{"id":26357,"date":"2022-02-11T17:07:44","date_gmt":"2022-02-11T16:07:44","guid":{"rendered":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?p=26357"},"modified":"2024-10-14T21:30:56","modified_gmt":"2024-10-14T19:30:56","slug":"frauen-dominieren-an-den-zuercher-mittelschulen-die-naturwissenschaftlichen-faecher-ueberlassen-sie-aber-weiterhin-den-maennern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2022\/02\/11\/frauen-dominieren-an-den-zuercher-mittelschulen-die-naturwissenschaftlichen-faecher-ueberlassen-sie-aber-weiterhin-den-maennern\/","title":{"rendered":"Frauen dominieren an den Z\u00fcrcher Mittelschulen \u2013 die naturwissenschaftlichen F\u00e4cher \u00fcberlassen sie aber weiterhin den M\u00e4nnern"},"content":{"rendered":"\n<p><em>An Schweizer Gymnasien sind die Frauen seit einigen Jahren in der \u00dcberzahl. F\u00fchrt das auch zu mehr weiblichem Interesse an Schulf\u00e4chern, die traditionell von M\u00e4nnern belegt werden? Ein Blick auf die Lage im Kanton Z\u00fcrich zeigt: nicht unbedingt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In der Schweiz machen immer mehr junge Menschen eine Matura.<a href=\"#footnote-section\">[1]<\/a> W\u00e4hrend vor vierzig Jahren nur 10 Prozent der Jugendlichen das Gymnasium absolvierten, ist die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bildung-wissenschaft\/bildungsindikatoren\/themen\/bildungserfolg\/maturitaetsquote.assetdetail.19305671.html\" target=\"_blank\">Maturit\u00e4tsquote seither deutlich angestiegen<\/a>, zuletzt auf 22 Prozent schweizweit.<a href=\"#footnote-section\">[2]<\/a> Dieser Zuwachs ist vor allem den Frauen zu verdanken. Schon Ende der Neunzigerjahre schlossen mehr Frauen als M\u00e4nner das Gymi ab, und sie haben ihren Vorsprung immer weiter ausgebaut: 2019 besassen <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bildung-wissenschaft\/bildungsindikatoren\/themen\/bildungserfolg\/maturitaetsquote.assetdetail.19305671.html\" target=\"_blank\">26.3 Prozent der unter 25-j\u00e4hrigen Frauen eine gymnasiale Maturit\u00e4t<\/a>, bei den M\u00e4nnern waren es 18 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p>In der f\u00f6deralistischen Schweiz <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/steigende-maturitaetsquoten-student-oder-bueezer-das-haengt-auch-vom-wohnort-ab\" target=\"_blank\">variiert die Gymiquote aber stark zwischen den Kantonen<\/a>. Der folgende Beitrag untersucht anhand von Daten der kantonalen Bildungsstatistik, wie sich die weibliche Maturit\u00e4tsquote in Z\u00fcrich, dem bev\u00f6lkerungsreichsten Schweizer Kanton, im letzten Jahrzehnt entwickelt hat. Auf dem ersten Blick muss man\/frau konstatieren: Es hat sich nicht viel getan. Seit 2011 erwerben Frauen knapp 60 Prozent aller Z\u00fcrcher Maturit\u00e4tsabschl\u00fcsse, der Anteil ist fast konstant geblieben. Auch bei der Wahl des Schwerpunktfachs haben sich bestehende Muster eher verfestigt \u2013 das Geschlecht beeinflusst die Profilwahl nach wie vor stark.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_jahr_neu-1024x683.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-26819\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_jahr_neu-1024x683.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_jahr_neu-300x200.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_jahr_neu-768x512.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_jahr_neu-1536x1024.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_jahr_neu-2048x1365.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>M\u00e4nner w\u00e4hlen eher naturwissenschaftliche Schwerpunkte, Frauen setzen auf Sprachen oder Kunst<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer in Z\u00fcrich eine Matura an einem \u00f6ffentlichen Gymnasium macht, muss sich in der Regel<a href=\"#footnote-section\">[3]<\/a> zwischen f\u00fcnf Spezialisierungen entscheiden: Alte Sprachen (Latein und\/oder Griechisch), Moderne Sprachen, Mathematik\/Naturwissenschaften, Musik\/Bildnerisches Gestalten oder Wirtschaft und Recht. Das mathematisch-naturwissenschaftliche Profil l\u00e4sst sich weiter in die Schwerpunktf\u00e4cher Biologie\/Chemie und Physik\/Anwendungen der Mathematik unterteilen, das musische Profil in die Schwerpunkte Musik und Bildnerisches Gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren berichteten Medien immer wieder \u00fcber den sogenannten <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/schweizermonat.ch\/mint-mangel-maedchen-und-mittelschulen\/\" target=\"_blank\">MINT-Fachkr\u00e4ftemangel<\/a>. \u00abMINT\u00bb steht f\u00fcr die F\u00e4cher Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, in welchen der Wirtschaft der Nachwuchs fehlt. Insbesondere die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.srf.ch\/wissen\/mensch\/frauenmangel-in-mint-faechern-physikerin-werden-ist-schwieriger-als-physiker\" target=\"_blank\">Frauen w\u00fcrden sich (zu) wenig f\u00fcr diese Wissenschaften interessieren<\/a>, sei es in der Berufsbildung oder bei der Studienwahl. Auch der Kanton Z\u00fcrich befasst sich mit dieser bildungspolitischen Knacknuss: Seit 2010 gibt es den <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.zh.ch\/de\/bildung\/schulen\/maturitaetsschule\/projekte-maturitaetsschulen.html#-392558350\" target=\"_blank\">Massnahmenkatalog NaTech<\/a>, welcher unter anderem darauf abzielt, junge Frauen f\u00fcr naturwissenschaftliche und technische F\u00e4cher zu begeistern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Blick auf die Geschlechterverteilung der Schwerpunktf\u00e4cher an Z\u00fcrcher Gymnasien zeigt aber: Die M\u00e4nner bleiben im MINT-Bereich in der Mehrzahl. Im betrachteten Zeitraum machten Maturandinnen nur 45 Prozent aller Abschl\u00fcsse in Bio und Chemie; beim Schwerpunkt Physik\/Anwendungen der Mathematik betr\u00e4gt der Frauenanteil knapp ein Viertel. Auch im Bereich Wirtschaft und Recht dominieren die M\u00e4nner. In allen anderen Profilen hingegen liegen die Frauen vorne: bei den alten Sprachen (58 Prozent), den neuen Sprachen (69 Prozent), und insbesondere im musischen Profil \u2013 84 Prozent der Abschl\u00fcsse mit Schwerpunkt Bildnerisches Gestalten gehen an Frauen. Die Daten belegen also, wie hartn\u00e4ckig sich diese klischeehaften Vorlieben unter den Z\u00fcrcher Gymnasiastinnen halten. Und: Trotz Initiativen wie NaTech zeichnet sich seit 2011 keine Trendwende ab.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_neu-1024x683.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-26818\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_neu-1024x683.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_neu-300x200.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_neu-768x512.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_neu-1536x1024.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_neu-2048x1365.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Innerhalb der Profile variiert die Frauenquote je nach Gymnasium<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings betreibt Z\u00fcrich kantonsweit 21 \u00f6ffentliche Gymnasien. Es stellt sich die Frage, ob es f\u00fcr die Geschlechteranteile in den einzelnen Schwerpunktf\u00e4chern einen Unterschied macht, welche Mittelschule man\/frau besucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den Grafiken unten wird ersichtlich, dass sich die Frauenanteile je nach Mittelschule bedeutend unterscheiden k\u00f6nnen. Die gr\u00f6sste Diskrepanz l\u00e4sst sich beim neusprachlichen Profil feststellen: An der Kantonsschule Birch<a href=\"#footnote-section\">[4]<\/a> waren 93 Prozent der Maturand:innen weiblich, am Realgymnasium R\u00e4mib\u00fchl im Schnitt nur 54 Prozent. Auch beim Schwerpunkt Musik sind die Unterschiede teilweise sehr gross. Zwischen der Kantonsschule Limmattal (88 Prozent Frauen) und dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium R\u00e4mib\u00fchl<a href=\"#footnote-section\">[5]<\/a> (54 Prozent) liegen ganze 34 Prozentpunkte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"878\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_und_schule_1_neu-1024x878.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-26831\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_und_schule_1_neu-1024x878.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_und_schule_1_neu-300x257.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_und_schule_1_neu-768x658.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_und_schule_1_neu-1536x1317.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_und_schule_1_neu-2048x1755.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Einige Mittelschulen stechen bei der Gegen\u00fcberstellung heraus. Die Winterthurer Kantonsschule Im Lee zeigt eine sehr stereotypische Geschlechterverteilung: Bei den Schwerpunkten Alte Sprachen (71 Prozent) und Bildnerisches Gestalten (94 Prozent) erreicht sie den kantonsweit h\u00f6chsten Frauenanteil, beim neusprachlichen Profil den zweith\u00f6chsten (81 Prozent). Im MINT-Schwerpunkt Biologie und Chemie (37 Prozent) z\u00e4hlt die KS Im Lee hingegen zu den Schlusslichtern. Beim Profil Physik\/Anwendungen der Mathematik liegt sie im Schnitt (22 Prozent). Rektor Arno Germann zeigt sich \u00fcberrascht \u00fcber die Zahlen, die er sich nicht wirklich erkl\u00e4ren k\u00f6nne. Auf Anfrage meint er allerdings, dass die Unterscheidung zwischen Lang- und Kurzzeitgymnasien im Winterthurer Kontext m\u00f6glicherweise weiterhelfe: \u00abWer ins MN-Profil will aus dem Untergymnasium, muss die Schule wechseln. Vielleicht ist dieser Wunsch bei den Jungs ausgepr\u00e4gter vorhanden, w\u00e4hrend M\u00e4dchen in diesem Alter lieber die vertraute Schule behalten, auch wenn das Profil nicht ganz passt.\u00bb Nach dieser Interpretation w\u00fcrde das Kurzzeitgymi Im Lee besonders viele naturwissenschaftlich interessierte Jungs vom benachbarten Langzeitgymnasium Rychenberg anziehen, welches dieses Profil nicht anbietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Christina Gnos, stellvertretende Leiterin der Abteilung Mittelschulen des Mittelschul- und Berufsbildungsamts des Kantons Z\u00fcrich, sieht hierin einen potenziellen Erkl\u00e4rungsfaktor. Es sei schwierig, reine Langzeitgymnasien mit spezialisierten Kurzzeitgymnasien zu vergleichen, da andere Mechanismen hinter der Schwerpunktfachwahl liegen w\u00fcrden. Dies zeige sich bei den Langzeitgymnasien: \u00abIn diesem Alter ist vor allem die r\u00e4umliche N\u00e4he zentral. Wenn ich als Sch\u00fcler:in aber ein Schwerpunktfach w\u00e4hle, das nicht an der urspr\u00fcnglichen Schule angeboten wird, dann muss ich die Schule wechseln. [\u2026] Doch die H\u00fcrde ist wegen des sozialen Umfelds recht hoch.\u00bb Darum sehe man zum Beispiel beim altsprachlichen Profil, dass fast alle Schulen mit eher tiefen Frauenanteilen reine Langzeitgymnasien sind. Deren Sch\u00fcler:innen m\u00fcssten sich also weniger aktiv <em>f\u00fcr<\/em> ein bestimmtes Profil entscheiden, sondern wenn schon <em>gegen <\/em>das bestehende Angebot. Bei den Kurzgymnasien spielten die spezifischen fachlichen Vorlieben hingegen eine gr\u00f6ssere Rolle. Forschungsergebnisse zeigten, dass laufbahnbezogene Entscheidungen genderstereotypischer ausfallen, je sp\u00e4ter sie getroffen werden m\u00fcssen. Dies k\u00f6nne sich auch in den Frauenanteilen an den verschiedenen Gymnasien widerspiegeln.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"878\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_und_schule_2_neu-1024x878.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-26830\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_und_schule_2_neu-1024x878.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_und_schule_2_neu-300x257.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_und_schule_2_neu-768x658.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_und_schule_2_neu-1536x1317.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mean_frauen_nach_schwerpunkt_und_schule_2_neu-2048x1755.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dagegen sprechen allerdings die auffallend hohen Frauenquoten in den MINT-F\u00e4chern an der Kantonalen Mittelschule f\u00fcr Erwachsene (KME). Sie bietet Maturit\u00e4tslehrg\u00e4nge f\u00fcr bereits vollj\u00e4hrige Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler an. Im Schwerpunkt Physik\/Anwendungen der Mathematik geht dort jeder dritte Abschluss an eine Frau (kantonaler Durchschnitt: 23 Prozent). Die KME ist die einzige Mittelschule, an der Frauen im Profil Biologie\/Chemie in der Mehrheit sind (55 Prozent). Und im eher m\u00e4nnlich gepr\u00e4gten Profil Wirtschaft und Recht erreicht die KME zusammen mit der KS Limmattal den h\u00f6chsten Frauenanteil im Kanton (47 Prozent). Diese vergleichsweise hohen Zahlen k\u00f6nnten darauf hindeuten, dass sich weiterbildungswillige erwachsene Frauen eher von Geschlechterklischees l\u00f6sen als Frauen im Teenageralter \u2013 belegen l\u00e4sst sich das mit den vorliegenden Daten aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammengefasst l\u00e4sst sich sagen: Obwohl sie mittlerweile seit vielen Jahren in der Mehrzahl sind, \u00fcberlassen Z\u00fcrcher Gymnasiastinnen die naturwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Schwerpunkte weiterhin den M\u00e4nnern. Doch je nach Schule k\u00f6nnen die Geschlechteranteile deutlich schwanken \u2013 neben der Unterscheidung zwischen Kurz- und Langgymnasien spielen hier wohl weitere Rahmenbedingungen eine Rolle, die sich allerdings nur schwer messen lassen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p id=\"footnote-section\"><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Im Beitrag ist mit \u00abMatura\u00bb, \u00abMaturit\u00e4tsabschluss\u00bb immer die <em>gymnasiale <\/em>Maturit\u00e4t gemeint. Fach- und Berufsmaturit\u00e4ten wurden in der Analyse nicht ber\u00fccksichtigt.<br><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Berechnungsmethode 2015 ge\u00e4ndert wurde. Neu wird die mittlere Nettoquote \u00fcber drei Jahre ausgewiesen.<br><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Eine Ausnahme bildet das zweisprachige <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.rgzh.ch\/sites\/default\/files\/2020-07\/RG_IB_Informationen_2020-compressed.pdf\" target=\"_blank\">International Baccalaureate (IB)<\/a>, das an den Real- und Literargymnasien R\u00e4mib\u00fchl angeboten wird. Hier liegt der Schwerpunkt auf den Erwerb der englischen Sprache sowie ausgepr\u00e4gter Sozialkompetenzen.<br><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Die KZB gibt es heute nicht mehr. Sie wurde 2012 mit der Kantonsschule Oerlikon, die sich am gleichen Standort befand, zur Kantonsschule Z\u00fcrich Nord (KZN) fusioniert.<br><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Hier ist es wichtig zu betonen, dass es sich um Klassen des assoziierten Kunst- und Sportgymnasiums handelt, die dem MNG R\u00e4mib\u00fchl zugerechnet werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#dccbed\"><strong>Informationen zum Blogbeitrag<\/strong><br><br>Verfasserin: Jenny Roberts<br>E-Mail: <a href=\"mailto:jennifer.meredith.roberts@gmail.com\">jennifer.meredith.roberts@gmail.com<\/a><br>Lehrveranstaltung: Vorbereitung zum Forschungsseminar \u00abPolitischer Datenjournalismus\u00bb (HS 2021)<br>Dozierende: Dr. Theresa Gessler, Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Alexandra Kohler<br>Abgabedatum: 02. Januar 2022<br>Anzahl W\u00f6rter (exkl. Lead, Anhang und Fussnoten): 1037<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#dccbed\"><strong>Daten, Validit\u00e4t und Methoden<\/strong><br><br>Die Daten f\u00fcr die Analyse wurden von der Bildungsstatistik des Kantons Z\u00fcrich zur Verf\u00fcgung gestellt. Analysiert wurde die Anzahl gymnasialer Maturit\u00e4tsabschl\u00fcsse an \u00f6ffentlichen Schulen im Zeitraum 2011-2020. Maturit\u00e4tsabschl\u00fcsse an Fach-, Handels- oder Berufsmittelschulen waren nicht Teil der Analyse. <br><br>Hier geht\u2019s zum <strong><a href=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/blogbeitrag_roberts_020122_neu.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Code<\/a><\/strong> der gezeigten Grafiken.<br><br>Beim Vergleich der Frauenanteile an den unterschiedlichen Gymnasien gilt es, einige Vorbehalte zu beachten:<br><br>Neben des Frauenanteils innerhalb eines bestimmten Schwerpunktfachs m\u00fcsste streng genommen auch der Frauenanteil insgesamt an jeder Schule betrachtet werden, da dieser ebenfalls variiert (zwischen rund 38 Prozent [KS Hottingen] und 80 Prozent [Liceo Artistico]) und von weiteren Faktoren abh\u00e4ngig sein k\u00f6nnte. Als Anschaubeispiele eignen sich die beiden Wirtschaftsgymnasien B\u00fcelrain (Winterthur) und Hottingen (Z\u00fcrich): Beide Kurzgymnasien bieten einzig den Schwerpunkt Wirtschaft und Recht an, die Kantonsschule B\u00fcelrain weist aber einen deutlich h\u00f6heren Frauenanteil auf.<br><br>Was als Erkl\u00e4rungsfaktor f\u00fcr die Differenz herhalten k\u00f6nnte, ist die geografische Lage eines Gymnasiums bzw. das Einzugsgebiet der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, das sich bei diesem Beispiel offensichtlich unterscheidet. Allerdings ist es im Allgemeinen nicht m\u00f6glich, eine klare Zuordnung der Wohnorte der Sch\u00fclerschaft zu den einzelnen Gymnasien vorzunehmen. In die Stadt Z\u00fcrich etwa, die viele Mittelschulen z\u00e4hlt, pendeln Gymnasiast:innen aus ganz verschiedenen Teilen des Kantons. Einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Einzugsgebiet einer Schule und deren Frauenanteil aufzuzeigen ist somit kaum m\u00f6glich \u2013 obwohl die Variable vermutlich relevant ist.<br><br>Nochmals allgemeiner betrachtet gibt es neben dem Schultyp und der r\u00e4umlichen Lage wohl weitere Unbekannte, die f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der Diskrepanzen zwischen den Schulen eine Rolle spielen. Aufgrund der unvollst\u00e4ndigen Datenlage und der hohen Komplexit\u00e4t des Themas ist es jedoch schwierig festzustellen, welche zus\u00e4tzlichen Rahmenbedingungen in welchem Mass einen Einfluss auf die Frauenanteile haben k\u00f6nnten. Die durchgef\u00fchrte deskriptive Analyse kann diese Fragestellung also nicht abschliessend beantworten, sondern nur erste Anhaltspunkte liefern.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Bundesamt f\u00fcr Statistik: Bildungsindikatoren: Maturit\u00e4tsquote \u2013 Daten des Indikators (2021).<br><\/em><a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bildung-wissenschaft\/bildungsindikatoren\/themen\/bildungserfolg\/maturitaetsquote.assetdetail.19305671.html\">htt<\/a><a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bildung-wissenschaft\/bildungsindikatoren\/themen\/bildungserfolg\/maturitaetsquote.assetdetail.19305671.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ps:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bildung-wissenschaft\/bildungsindikatoren\/themen\/bildungserfolg\/maturitaetsquote.assetdetail.19305671.html<\/a> [Stand: 02.01.2022].<\/p>\n\n\n\n<p><em>SRF: Steigende Maturit\u00e4tsquoten \u2013 Student oder B\u00fcezer? Das h\u00e4ngt auch vom Wohnort ab (24.05.2018).<br><\/em><a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/steigende-maturitaetsquoten-student-oder-bueezer-das-haengt-auch-vom-wohnort-ab\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/steigende-maturitaetsquoten-student-oder-bueezer-das-haengt-auch-vom-wohnort-ab<\/a> [Stand: 02.01.2022].<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schweizer Monat: MINT-Mangel, M\u00e4dchen und Mittelschulen.<br><\/em><a href=\"https:\/\/schweizermonat.ch\/mint-mangel-maedchen-und-mittelschulen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/schweizermonat.ch\/mint-mangel-maedchen-und-mittelschulen\/<\/a> [Stand: 02.01.2022].<\/p>\n\n\n\n<p><em>SRF: Frauenmangel in MINT-F\u00e4chern \u2013 Physikerin werden ist schwieriger als Physiker (16.09.2018). <\/em><a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/wissen\/mensch\/frauenmangel-in-mint-faechern-physikerin-werden-ist-schwieriger-als-physiker\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.srf.ch\/wissen\/mensch\/frauenmangel-in-mint-faechern-physikerin-werden-ist-schwieriger-als-physiker<\/a> [Stand: 02.01.2022].<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kanton Z\u00fcrich: Projekte Maturit\u00e4tsschulen \u2013 NaTech.<br><\/em><a href=\"https:\/\/www.zh.ch\/de\/bildung\/schulen\/maturitaetsschule\/projekte-maturitaetsschulen.html#-392558350\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.zh.ch\/de\/bildung\/schulen\/maturitaetsschule\/projekte-maturitaetsschulen.html#-392558350<\/a> [Stand: 02.01.2022].<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Schweizer Gymnasien sind die Frauen seit einigen Jahren in der \u00dcberzahl. F\u00fchrt das auch zu mehr weiblichem Interesse an Schulf\u00e4chern, die traditionell von M\u00e4nnern belegt werden? Ein Blick auf die Lage im Kanton Z\u00fcrich zeigt: nicht unbedingt.In der Schweiz machen immer mehr junge Menschen eine Matura.[1] W\u00e4hrend vor vierzig Jahren nur 10 Prozent der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":166,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[38,366,457,128,458],"class_list":["post-26357","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-bildung","tag-frauen","tag-gymnasium","tag-kanton-zurich","tag-maturitaetsquote"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26357","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/166"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26357"}],"version-history":[{"count":35,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26357\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31363,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26357\/revisions\/31363"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26357"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26357"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26357"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}