{"id":3356,"date":"2014-12-05T12:37:34","date_gmt":"2014-12-05T11:37:34","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=3356"},"modified":"2017-02-23T15:47:08","modified_gmt":"2017-02-23T14:47:08","slug":"arbeiterpartei-wird-guplipartei-bauernpartei-wird-massenpartei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2014\/12\/05\/arbeiterpartei-wird-guplipartei-bauernpartei-wird-massenpartei\/","title":{"rendered":"Arbeiterpartei wird C\u00fcplipartei \u2013 Bauernpartei wird Massenpartei"},"content":{"rendered":"<p><em>Warum die Sozialdemokraten zu C\u00fcplisozialisten wurden und aus der Bauernpartei BGB die w\u00e4hlerst\u00e4rkste SVP wurde. Die Fakten.<\/em><\/p><p>\nDie SVP und die SP sind die beiden w\u00e4hlerst\u00e4rksten Parteien. Doch das war nicht immer so. Angefangen hat es bereits in den 70er-Jahren. Die eigentliche Trendwende kam in den 90er-Jahren. Da wurde die SP zur attraktivsten Partei f\u00fcr hoch qualifizierte Fachkr\u00e4fte. Die SVP spielte ihren Trumpf bei den tief qualifizieren Arbeitern und begann die anderen Partei bei diesen W\u00e4hlern zu \u00fcberfl\u00fcgeln.\n<\/p><p><strong>Die Anf\u00e4nge<\/strong><\/p><p>\n1888 wurde die Sozialdemokratische Partei auf nationaler Ebene gegr\u00fcndet. Zu Beginn des 20. Jahrhundert kam es zu vielen Streiks wegen den schlechten Arbeitsbedingungen und L\u00f6hnen in den Fabriken. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges f\u00fchrte zur Nahrungsmittelknappheit. Davon profitierten die Bauern, welche zu den sch\u00e4rfsten Gegnern der Arbeiterbewegung wurde. Gegen Ende des Weltkrieges schlossen sich die Bauern in Bern zur Bauernpartei zusammen. In dieser Zeit fand auch der Generalstreik statt, welcher von der SP mitorganisiert wurde.\n<\/p><p>\nDurch die Proporzwahl wurde die SP 1931 zur st\u00e4rksten Partei im Nationalrat. Obwohl die Bernische Bauern und B\u00fcrgerpartei viel schw\u00e4cher war, stellten sie zu dieser Zeit bereits einen Bundesrat. Ende 1936 wurde die BGB auf nationaler Ebene gegr\u00fcndet, da sie mit Existenzproblemen zu k\u00e4mpfen hatte.\n<\/p><p><strong>Die 70er-Jahre \u2013 Schwarzenbach Initiative und Gr\u00fcndung der SVP<\/strong><\/p><p>\nBei der fremdenfeindlichen Schwarzenbach Initiative 1970 k\u00e4mpfte die SP zusammen mit allen anderen Parteien gegen die Initiative, welche dann auch mit 54% Nein abgelehnt wurde. Die Sozialdemokratische Partei stand auf der Seite der Sieger, der gewerkschaftliche Fl\u00fcgel verlor jedoch an Glaubw\u00fcrdigkeit.\n<\/p><p>\nDie Rezession in den 70er-Jahren war das Ende der bl\u00fchenden Schweizer Textilindustrie und setzte auch anderen Branchen stark zu. Viele Produktionsst\u00e4tten wurden ins Ausland verlagert. Verlierer der aufkommenden Globalisierung waren weniger gut qualifizierte Arbeiter und auch die Landwirtschaft. Die gut qualifizierten Fachkr\u00e4fte profitierten hingegen davon.\n<\/p><p>\nIm Herbst 1971 schlossen sich die BGB und die Demokratische Partei (DP) zur SVP zusammen. Zu Beginn war sie noch relativ unbedeutend, doch das begann sich in den 80er-Jahren zu \u00e4ndern.\n<\/p><p><strong>Die 80er- und 90er-Jahre \u2013 Abstimmung \u00fcber den UNO-Beitritt und den EWR<\/strong><\/p><p>\n1986 wurde in der Schweiz \u00fcber den Beitritt zur UNO abgestimmt. Die SVP-Kr\u00e4fte k\u00e4mpften gegen den Beitritt und gewannen die Abstimmung. Das Entscheidende geschah jedoch 1992. Fast die gesamte Bundesversammlung wollte dem Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum (EWR) beitreten.\n<\/p><p>\nIn der Abstimmung k\u00e4mpfte die SVP als einzige Partei daf\u00fcr. SP, CVP und FDP setzten sich daf\u00fcr ein. Bundesrat Adolf Ogi sprach damals vom Trainingslager f\u00fcr den EU-Beitritt. Christoph Blocher nahm diesen Steilpass an. Die Arbeiter hatten Angst vor einer \u00d6ffnung der Grenzen mit sinkenden L\u00f6hnen und steigender Arbeitslosigkeit. Die Abstimmung f\u00fchrte zu einer Rekordbeteiligung an der Urne von fast 80%. Der Beitritt wurde \u00e4usserst knapp abgelehnt. Christoph Blocher ging als Sieger hervor und war auf einen Schlag schweizweit bekannt.\n<\/p><p>\nDurch den Abstimmungserfolg gewann die SVP massiv an W\u00e4hleranteil. Viele tief qualifizierte begannen die SVP zu w\u00e4hlen und wendeten sich von der SP ab, da sie als Globalisierungsverlierer Angst vor einer \u00d6ffnung der Schweiz hatten. Die Bauern w\u00e4hlten die SVP weiterhin, da sie einen protektionistischen Staat bevorzugen, um ihre Produkte teurer verkaufen zu k\u00f6nnen und nicht von billigen Importprodukten konkurrenziert wurden.\n<\/p><p><script id=\"infogram_0_parteiwahl-461717\" src=\"\/\/e.infogr.am\/js\/embed.js?jur\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/p>\n<div style=\"width: 100%; border-top: 1px solid #acacac; padding-top: 3px; font-family: Arial; font-size: 10px; text-align: center;\"><a style=\"color: #acacac; text-decoration: none;\" href=\"https:\/\/infogr.am\/parteiwahl-461717\" target=\"_blank\">Parteiwahl<\/a> |<a style=\"color: #acacac; text-decoration: none;\" href=\"https:\/\/infogr.am\" target=\"_blank\">Create Infographics<\/a><\/div><p>\nDurch den Aufschwung bei den tief qualifizierten Arbeitern konnte die SVP massiv zulegen und konnte bei den tief qualifizierten bereits 1995 zu den anderen Parteien aufschliessen. Auch bei den Personen mit mittlerer Bildung konnte sie Boden gut machen.\n<\/p><p>\nAnders sieht es bei der SP aus. Durch ihre europa\u00f6ffnende Haltung verlor sie W\u00e4hleranteile bei den Arbeitern. Daf\u00fcr brachte ihr die klare pro-Europa Haltung einen starken Zuwachs von hoch qualifizierten W\u00e4hlern ein. Diese profitieren von einer \u00d6ffnung. Sie Sozialdemokraten wurden damit zur st\u00e4rksten Partei bei den hoch qualifizierten Arbeitern.\n<\/p><p><strong>Die 2000er-Jahre \u2013 C\u00fcplisozialisten und Initiativsieger<\/strong><\/p><p>\nDer Trend setzte sich in den 2000er Jahren fort. Die SVP k\u00e4mpfte gegen \u00f6ffnende Vorlagen, so zum Beispiel eine Ausweitung der bilateralen Vertr\u00e4ge mit der EU oder gegen die Personenfreiz\u00fcgigkeit. Die SVP lancierte viele Initiativen gegen die Probleme der Globalisierung und gewann auch einige davon. So hatte sie Erfolg mit der Ausschaffungsinitiative oder k\u00fcrzlich mit der Masseneinwanderungsinitiative, welche die Zuwanderung begrenzen will. \u00dcber 60% ihrer W\u00e4hler sind deshalb auch tief qualifizierte Arbeiter, welche zu den Globalisierungsverlierern geh\u00f6ren.\n<\/p><p><script id=\"infogram_0_partei-wahler-354\" src=\"\/\/e.infogr.am\/js\/embed.js?90g\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/p>\n<div style=\"width:100%;border-top:1px solid #acacac;padding-top:3px;font-family:Arial;font-size:10px;text-align:center;\"><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/infogr.am\/partei-wahler-354\" style=\"color:#acacac;text-decoration:none;\">Partei W\u00e4hler<\/a> |<a style=\"color:#acacac;text-decoration:none;\" href=\"https:\/\/infogr.am\" target=\"_blank\">Create Infographics<\/a><\/div><p>\nDie SP setzte sich f\u00fcr die Personenfreiz\u00fcgigkeit und einen Beitritt zur EU ein. Auch setzte sie sich f\u00fcr Umweltanliegen ein. Mit diesen Themen konnte sie bei den hoch qualifizierten Fachkr\u00e4ften punkten. 2007 war der Anteil der hoch qualifizierten SP-W\u00e4hler erstmals h\u00f6her als der Anteil der tief qualifizierten W\u00e4hler.  Da die SP immer st\u00e4rker die hoch qualifizierten Fachkr\u00e4fte abholt und nicht mehr haupts\u00e4chlich die Arbeiter wie fr\u00fcher, hat es ihr auch den Namen C\u00fcplisozialisten eingebracht.\n<\/p><p><strong>Was die Zukunft erwarten l\u00e4sst<\/strong><\/p><p>\n2011 haben fast 50% der tief qualifizierten Arbeiter die SVP gew\u00e4hlt. Damit wird die Partei ihr Potential bei dieser W\u00e4hlerschicht vermutlich ausgesch\u00f6pft haben. Zudem nimmt der Anteil der tief qualifizierten Stimmberechtigten eher ab. Die SVP m\u00f6chte bei den n\u00e4chsten Wahlen deshalb auch bei Akademikern punkten. Dies m\u00f6chte sie mit einem moderateren Auftreten erreichen ohne aber bei den Position moderater zu werden. Ob diese Strategie gelingt ist offen und wird selbst aus SVP-Kreisen bezweifelt. Wenn die SVP zu extrem werde, w\u00fcrde sie an Glaubw\u00fcrdigkeit verlieren. Ob die Strategie der SVP aufgeht und ihren W\u00e4hleranteil nochmals vergr\u00f6ssern kann oder ob sie ihren Zenit erreicht hat, wird sich im Oktober 2015 zeigen.\n<\/p><p>\nBleibt der Trend erhalten, dass die SP immer besser bei den W\u00e4hlern mit hoher Bildung punkten kann, sieht ihre Zukunft rosig aus. Denn in Zukunft wird es immer mehr gut gebildete Personen geben, da das Bildungsniveau generell steigt. So k\u00f6nnen die Sozialdemokraten auch in 20 Jahren noch mit Champagner auf ihren Wahlerfolg anstossen.\n<\/p>\n<hr><p><strong>Einteilung<\/strong><\/p><p>\nZu den tief qualifizierten Arbeitern z\u00e4hlen alle Personen, welch eine Anlehre oder weniger haben. Zu den hoch qualifizierten geh\u00f6ren alle Personen mit H\u00f6herer Fachschule (HF) oder einem Hochschulabschluss. Zu den mittleren gebildeten z\u00e4hlen alle dazwischen (Lehrabschluss bis Matura).\n<\/p><p><strong>Quellen<\/strong><\/p><p>\nSPS: 125 Jahre Sozialdemokratische Partei der Schweiz: Einig \u2013 aber nicht einheitlich<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/moderates-auftreten-hart-in-der-sache-so-will-die-svp-punkten\">SRF: Moderates Auftreten, hart in der Sache: So will die SVP punkten<\/a>\n<\/p>\n<hr><p><small><br \/>\nAutor: Benjamin Schlegel \/ kontakt@benjaminschlegel.ch \/ 10-914-786 \/ Abgabedatum 5.12.2014<br \/>\nBlog: Im Rahmen des Forschungsseminars Policy Analyse: Politischer Datenjournalismus<br \/>\nDozent: Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Dr. Michael Hermann und Dr. des. Bruno W\u00fcest<br \/>\nDaten: selects<br \/>\nWorte: 895<br \/>\n<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum die Sozialdemokraten zu C\u00fcplisozialisten wurden und aus der Bauernpartei BGB die w\u00e4hlerst\u00e4rkste SVP wurde. Die Fakten. 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