{"id":30308,"date":"2024-09-04T21:54:00","date_gmt":"2024-09-04T19:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?p=30308"},"modified":"2024-10-14T21:56:13","modified_gmt":"2024-10-14T19:56:13","slug":"anstieg-antisemitischer-vorfaelle-zeichnet-ein-falsches-bild-der-schweizer-bevoelkerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2024\/09\/04\/anstieg-antisemitischer-vorfaelle-zeichnet-ein-falsches-bild-der-schweizer-bevoelkerung\/","title":{"rendered":"Anstieg antisemitischer Vorf\u00e4lle zeichnet ein falsches Bild der Schweizer Bev\u00f6lkerung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-left has-black-color has-text-color has-medium-font-size\" style=\"letter-spacing:2px\"><strong>Obwohl antisemitische Vorf\u00e4lle zunehmen, spiegelt die Stimmung der Schweizer Bev\u00f6lkerung eine andere Realit\u00e4t wider. Die Einstellung gegen\u00fcber dem Judentum hat sich in den letzten Jahren verbessert. Es sind viel mehr Minderheiten, die das Bild nach aussen bestimmen.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"614\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/final_antisemitic_vorfalle_2023-4-1024x614.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-30623\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/final_antisemitic_vorfalle_2023-4-1024x614.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/final_antisemitic_vorfalle_2023-4-300x180.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/final_antisemitic_vorfalle_2023-4-768x461.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/final_antisemitic_vorfalle_2023-4-1536x922.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/final_antisemitic_vorfalle_2023-4-2048x1229.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\"><em>Grafik 1: Gemeldete antisemitische Vorf\u00e4lle 2023<\/em><\/mark> pro Kanton (ohne Online-Vorf\u00e4lle)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Im Jahr 2023 wurde mit 146 dokumentierten antisemitischen Vorf\u00e4llen (Online-Vorf\u00e4lle nicht miteinbezogen) ein trauriger Rekord erreicht, eine Entwicklung, die sich bereits im Vorfeld abzeichnete (1). Zwischen 2018 und 2021 stieg die Anzahl der Vorf\u00e4lle um 64%. Die Dunkelziffer d\u00fcrfte jedoch h\u00f6her liegen, da nicht alle antisemitischen \u00dcbergriffe als solche erfasst werden. Doch spiegelt dieser Trend die tats\u00e4chliche Stimmungslage der Schweizer Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber dem Judentum wider? Oder handelt es sich um eine Minderheit, die durch ihre Taten das Bild nach aussen verzerrt?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Antisemitische Vorf\u00e4lle in der Schweiz werden vom Schweizerisch Israelischen Gemeindebund (SIG)(2) erfasst, der die Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA)(3) verwendet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Stimmungslage in der Schweiz <\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Im Rahmen des Schweizer Haushalt-Panels wurde die Einstellung der Schweizer Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber dem Judentum anhand einer Stichprobe erhoben (4). Darauf aufbauend wurde im Rahmen dieser Recherche der Anteil der Schweizer*innen mit einer negativen Einstellung gegen\u00fcber dem Judentum berechnet.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Auf der nationalen Ebene ergibt sich ein Wert von 24%. Demnach vertritt rund ein Viertel der Schweizer Bev\u00f6lkerung im Jahr 2022 eine zumindest leicht abgeneigte Einstellung gegen\u00fcber dem Judentum. Analysiert man die Stimmungslage im Zeitraum 2013-2022 zeigt sich ein deutlicher Trend. Der Anteil an Personen mit negativer Einstellung gegen\u00fcber dem Judentum geht in den letzten Jahren zur\u00fcck. Zu dieser Erkenntnis kam auch das Bundesamt f\u00fcr Statistik in einer 2023 ver\u00f6ffentlichten Studie (5). Dieser Trend verl\u00e4uft entgegengesetzt dem generellen Anstieg an antisemitischen Vorf\u00e4llen in der Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"614\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/final_lineplot-1024x614.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-31246\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/final_lineplot-1024x614.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/final_lineplot-300x180.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/final_lineplot-768x461.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/final_lineplot-1536x922.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/final_lineplot-2048x1229.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Grafik 2: Entwicklung &#8211; Nationale Einstellung gegen\u00fcber dem Judentum<\/em><\/figcaption><\/figure><\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Genferseeregion als positiver Ausreisser <\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Betrachtet man die einzelnen Grossregionen der Schweiz, zeichnet sich ein tendenziell r\u00fcckl\u00e4ufiger Trend von Ost nach West ab. In der Genferseeregion leben im regionalen Vergleich viele J\u00fcdinnen und Juden (0.4% der Bev\u00f6lkerung), allerdings findet sich dort auch ein Tiefstwert im Rahmen dieser Sch\u00e4tzung. Hingegen geh\u00f6ren in der Ostschweiz 0.08% zur j\u00fcdischen Gemeinschaft, dennoch sind es ca. 25% der Bev\u00f6lkerung mit einer negativen Haltung. Es scheint, als basiere diese Ablehnung verst\u00e4rkt auf Vorurteilen und weniger aufgrund konkreter Ber\u00fchrungspunkte. <br>Die Genferseeregion stellt aber auch hinsichtlich der gemeldeten antisemitischen Vorf\u00e4lle eine Ausnahme dar. Obwohl der Anteil an Juden und J\u00fcdinnen im Vergleich hoch ist, werden dort sehr wenige antisemitische Vorf\u00e4lle gemeldet. In St\u00e4dten wie Z\u00fcrich und Basel, mit einem \u00e4hnlich hohen Bev\u00f6lkerungsanteil kam es hingegen zu einem starken Anstieg an Delikten. Es scheint, als w\u00e4re die j\u00fcdische Gemeinschaft in der Westschweiz st\u00e4rker in die Gesamtbev\u00f6lkerung integriert, als dies an anderen Orten der Fall ist. Dies, obwohl Genf, Basel und Z\u00fcrich bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts Zentren des j\u00fcdischen Lebens in der Schweiz sind (6). <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"614\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ueberarbeitet_negativ_values_plot-1024x614.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-31231\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ueberarbeitet_negativ_values_plot-1024x614.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ueberarbeitet_negativ_values_plot-300x180.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ueberarbeitet_negativ_values_plot-768x461.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ueberarbeitet_negativ_values_plot-1536x922.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ueberarbeitet_negativ_values_plot-2048x1229.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Grafik 3: Anteil an Personen mit negativer Einstellung gegen\u00fcber dem Judentum<\/em> 2022<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historisch gewachsene Strukturen?<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Beim Versuch nachzuvollziehen, ob es sich bei diesen regionalen Unterschieden um eine Entwicklung der letzten Jahre handelt, oder ob sie zur\u00fcckzuf\u00fchren sind auf historisch gewachsene Strukturen, ist ein Blick in die Vergangenheit n\u00f6tig.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Die Volksabstimmung zur Niederlassungsfreiheit (1866) und die Volksinitiative \u00abf\u00fcr ein Verbot des Schlachtens ohne vorherige Bet\u00e4ubung\u00bb (1893) waren die letzten nationalen Abstimmungsk\u00e4mpfe, die klar mittels antisemitischen Narrativen gef\u00fchrt wurden (7,8). Es war von der \u00abj\u00fcdischen Landplage\u00bb und dem Verlust des \u00abchristlichen Staatscharakter\u00bb die Rede (9). <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/final_antisemitic_abstimmunge-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-31233\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/final_antisemitic_abstimmunge-1024x751.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/final_antisemitic_abstimmunge-300x220.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/final_antisemitic_abstimmunge-768x563.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/final_antisemitic_abstimmunge-1536x1126.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/final_antisemitic_abstimmunge-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Grafik 4: Antisemitische Abstimmungsresultate in der Vergangenheit<\/em> (1866,1893)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Anhand dieser Abstimmungen l\u00e4sst sich ein Stimmungsbild gegen\u00fcber dem Judentum in der Schweiz zu dieser Zeit aufzeigen. Die Ablehnung der Vorlage zur Niederlassungsfreiheit und die Annahme des sogenannten Sch\u00e4chtverbots zeugen von einem antisemitischen Mobilisierungspotential (9,10). In der Grafik 4 werden sie als \u00abAntisemitische Abstimmungsresultate\u00bb erfasst. Interessant ist, dass sich in der Genferseeregion und im Tessin bei keiner der beiden Abstimmungen eine judenfeindliche Mehrheit mobilisieren liess. Gem\u00e4ss der aktuellen Stimmungslage scheinen diese regionalen Unterschiede, zumindest in Bezug auf die Genferseeregion, bis heute zu bestehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wahrscheinlichkeiten untermauern regionale Unterschiede<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Mittels statistischer Modellberechnung konnte nachgewiesen werden, dass es reale Unterschiede zwischen den verschiedenen Grossregionen in der Schweiz gibt. Im Vergleich zur Genferseeregion konnte f\u00fcr fast alle anderen Regionen, ausgenommen Z\u00fcrich und Tessin, ein positiver Effekt berechnet werden. Man stelle sich vor, es existieren zwei Menschen mit identischen Attributen. Eine Person davon lebt in Genf die andere in Bern. Dennoch w\u00e4re die errechnete Wahrscheinlichkeit einer negativen Haltung gegen\u00fcber dem Judentum f\u00fcr die Person aus Genf tiefer. Die Genferseeregion stellt somit tats\u00e4chlich einen Ausreisser im positiven Sinne dar. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"614\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/effect_region_2022-11-1024x614.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-30768\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/effect_region_2022-11-1024x614.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/effect_region_2022-11-300x180.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/effect_region_2022-11-768x461.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/effect_region_2022-11-1536x922.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/effect_region_2022-11-2048x1229.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Grafik 6: Einfluss Region &#8211; Negative Haltung gegen\u00fcber dem Judentum<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine gesellschaftliche Entwicklung mit unterschiedlicher Geschwindigkeit<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Um die Entwicklung dieser Stimmungslage besser zu verstehen, muss man versuchen nachzuvollziehen, ob es sich um ein gesamtgesellschaftliches Ph\u00e4nomen handelt. Eine Herangehensweise ist die Unterteilung nach individueller politischer Selbsteinordnung. Wenn man das politische Links-Rechts-Spektrum in drei Gruppen unterteilt, zeigt sich ein interessantes Muster. Im Jahr 2013 l\u00e4sst sich noch eine stufenartige Verteilung von Personen mit negativer Einstellung von links nach rechts erkennen. Diese Verteilung ver\u00e4ndert sich jedoch im Laufe der Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">In der Stichprobe von 2022 zeigte sich erstmals ein h\u00f6herer Anteil an Personen mit negativer Einstellung in der politischen Linken im Vergleich zur politischen Mitte. In allen drei Gruppen nimmt der Anteil der Personen mit negativer Haltung ab. Diese Entwicklung ist links der politischen Mitte allerdings am schw\u00e4chsten sp\u00fcrbar.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"666\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/2012-2021_spectrum_plot_with_legend_title_on_two_lines-5-1024x666.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-30624\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/2012-2021_spectrum_plot_with_legend_title_on_two_lines-5-1024x666.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/2012-2021_spectrum_plot_with_legend_title_on_two_lines-5-300x195.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/2012-2021_spectrum_plot_with_legend_title_on_two_lines-5-768x499.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/2012-2021_spectrum_plot_with_legend_title_on_two_lines-5-1536x998.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/2012-2021_spectrum_plot_with_legend_title_on_two_lines-5-2048x1331.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Grafik 5: Entwicklung &#8211; Einstellung gegen\u00fcber dem Judentum nach politischer Selbsteinordnung<\/em> (gewichtet)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Die bestehende Ablehnung gegen\u00fcber dem Judentum ist demnach zunehmend in gleichem Masse an den politischen R\u00e4ndern erkennbar und scheint insgesamt weniger ausgepr\u00e4gt in der Westschweiz. Zur weiteren Analyse wurden diese Beobachtungen anhand eines statistischen Modells \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Polarisierung hin zum Rand<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Es konnte gezeigt werden, dass die politische Selbsteinordnung einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit hat, eine negative Haltung gegen\u00fcber dem Judentum zu vertreten. In anderen Worten, je st\u00e4rker ich mich einer politischen Randgruppe zuordne, desto h\u00f6her ist die errechnete Wahrscheinlichkeit, eine negative Haltung gegen\u00fcber dem Judentum zu vertreten. Wichtig ist zu betonen, dass dieser Effekt im Jahr 2013 noch verst\u00e4rkt am rechten Pol auftritt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Im Zeitraum 2013-2022 ver\u00e4ndert sich der Zusammenhang. Die Wahrscheinlichkeiten an beiden politischen Polen gleichen sich an. Dadurch best\u00e4tigt sich die Vermutung, dass eine ablehnende Haltung gegen\u00fcber dem Judentum mittlerweile in einem zunehmend \u00e4hnlichen Umfang an beiden politischen Polen zu finden ist.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Stimmungslage und Aussenwirkung<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Es zeigt sich, dass die gestiegene Anzahl an antisemitischen Vorf\u00e4llen nicht mit einer generellen Entwicklung der Stimmungslage gegen\u00fcber dem Judentum in der Schweiz gleichgesetzt werden darf. Daten aus den letzten Jahren haben belegt, dass die ablehnende Haltung gegen\u00fcber dem Judentum abnimmt. Heutzutage findet sich diese Einstellung in einem zunehmend ausgewogenen Verh\u00e4ltnis an den politischen Polen wieder. Dabei scheinen regionale Unterschiede aus der Vergangenheit weiterhin bestehen zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;letter-spacing:1px\">Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass die erhobenen Daten zur Stimmungslage gegen\u00fcber dem Judentum vor dem 7. Oktober 2023 erhoben wurden. Es bleibt abzuwarten, ob es durch die Eskalation im Nahen Osten zu einer nachhaltigen Ver\u00e4nderung der Stimmungslage gegen\u00fcber dem Judentum in der Schweiz gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:31px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background\"><strong>Referenzen<\/strong><br><br>1.&nbsp;&nbsp;Amnesty International Schweiz [Internet]. [zitiert 19. Juni 2024]. \u00abEs gab einen Dammbruch\u00bb. Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/www.amnesty.ch\/de\/ueber-amnesty\/publikationen\/magazin-amnesty\/2021-2\/es-gab-einen-dammbruch<br><br>2.&nbsp;&nbsp;Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund (SIG) [Internet]. [zitiert 26. Juni 2024]. Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund (SIG). Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/swissjews.ch\/de\/&nbsp;<br><br>3.&nbsp;&nbsp;SIG \/ FSCI [Internet]. [zitiert 17. Juni 2024]. IHRA-Antisemitismusdefinition. Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/swissjews.ch\/de\/themen\/antisemitismus\/ihra\/<br><br>4.&nbsp;&nbsp;Schweizer Haushalt-Panel | FORS [Internet]. 2018 [zitiert 26. Juni 2024]. Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/forscenter.ch\/projekte\/swiss-household-panel\/?lang=de&nbsp;<br><br>5.&nbsp;&nbsp;Bundesamt f\u00fcr Statistik [Internet]. [zitiert 26. Juni 2024]. Einstellungen gegen\u00fcber bestimmten Personengruppen. Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bevoelkerung\/migration-integration\/zusammenleben-schweiz\/einstellungen-zielgruppen.html<br><br>6. SIG \/ FSCI [Internet]. [zitiert 13. August 2024]. Geschichte der J\u00fcdinnen und Juden in der Schweiz. Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/swissjews.ch\/de\/juedischesleben\/geschichte\/<br><br>7.&nbsp;&nbsp;Pauchard OP Olivier. Als die Schweizer den Juden dieselben Rechte einr\u00e4umten [Internet]. SWI swissinfo.ch. 2016 [zitiert 5. Juni 2024]. Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/demokratie\/150-jahre-gleichberechtigung_als-die-schweizer-den-juden-dieselben-rechte-einraeumten\/41911098&nbsp;<br><br>8.&nbsp;&nbsp;Meyer B. Blog zur Schweizer Geschichte &#8211; Schweizerisches Nationalmuseum. 2019 [zitiert 17. Juni 2024]. Sch\u00e4chtverbot. Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/blog.nationalmuseum.ch\/2019\/11\/schaechtverbot-fuer-schweizer-juden\/<br><br>9.&nbsp;&nbsp;130 Jahre Sch\u00e4chtverbot: Zwischen Tierschutz und Judenhass [Internet]. [zitiert 15. Juni 2024]. Verf\u00fcgbar unter: http:\/\/www.kirchenbote-online.ch\/artikel\/130-jahre-schaechtverbot-zwischen-tierschutz-und-judenhass\/<br><br>10.&nbsp;&nbsp;S\u00fcess P. Blog zur Schweizer Geschichte &#8211; Schweizerisches Nationalmuseum. 2019 [zitiert 26. Juni 2024]. Keine Niederlassungsfreiheit f\u00fcr Juden. Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/blog.nationalmuseum.ch\/2019\/04\/keine-niederlassungsfreiheit-fuer-juden\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background\"><strong>Daten, Methoden und Validit\u00e4t <\/strong><br>Die Datengrundlage f\u00fcr diesen Blogbeitrag wurde anhand verschiedener Quellen zusammengetragen. Informationen zu den antisemitischen Vorf\u00e4llen in der Schweiz wurden durch den Schweizerisch Israelischen Gemeindebund (SIG) bereitgestellt. Um die Stimmungslage in der Schweiz aufzuzeigen, habe ich Daten aus dem Swiss Household Panel (SHP) verwendet. Dabei handelt es sich um eine j\u00e4hrliche wiederholte Panelstudie, womit der soziale Wandel in der Schweiz beobachtet werden kann (4). Die Einstellung gegen\u00fcber dem Judentum wurde zum letzten Mal im Zeitraum zwischen September 2021- Februar 2022 erhoben. Zus\u00e4tzlich habe ich verschiedene weitere Quellen verwendet. Mittels \u00f6ffentlich zug\u00e4nglicher Daten durch das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BfS) konnte ich die Abstimmungsresultate zur Niederlassungsfreiheit f\u00fcr J\u00fcdinnen und Juden und zum Sch\u00e4chtverbot auf regionaler Ebene berechnen. Dar\u00fcber hinaus wurden Daten der Schweizer Volksz\u00e4hlung aus dem Jahr 2000 f\u00fcr die MrP-Berechnung verwendet. Diese wurden ebenfalls durch das BfS erhoben. Um den Anteil der j\u00fcdischen Gemeinschaft pro Region zu berechnen, habe ich wie schon zuvor auf Daten des BfS zur\u00fcckgegriffen. Aufbauend auf der beschriebenen Ausgangslage, n\u00e4mlich dem Anstieg an antisemitischen Vorf\u00e4llen in der Schweiz, habe ich die Stimmungslage gegen\u00fcber Juden und J\u00fcdinnen auf der regionalen Ebene berechnet. Um Anhand der SHP-Daten eine Sch\u00e4tzung f\u00fcr die Schweiz berechnen zu k\u00f6nnen, habe ich die Methode der \u00abMultillevel Regression with Post-Stratification\u00bb verwendet. Mittels dieser Herangehensweise k\u00f6nnen Unterschiede zwischen Subgruppen ermittelt werden, auch wenn die Samplegr\u00f6sse zum Teil gering ist. F\u00fcr meine Berechnungen habe ich das SwissMrP Package in R Studio verwendet. Dadurch konnte ich die Stimmungslage gegen\u00fcber dem Judentum auf kantonaler Ebene berechnen. Anhand dieser Zahlen und der durch das BfS vorhandenen Bev\u00f6lkerungsdaten f\u00fcr die einzelnen Kantone konnte ich den Anteil an Menschen pro Region mit negativer Einstellung berechnen. Um statistische Signifikanz (Signifikanzniveau: 0.95) f\u00fcr verschiedene vermutete Effekte zu berechnen, habe ich ein binomiales logistisches Regressionsmodell verwendet. F\u00fcr diese Berechnungen habe ich die Gewichtung des SHP verwendet. &nbsp;<br>Es stellen sich verschiedene Fragen in Bezug auf die Validit\u00e4t. Es kann nicht vollst\u00e4ndig \u00fcberpr\u00fcft werden, wie valide die Erfassung und Kategorisierung der antisemitischen Vorf\u00e4lle durch den SIG ist. Dementsprechend scheint in diesem Zusammenhang auch nicht mehr als eine Trendaussage m\u00f6glich. Die MrP Berechnung beruht im Kern auf der Volksz\u00e4hlung von 2000. Durch diese zeitliche Distanz k\u00f6nnten auch die Sch\u00e4tzwerte verzerrt werden. Dies scheint allerdings nicht grundlegend der Fall zu sein, da sich meine Berechnungen durch die Studie des BfS best\u00e4tigen lassen (5). Die regionalen Unterschiede sind ebenfalls mit Vorsicht zu geniessen. Es ist mir nicht gelungen die Unsicherheit mittels des SwissMrP Package zu berechnen. Gem. der Plot Funktion m\u00fcsste sie bei ca. +-2.5% liegen. Die grundlegenden Zusammenh\u00e4nge, welche sich im Rahmen dieser Berechnungen ergaben, wurden im Verlauf der Recherche allerdings zunehmend gest\u00fctzt. &nbsp;<br>F\u00fcr die weitere Analyse habe ich die Abneigung gegen\u00fcber dem Judentum bin\u00e4r kodiert. Dadurch konnte ich Effekte aufzeigen, welche im Vorfeld nur schwer ersichtlich oder zumindest nicht anhand statistischer Signifikanz belegbar waren. Durch die Reduktion der Abstufung dieser Variable ver\u00e4ndert sich die generelle Aussage. Ich differenziere in meinem Beitrag nicht zwischen Personen, welche eine leicht negative Einstellung gegen\u00fcber dem Judentum vertreten, und Personen mit radikaler, antisemitischer Einstellung. Gem. meiner Kodierung fallen alle diese Personen in die Gruppe der negativ eingestellten Beobachtungen. Dieselbe Thematik ergibt sich im Rahmen der Unterteilung in die verschiedenen politischen Lager. Auch in diesem Kontext kann im Sinne einer anderen Kodierung argumentiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background\"><strong>Bloginformationen <\/strong><br>Autor: Christian Frey<br>Kontakt: christian.frey6@uzh.ch<br>Wortanzahl: 991 (<em>\u00fcberarbeitete Version: 1000<\/em>) <br>Abgabedatum: 30.06.2024 (<em>\u00fcberarbeitete Version: 31.08.2024<\/em>)<br>Betreut durch: Lucas Leemann, Karsten Donnay, Jacqueline B\u00fcchi, Reto Mitteregger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl antisemitische Vorf\u00e4lle zunehmen, spiegelt die Stimmung der Schweizer Bev\u00f6lkerung eine andere Realit\u00e4t wider. Die Einstellung gegen\u00fcber dem Judentum hat sich in den letzten Jahren verbessert. Es sind viel mehr Minderheiten, die das Bild nach aussen bestimmen. Im Jahr 2023 wurde mit 146 dokumentierten antisemitischen Vorf\u00e4llen (Online-Vorf\u00e4lle nicht miteinbezogen) ein trauriger Rekord erreicht, eine Entwicklung, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":201,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-30308","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30308","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/201"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30308"}],"version-history":[{"count":100,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30308\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31374,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30308\/revisions\/31374"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30308"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30308"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30308"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}