;000 Einwohner. Damit liegt sie \u00fcber dem europ\u00e4ischen Durchschnitt von 330 \u00c4rztInnen pro 100&#8217;000 Einwohner. Spitzenreiter hier ist \u00d6sterreich mit 482.4. Die Schlusslichter bilden Polen und Rum\u00e4nien mit 218.6 respektive 239.2 Medizinern pro 100&#8217;000 Einwohner.<\/p><p>Vergleicht man die Ausgaben, die ein Staat in die Gesundheit investiert, ist die Schweiz zusammen mit Norwegen deutlich an der Spitze. Allerdings muss man hier bedenken, dass auch das Preisniveau in diesen beiden Staaten in Europa mit Abstand am h\u00f6chsten ist, dass also die ben\u00f6tigte Ausr\u00fcstung etc. im Schnitt teurer ist.<\/p><p>Dies unterstreicht auch der Text des Bundesbeschluss vom 18. Mai, der sagt, dass Bund und Kantone im Rahmen ihrer Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr eine ausreichende, allen zug\u00e4ngliche medizinische Grundversorgung von hoher Qualit\u00e4t zu sorgen haben (<a href=\"http:\/\/www.bk.admin.ch\/themen\/pore\/va\/20140518\/index.html?lang=de&download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCIdX93gmym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A-- \">vgl. Erl\u00e4uterungen des Bundesrates<\/a>). Hier wird betont, dass die hohe Qualit\u00e4t der medizinischen Versorgung f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung erwartet wird. Auch soll eine angemessene Entl\u00f6hnung in der Verfassung festgeschrieben werden. Dadurch soll auch der Anreiz geschaffen werden, dass sich junge Leute f\u00fcr die Allgemeinmedizin entscheiden.<\/p><p><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/blog33.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2821\" alt=\"blog33\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/blog33.png\" width=\"602\" height=\"373\" \/><\/a><\/p><p>Vergleicht man die Anzahl Mediziner in der Schweiz mit der Bev\u00f6lkerung f\u00e4llt auf, dass diese im Jahr 2008 einen Einbruch erleidet. Auch sieht man, dass jedoch die Anzahl der \u00c4rzte in den letzten 20 Jahren steiler angestiegen ist, als die Bev\u00f6lkerung. Ab dem Jahr 2003 ist diese Kurve zwar ein wenig abgeflacht, aber sie steigt immer noch st\u00e4rker als das Bev\u00f6lkerungsniveau. Wenn man allerdings die Anzahl der allgemein Mediziner, welche meist Haus\u00e4rztInnen sind, in die Betrachtung mit einbezieht, sieht das Ganze ein wenig anders aus. Hier ist deutlich ersichtlich, dass im Jahr 2004 die Anzahl Haus\u00e4rzte stark zur\u00fcck ging. Zwischen den Jahren 2004 und 2011 ist ein deutlicher Einbruch ersichtlich. Der eingef\u00fchrte \u00c4rztestopp hat sicher auch etwas mit diesem Einbruch zu tun.<\/p><p>Im 2011 normalisiert sich die Situation wieder auf das Niveau, welches parallel zur Bev\u00f6lkerungsentwicklung verl\u00e4uft. Hinzu kommt, dass die Bev\u00f6lkerung immer \u00e4lter wird und mit zunehmendem Alter der Bedarf an medizinischer Versorgung steigt. Dadurch werden noch einmal mehr \u00c4rzte ben\u00f6tigt.<\/p><p>Dies alles l\u00e4sst zwar auf einen Haus\u00e4rztemangel in den Jahren 2004 bis 2011 schliessen, allerdings hat sich die Lage wieder normalisiert.<\/p><p>Diese Aussage bezieht sich aber auf die Schweiz als Ganzes. Wie sieht die Lage in den einzelnen Kantonen aus?<\/p><p><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/blog34.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2822\" alt=\"blog34\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/blog34.png\" width=\"395\" height=\"480\" \/><\/a><\/p><p>Dieses Balkendiagramm zeigt, dass in den zwei Kantonen St. Gallen und Bern die \u00c4rztedichte am gr\u00f6ssten ist. Am tiefsten ist die Dichte in den rurale Kantonen Apenzell Innerhoden und Schwyz. Der \u00c4rztemangel ist auf dem Land ein gr\u00f6sseres Thema als in der Stadt. Einen Einfluss auf diese Tatsache haben sicherlich auch die Spit\u00e4ler, welche aus logistischen Gr\u00fcnden vielfach in den Zentrumsgebieten liegen und dort auch in gr\u00f6sserer Anzahl vorhanden sind. Dort ist ein Grossteil der \u00c4rzte besch\u00e4ftigt. Da der Kanton Bern als fl\u00e4chenm\u00e4ssig zweitgr\u00f6sster Kanton \u00fcber sehr viele Zentren (Bern, Biel, Langenthal, Thun etc.) verf\u00fcgt ist es nicht erstaunlich, dass er \u00fcber eine so hohe \u00c4rztedichte verf\u00fcgt. Die h\u00f6chste \u00c4rztedichte findet sich im Kanton St. Gallen. Dies k\u00f6nnte daran liegen, dass auch in St.Gallen viele Zentren (St. Gallen, Wil, Rapperswil etc.) vorhanden sind. Auch verf\u00fcgt der Kanton St. Gallen \u00fcber ein grosses Einzugsgebiet, welches noch die Kantone Appenzell Ausser- und Innerhoden umfasst.<\/p><p>Vergleicht man die \u00c4rztedichte mit der Dichte der Hausmediziner pro Kanton ergibt sich in der Regel ein \u00e4hnliches Bild.<\/p><p>Allerdings f\u00e4llt hier auf, dass der Kanton Appenzell Ausserhoden eine erstaunlich hohe Anzahl an Allgemeinmediziner aufweist. Dies kann m\u00f6glicherweise darauf zur\u00fcckgef\u00fchrt werden, dass der Kanton zwar \u00fcber zwei Spit\u00e4ler verf\u00fcgt, allerdings sind diese relativ klein. Alle anderen Mediziner arbeiten somit in privaten Praxen. Da der Bedarf an Hausmediziner vor allem in l\u00e4ndlichen Gebieten am gr\u00f6ssten ist, haben sich die \u00c4rztInnen in Appenzell Ausserhoden wohl auf dieses Gebiet spezialisiert.<\/p><p>Auch wird klar, dass in einigen Kantonen sehr wenig Allgemeinmediziner arbeiten. Im Schnitt sind 41.7% aller \u00c4rzte in der Schweiz Allgemeinmediziner. Allerdings unterscheiden sich die Kantone untereinander deutlich. Der Anteil an Haus\u00e4rzten ist mit 58.8% im Kanton Uri mit Abstand am h\u00f6chsten. Die tiefsten Anteile weisen die Kantone Genf und Basel-Stadt auf mit 23.8% respektive 26.9%. Auch der bev\u00f6lkerungsreichste Kanton, der Kanton Z\u00fcrich weist mit 31.5% Haus\u00e4rzte einen sehr kleinen Anteil auf. Dies mag aber sicher auch daran liegen, dass in den St\u00e4dten, wo sich die grossen Spit\u00e4ler befinden, viele spezialisierte \u00c4rzte arbeiten. Da die Zahlen aber pro 100&#8217;000 Einwohner berechnet sind, sieht man trozdem, dass in den St\u00e4dten zwar mehr \u00c4rzte vorhanden sind, die Dichte an Haus\u00e4rztInnen aber vergleichsweise gering ist.<\/p><p>Die bev\u00f6lkerungsreichen Gebiete stehen hier also hinten an, das heisst es ist ein grosser Teil der Bev\u00f6lkerung, welcher durch diese kleinen Anteile an Allgemeinmediziner betroffen ist.<\/p><p>Ein weiterer Punkt, wieso die gr\u00f6ssere Anzahl an praktizierenden \u00c4rzten nicht unbedingt bedeutet, dass das Problem des \u00c4rztemangels gel\u00f6st wird, ist, dass immer mehr Mediziner Teilzeit arbeiten (<a href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/159304\/Aerztestatistik-Mehr-Aerztinnen-mehr-Angestellte\">vgl. Deutsches \u00c4rzteblatt<\/a>). Sprich es gibt zwar mehr praktizierende \u00c4rztInnen, jedoch steigen die geleisteten Stunden nicht unbedingt.<\/p><p>Im Grossen und Ganzen kann festgehalten werden, dass zwischen den Jahren 2004 und 2010 in der Schweiz ein Mangel an Haus\u00e4rztInnen bestand. Die Zahl der Mediziner insgesamt, ist jedoch etwa parallel oder sogar noch steiler als diejenige der Bev\u00f6lkerung angestiegen. Dies bedeutet zwar nicht automatisch, dass das Problem des \u00c4rztemangels \u00fcberwunden ist, da viele Mediziner heute auch Teilzeit arbeiten. Auch dass die Bev\u00f6lkerung immer \u00e4lter wird, f\u00fchrt dazu, dass immer wie mehr Mediziner ben\u00f6tigt werden. Im Vergleich zu anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ist die \u00c4rztedichte in der Schweiz im oberen Mittelfeld anzutreffen.<\/p><p>Durch die Abstimmung am 18. Mai soll durch die St\u00e4rkung der allgemein MedizinerInnen dem existierenden Mangel entgegen getreten werden.<\/p><p><em>Alle Daten von Eurostat und BfS.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 18. Mai wird \u00fcber den &#8218;Bundesbeschluss \u00fcber die medizinische Grundversorgung abgestimmt. Die Vorlage will die medizinische Grundversorgung als Ganzes st\u00e4rken und daf\u00fcr auch die Hausarztmedizin gezielt f\u00f6rdern (vgl. Erl\u00e4uterungen des Bundesrates). Sprich die Position der Haus\u00e4rztInnen soll gest\u00e4rkt werden, um den drohenden \u00c4rztemangel in der Grundversorgung abzuwenden. 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