{"id":30640,"date":"2024-09-09T21:58:14","date_gmt":"2024-09-09T19:58:14","guid":{"rendered":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/?p=30640"},"modified":"2024-10-14T21:59:30","modified_gmt":"2024-10-14T19:59:30","slug":"sinkende-geburtenrate-wie-veraenderte-werte-zur-verschiebung-des-kinderwunsches-fuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2024\/09\/09\/sinkende-geburtenrate-wie-veraenderte-werte-zur-verschiebung-des-kinderwunsches-fuehren\/","title":{"rendered":"Sinkende Geburtenrate: Wie ver\u00e4nderte Werte zur Verschiebung des Kinderwunsches f\u00fchren"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:14px\"><em>Wie \u00fcberall auf der Welt, ist die Geburtenrate in der Schweiz eingebrochen.  Mit 1.33 Kinder pro Frau liegt diese gem\u00e4ss Bundesamt f\u00fcr Statistik auf einem historischen Tiefstand. Der Geburtenr\u00fcckgang betrifft fast alle Kantone, Ausnahme sind Basel-Stadt, Uri, Jura, Obwalden, Luzern und Appenzell Innerrhoden (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bevoelkerung\/geburten-todesfaelle\/geburten.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bevoelkerung\/geburten-todesfaelle\/geburten.html\" target=\"_blank\">Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/a>). Der Schwellenwert von 2.1 Kinder pro Frau wird seit den 1970er Jahren nicht mehr erreicht (<a href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/leben-und-altern\/die-fertilit\u00e4t-bricht-in-der-schweiz-ein-wie-fast-\u00fcberall-auf-der-welt\/72927926\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/leben-und-altern\/die-fertilit\u00e4t-bricht-in-der-schweiz-ein-wie-fast-\u00fcberall-auf-der-welt\/72927926\">Swissinfo<\/a>).  Auch in Europa, Nordamerika, den meisten L\u00e4ndern Lateinamerikas und Australien ist die Fertilit\u00e4tsrate unter den Schwellenwert von 2.1 gefallen. Ostasien namentlich S\u00fcdkorea (0.8), China (1.2) und Japan (1.3) weisen die niedrigsten Fertilit\u00e4tsraten weltweit auf.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/birthrate_ch_22-1-1024x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-30705\" width=\"500\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/birthrate_ch_22-1-1024x1024.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/birthrate_ch_22-1-300x300.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/birthrate_ch_22-1-150x150.png 150w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/birthrate_ch_22-1-768x768.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/birthrate_ch_22-1-1536x1536.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/birthrate_ch_22-1-2048x2048.png 2048w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/birthrate_ch_22-1-60x60.png 60w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/birthrate_ch_22-1-220x220.png 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Der Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang beeinflusst langfristig massgeblich die Funktionalit\u00e4t einer Gesellschaft. Wenn auf viel \u00e4ltere Menschen keine j\u00fcngeren folgen, f\u00fchrt dies zu einem Arbeitskr\u00e4ftemangel und \u00dcberlastung der Gesundheitssysteme (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lancet\/article\/PIIS0140-6736(24)00550-6\/fulltext\" target=\"_blank\">The Lancet<\/a>, p34). Diesen sp\u00fcren wir bereits heute und wird sich in den kommenden Jahrzehnten verst\u00e4rken. Besonders schwerwiegend sind die Folgen des demografischen Wandels f\u00fcr die Finanzierung der Sozialversicherungssysteme. Diese basieren auf einen Generationenvertrag. Folglich sind diese darauf ausgelegt, dass genug junge Menschen nachkommen, um h\u00f6here Ausgaben der \u00e4lteren Menschen zu kompensieren. Die grosse Frage bleibt, was beeinflusst den Entscheid von jungen Menschen f\u00fcr oder gegen Kinder? Forschungsberichte zeigen, dass besonders Hochgebildete ihren Kinderwunsch auf sp\u00e4ter verschieben oder ganz darauf verzichten (<a href=\"https:\/\/ekff.admin.ch\/fileadmin\/user_upload\/ekff\/05dokumentation\/d_04_Publ_Zeit.pdf\">BFS &#8211; Zeit f\u00fcr Familien<\/a>, p. 9). Welche Rolle spielt der Bildungsgrad f\u00fcr den Entscheid f\u00fcr oder gegen Kinder? Anders als in fr\u00fcheren Jahren sind Frauen heute bedeutend h\u00e4ufiger teilzeit erwerbst\u00e4tig. Teilzeit, weil es nach wie vor die Frauen sind, welche den gr\u00f6ssten Teil der Haus -und Betreuungsarbeit \u00fcbernehmen. Die Rollenverteilung der Geschlechter in Familien &#8211; und Erwerbsleben persistiert.  Dies ist unter anderem eine Folge von ungen\u00fcgenden Massnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf (<a href=\"https:\/\/ekff.admin.ch\/fileadmin\/user_upload\/ekff\/05dokumentation\/d_04_Publ_Zeit.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/ekff.admin.ch\/fileadmin\/user_upload\/ekff\/05dokumentation\/d_04_Publ_Zeit.pdf\">BFS &#8211; Zeit f\u00fcr Familien<\/a>, p. 7). Welchen Einfluss haben Kinderbetreungsm\u00f6glichkeiten tat\u00e4schlich auf den Wunsch eine Familie zu gr\u00fcnden? <\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\"><strong>Familie oder Karriere?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Mehr als die H\u00e4lfte der Schweizer und Schweizerinnen im Alter von 20 bis 29 Jahren w\u00fcnschen sich Kinder (<a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/kataloge-datenbanken\/grafiken.assetdetail.10428253.html\">Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/a>). Nicht alle die einen Kinderwunsch haben, erf\u00fcllen sich diesen. Am h\u00e4ufigsten sind es Akademikerinnen die kinderlos bleiben (30%) im Verglichen zu Frauen mit tieferem Bildungsabschluss (<a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/kataloge-datenbanken\/grafiken.assetdetail.10428253.html\">Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/a>). Akademikerinnen investieren erhebliche Zeit in ihre berufliche Karriere.  Die Geburt eines Kindes f\u00fchrt besonders in der Erwerbsbiografie einer Frau zu starken Einschnitten. Im Vergleich zu kinderlosen Frauen f\u00fchrt f\u00fcr M\u00fctter die Geburt des ersten Kindes zu Einkommenseinbussen von 40  bis 70 % (<a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/fileadmin\/files\/user_upload\/200616_Kurzexpertise_MotherhoodLifetimePenaltyFINAL.pdf\">Bar\u0161i\u0107 et al. 2020<\/a>, p. 1). Zus\u00e4tzlich sinkt die Erwerbsbeteiligung unmittelbar nach der Geburt des ersten Kindes. Mehr als die H\u00e4lfte der Frauen mit Kindern arbeiten Teilzeit, w\u00e4hrend Ihr Partner Vollzeit arbeitst\u00e4tig ist (<a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bevoelkerung\/familien\/erwerbs-haus-familienarbeit.html\">Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/a>). Die Beteilung am Arbeitsmarkt bleibt auch nach 5 Jahren nach Geburt des Kindes tief (<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/wirtschaft\/artikel-zur-child-penalty-die-fortschritte-der-muetter-auf-dem-arbeitsmarkt-geraten-ins-stocken-ld.1830564\">NZZ<\/a>). Besonders bei Akademikerinnen, die \u00fcberdurchschnittlich gut verdienen,&nbsp;f\u00fchrt daher die Geburt eines Kindes zu hohen Opportunit\u00e4tskosten und eventuell verpassten Karrierechancen. Die Entscheidung f\u00fcr ein Kind muss sorgf\u00e4ltig abgewogen werden. Sind es demnach besonders Terti\u00e4rgebildete die sich gegen Kinder entscheiden?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\"><strong>Die teuersten Kitas Europas<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Der Entscheid f\u00fcr Kinder wirkt sich zweifellos auf die Finanzen eines Paares aus. Steigende Krankenkassenpr\u00e4mien, Bedarf an gr\u00f6sserem Wohnraum, sinkendes Einkommen bei reduzierter Erwerbst\u00e4tigkeit und die teuren Kinderbetreuungskosten k\u00f6nnen eine Herausforderung darstellen. Familienerg\u00e4nzende Kinderbetreuung ist in der Schweiz in 90 Prozent der F\u00e4lle nicht staatlich betrieben, sondern privat (<a href=\"https:\/\/www.zora.uzh.ch\/id\/eprint\/218045\/1\/Handbuch_Familienpolitik.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.zora.uzh.ch\/id\/eprint\/218045\/1\/Handbuch_Familienpolitik.pdf\">H\u00e4usermann et al. 2022,<\/a> p1-13). Dies hat zur Folge, dass die Kosten von Betreuungsangeboten hoch sind. Im Vergleich mit anderen OECD-L\u00e4nder sind die Preise von schweizerischen Betreuungsangeboten die h\u00f6chsten. Die Credit Suisse kommt in einer Berechnung aus dem Jahre 2021 zum Schluss, dass Familien mit Schweizer Median-Bruttolohn (110&#8217;000 CHF) mit zwei Kindern,&nbsp;je nach Wohnort,&nbsp;zwischen 4\u2019560 und 24\u2019200 CHF pro Jahr f\u00fcr die Betreuung an zwei Tagen pro Woche bezahlt. Angesichts der hohen Kosten wird familienerg\u00e4nzende Kinderbetreuung unterschiedlich stark genutzt. Familien der oberen Mittelklasse nehmen dieses Angebot h\u00e4ufiger in Anspruch als weniger gutverdienende Familien&nbsp;(<a href=\"https:\/\/www.zora.uzh.ch\/id\/eprint\/218045\/1\/Handbuch_Familienpolitik.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.zora.uzh.ch\/id\/eprint\/218045\/1\/Handbuch_Familienpolitik.pdf\">H\u00e4usermann et al. 2022,<\/a> p.11). Wirkst sich ein h\u00f6heres Einkommen positiv auf den Kinderwunsch aus?&nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kita_cost_cs-2-1024x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-30709\" width=\"512\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kita_cost_cs-2-1024x1024.png 1024w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kita_cost_cs-2-300x300.png 300w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kita_cost_cs-2-150x150.png 150w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kita_cost_cs-2-768x768.png 768w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kita_cost_cs-2-1536x1536.png 1536w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kita_cost_cs-2-2048x2048.png 2048w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kita_cost_cs-2-60x60.png 60w, https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kita_cost_cs-2-220x220.png 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p style=\"font-size:16px\"><strong>Mehrheitlich Aufschieber:innen des Kinderwunsches&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Antworten auf diese Frage, was den Entscheid f\u00fcr oder gegen Kinder beeinflusst, sollen die Daten des Schweizerischen Haushaltspanel liefern. Mittels Index wird der kurz -und l\u00e4ngerfristige Kinderwunsch dargestellt. Personen ohne kurz- und langfristigen Kinderwunsch sind Kinderlose, Personen mit Kinderwunsch in den n\u00e4chsten zwei Jahren sind beabsichtigte Eltern und Personen, die mit dem Kinderwunsch zuwarten sind die Aufschieber:innen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Knapp 50 Prozent der Befragten Frauen und M\u00e4nner z\u00e4hlen zur Gruppe der Aufschieber:innen, damit bilden sie die zahlreichste Kategorie. Sie sind mit 25 bis 32 Jahren die J\u00fcngsten. Sie sind mehrheitlich Akademiker:innen und leben in st\u00e4dtischen Gebieten im Kanton Z\u00fcrich (20%), Bern (14%) oder Aargau (10%). Sie sind die einkommensschw\u00e4chste Gruppe.  Mehr als die H\u00e4lfte ist Single, von den Verheirateten sind es die Frauen, die mit der Aufteilung der Hausarbeit unzufrieden sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Die Kinderlosen sind h\u00e4ufiger weiblich und deutlich \u00e4lter als die Aufschieber:innen und die beabsichtigten Eltern. Sie haben gr\u00f6sstenteils eine obligatorische Schulbildung absolviert und leben in urbanen Zentren des Kantons Z\u00fcrich (20%) oder Bern (17%). Personen mit tiefem Einkommen sind gleich h\u00e4ufig vertreten wie die Mittelschicht und Oberschicht. Die grosse Mehrheit der Kinderlosen ist nicht verheiratet. Bei jenen die verheiratet sind, empfinden Frauen, die Hausarbeitaufteilung als ungleich, w\u00e4hrend M\u00e4nner diese als ausgeglichen verteilt empfinden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Die beabsichtigten Eltern sind mehrheitlich zwischen 28 bis 36 Jahre und somit \u00e4lter als die Aufschieber:innen. Der Trend, dass M\u00fctter und V\u00e4ter bei der Geburt des ersten Kindes \u00e4lter sind als vor knapp 30 Jahren, best\u00e4tigt sich auch in den Daten des Schweizerischen Haushaltpanels (<a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/eltern-werden-vergleichen-sie-ihr-alter-beim-ersten-kind-140591567852\">Tagesanzeiger<\/a>). Die Mehrheit sind Akademiker:innen, etwas mehr als die H\u00e4lfte lebt in urbanen Zentren, je ein Viertel lebt in der Agglomeration oder ruralen Peripherien. In dieser Kategorie gibt es deutlich mehr verheiratete Paare, als bei den Kinderlosen oder den Aufschieber:innen.&nbsp;Personen dieser Gruppe sind finanziell besser gestellt als die Aufschieber:innen. Von den verheirateten Personen geben sowohl die Frauen wie auch die M\u00e4nner an, sie seien mit der Aufteilung der Hausarbeiten zufrieden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Unterschiede zwischen den Gruppen zeigen sich bei der stabilen Partnerschaft und der egalit\u00e4ren Aufteilung der Haushaltsaufgaben, dem Bildungsgrad, Einkommen und dem Alter.&nbsp; In einem zweiten Schritt wird mittels statistischer Modelle gepr\u00fcft, ob die Unterschiede den Kinderwunsch beeinflussen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\"><strong>Herk\u00f6mmliche Einflussgr\u00f6ssen greifen zu kurz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Die Resultate zeigen, dass der Effekt der Terti\u00e4rbildung regional unterschiedlich ist. Verglichen mit Personen, die in ruralen Gebieten leben, wirkt sich eine Terti\u00e4rbildung in Agglomerationen negativ auf den Wunsch nach einem Kind aus. In urbanen Zentren hat die hohe Bildung keinen Einfluss. Verglichen mit Personen mit sehr hohem Einkommen, beg\u00fcnstigt ein tieferes Einkommen den Kinderwunsch. Weder die Aufteilung der Hausarbeiten noch die Arbeitsbedingungen beeinflussen die Entscheidung. In einem zweiten Schritt wird f\u00fcr die aussenfamili\u00e4ren Kinderbetreuungskosten pro Kanton kontrolliert. Die Resultate zeigen, dass die Kinderbetreuungskosten weder f\u00fcr Personen mit tiefen Einkommen noch f\u00fcr Personen mit hohem Einkommen einen Einfluss haben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"font-size:14px\">Daraus l\u00e4sst sich schliessen, dass Einflussgr\u00f6ssen wie Bildungsgrad oder das Einkommen zu kurz greifen, um die Entscheidung f\u00fcr oder gegen ein Kind zu erkl\u00e4ren.&nbsp;H\u00f6here Bildung f\u00fchrt nicht zwangsl\u00e4ufig zu Kinderlosigkeit. Tats\u00e4chlich kann ein sehr hohes Einkommen ebenfalls einen negativen Effekt haben, obwohl mit h\u00f6heren Einkommen die Kosten eines Kindes tragbarer erscheinen lassen.  Die Komplexit\u00e4t der Entscheidung f\u00fcr oder gegen Kinder hat sich im Laufe der Zeit, mit der M\u00f6glichkeit von Alternativen, zugenommen. Heute spielen soziale und kulturelle Werte eine wichtige Rolle. Vor Einf\u00fchrung der Sozialversicherungen galten Kinder als finanzielle Absicherung im Alter. Diese Rolle wurde vom Sozialstaat abgel\u00f6st. Ein Wertewandel hat dazu gef\u00fchrt, dass eine Familie mit Kindern nicht mehr zwingend zu einem erf\u00fcllten Leben geh\u00f6rt. Es wird vielmehr rational die Vor -und Nachteile von Kindern abgewogen, sowie die Freude an der Elternrolle und die Kosten und Einschr\u00e4nkungen, die damit verbunden sind. Viele schieben ihren Kinderwunsch auf den \u00abrichtigen\u00bb Zeitpunkt im Leben auf. Erst wenn der richtigen Partner gefunden ist, man beruflich angekommen und finanziell stabil ist, erfolgt eine Realisierung des Kinderwunsches. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background:linear-gradient(135deg,rgb(255,206,236) 100%,rgb(152,150,240) 100%);font-size:11px\"><strong>Daten <\/strong><br>Die Daten f\u00fcr die Modelle stammen einerseits vom Schweizerischen Haushaltspanel f\u00fcr den Zeitraum von 2011 bis 2022. Es wurde ein Index konstruiert aus den Fragen: <em>&#8222;Wie viele Kinder h\u00e4tten Sie gerne insgesamt?&#8220;<\/em> und <em>&#8222;Haben Sie die Absicht, innerhalb der n\u00e4chsten 24 Monate ein Kind zu bekommen?&#8220;<\/em>. Dieser Index verfolgt das Ziel, die kurz -und l\u00e4ngerfriste Entscheidung differenzierter darzustellen. Der Datensatz wurde auf Personen \u00fcber 18 Jahre und unter 45 Jahre eingeschr\u00e4nkt, um die biologische Fruchtbarkeit zu widerspiegeln.<br>Zus\u00e4tzlich wurden  Daten aus der Erhebung der Credit Suisse aus dem Jahre 2021 verwendet f\u00fcr die Variable der regionalen Kinderbetreuungskosten. Es handelt sich hierbei um ein Modellhaushalt bestehend aus einem Ehepaar mit zwei Kindern im Vorschulalter. Das Haushalteinkommen (ohne Kinderzulagen) betr\u00e4gt 110&#8217;000.- CHF. Die Kinder besuchen an zwei Tagen pro Woche eine Kinderbetreuungseinrichtung .<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background:linear-gradient(135deg,rgb(255,206,236) 100%,rgb(152,150,240) 100%);font-size:11px\"><strong>Methode<\/strong><br>Die Fragestellung m\u00f6chte sowohl den Einfluss des Bildungsgrades und Einkommens auf den Kinderwunsch untersuchen. Dazu werden zwei Multilevel Modelle mit zuf\u00e4lligen Effekten f\u00fcr Kantone und Jahre berechnet. Diese erm\u00f6glichen es, Variationen auf individueller sowie auf kantonaler Ebene \u00fcber verschiedene Jahre hinweg zu modellieren. In beiden Modellen werden sowohl direkte Effekte wie auch Interaktionseffekte (kombinierte Effekte zweier Pr\u00e4dikatoren auf den Kinderwunsch) untersucht. Im ersten Modell wird der Interaktionseffekt von Bildung und Stadt-Land Lebensraum integriert. Dies erm\u00f6glicht Aussagen zu treffen, ob der Effekt der Bildung auf den Kinderwunsch je nach Lebensraum variiert. In einem zweiten Modell wird der Interaktionseffekt zwischen Einkommen und durchschnittlichen kantonalen Kinderbetreuungskosten integriert. Dies soll aufzeigen, ob der Effekt der Kitakosten auf den Kinderwunsch davon abh\u00e4ngt, in welcher Einkommenskategorie sich die Individuen befinden. Zudem wird f\u00fcr die&nbsp;&nbsp;Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen und Aufteilung der Hausarbeit, sowie das Geschlecht kontrolliert.<br><br><strong>Validit\u00e4t<\/strong> <br>Der Einsatz von Panel Daten erm\u00f6glicht es inidividuelle Entwicklungen und Trends \u00fcber die Zeit hinweg zu kontrollieren, in dieser Analyse \u00fcber einen Zeitraum von 11 Jahren. Es gibt jedoch Einschr\u00e4nkungen der Aussagekraft der Modelle. Eine Einschr\u00e4nkung k\u00f6nnte durch die Verwendung der Daten zu den Kinderbetreuungskosten verursacht werden. Diese Erhebung wurde lediglich f\u00fcr das Jahr 2021 durchgef\u00fchrt. Durch das Zusammenf\u00fchren zweier unterschiedlicher Datenstrukturen k\u00f6nnen die Resultate in ihrer Validit\u00e4t eingeschr\u00e4nkt sein.  Zus\u00e4tzlich sind Aufschieber:innen und Akademiker:innen \u00fcperpropotional vertreten in der Stichprobe. Dies f\u00fchrt zu potentziell verzerrten Ergebnissen, die nicht ohne Weiteres f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung g\u00fcltig sind. Zudem kann man bei der Interpretation der Modelle nicht von Kausalit\u00e4t sprechen, da nicht f\u00fcr alle potenziell konfundierenden Variablen kontrolliert wurde.  Soziale und kulturelle Faktoren, die eine entscheidende Rolle f\u00fcr oder gegen den Kinderwunsch spielen, konnten aufgrund fehlender Datenlage nicht ber\u00fccksichtigt werden. <br>Zur Bewertung der Robustheit und Validit\u00e4t der Ergebnisse wurde eine statistischen Diagnostik durchgef\u00fchrt. Mit HIlfe des Variance Inflation Factors (VIF) wurde auf Multikollinearit\u00e4t gepr\u00fcft. Die Ergebnisse zeigen, dass die Pr\u00e4dikatoren nicht starkt miteinander korrelieren, was auf eine geringe Multikollinearit\u00e4t hinweist. Mittels Cookk&#8217;s Distance Plot wurden die Modelle auf einflussreiche Ausreisser gepr\u00fcft. Die meisten Datenpunkte haben niedrige Hebelwirkungen,  demnach haben diese keinen starken Einfluss auf die Modellparameter. Die Analyse Residuenvarianz deutet darauf hin, dass die Annahme der Homoskedastizit\u00e4t verletzt wird. Das weist auf Hetereoskedastizit\u00e4t hin, was bedeutet, dass die Varianz der Fehlerterme nicht konstant ist.  Die Pr\u00fcfung der Normalit\u00e4tsannahme der Residuen, zeigt, dass die Residuen nicht normal verteilt sind. Die Verletzung beider Annahmen kann zu verzerrten Sch\u00e4tzungen f\u00fchren. Zum Vergleich der Modelle wurde das Bayes&#8217;schen Informationskriterium (BIC) verwendet, welches die Komplexit\u00e4t und Anpassungsg\u00fcte der Modelle bewertet. Gem\u00e4ss diesem Test ist das erste Modell zu bevorzugen, da es einen niedrigen BIC-Wert aufweist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background:radial-gradient(rgb(255,206,236) 100%,rgb(152,150,240) 100%);font-size:11px\"><strong>Bloginformationen<\/strong><br>Autorin: Sibylle Lima Rodrigues<br>Email: sibylle.limarodrigues@uzh.ch<br>Abgabedatum: 30.06.2024 (<em>\u00fcberarbeitete Version: 01.09.2024<\/em>)<br>Vorlesung: Forschungsseminar Politischer Datenjournalismus<br>Dozierende: Lucas Leeman, Jacqueline B\u00fcchi, Reto Mitteregger, Karsten Donnay<br>Anzahl W\u00f6rter: 1273<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-33ffe8d6-c169-420e-90fd-70b4c16e174a\" href=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Literatur-1.pdf\"><br>Literatur<\/a><a href=\"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Literatur-1.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-33ffe8d6-c169-420e-90fd-70b4c16e174a\">Download<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie \u00fcberall auf der Welt, ist die Geburtenrate in der Schweiz eingebrochen. Mit 1.33 Kinder pro Frau liegt diese gem\u00e4ss Bundesamt f\u00fcr Statistik auf einem historischen Tiefstand. Der Geburtenr\u00fcckgang betrifft fast alle Kantone, Ausnahme sind Basel-Stadt, Uri, Jura, Obwalden, Luzern und Appenzell Innerrhoden (Bundesamt f\u00fcr Statistik). 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