{"id":3517,"date":"2014-12-05T18:07:55","date_gmt":"2014-12-05T17:07:55","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=3517"},"modified":"2017-02-23T15:46:54","modified_gmt":"2017-02-23T14:46:54","slug":"die-politische-mitte-das-ruckgrat-der-armee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2014\/12\/05\/die-politische-mitte-das-ruckgrat-der-armee\/","title":{"rendered":"Die politische Mitte: Das R\u00fcckgrat der Armee"},"content":{"rendered":"<p><strong>In den vergangenen 30 Jahren entschied das Schweizer Stimmvolk \u00fcber 23 Armee-Vorlagen an der Urne. Alle diese Abstimmungen gingen zugunsten der Schweizer Armee aus, bis auf zwei. Einen grossen Anteil daran haben Stimmb\u00fcrger, die sich zur politischen Mitte z\u00e4hlen. Sie stimmten jeweils kompromisslos im Sinne der Armee. Mehr noch als die Rechten. <\/strong><\/p><p>Im Jahr 1982 wurde Armee-Kritik in der Schweiz salonf\u00e4hig. In einem Restaurant in Solothurn trafen sich armeeskeptische B\u00fcrger und gr\u00fcndeten die \u201eGruppe f\u00fcr eine Schweiz ohne Armee\u201c (&#8222;GSoA&#8220;). Ihr Ziel: Die Abschaffung der Armee <strong>\u2013<\/strong> so schnell wie m\u00f6glich. Ein Tabu war gebrochen.<\/p>\n<blockquote><p>Erste Armee-Skepsis und verdutzte Politiker<\/p><\/blockquote><p>Und tats\u00e4chlich stand dieses Anliegen, sieben Jahre sp\u00e4ter (1989), auf den eidgen\u00f6ssischen Abstimmungszetteln: Armee abschaffen, JA oder NEIN? Gut 36% der Schweizer Stimmbev\u00f6lkerung sprachen sich daf\u00fcr aus; f\u00fcr die Abschaffung. Die &#8222;GSoA&#8220; feierte. In Bern schauten sich die Politiker verdutzt an. So viel Armeeskepsis im Volk \u2013 damit hatte niemand gerechnet.<\/p>\n<blockquote><p>Die Armee-Kritiker im Aufwind<\/p><\/blockquote><p>Mit diesem Achtungserfolg im R\u00fccken, lancierte die \u201eGruppe f\u00fcr eine Schweiz ohne Armee\u201c bald die n\u00e4chsten Volksinitiativen und Referenden zu Armeefragen. \u00dcber Achtungserfolge kamen die &#8222;GSoA&#8220; und weitere armeeskeptische Akteure jedoch nie hinaus. Ihre Sternstunde war kurz und ein Vollerfolg blieb aus.<\/p><p><strong>Siegesserie der Armee<br \/>\n<\/strong><\/p><p>Die Schweizer Armee musste also trotz grossen Diskussionen rund um ihre Existenzberechtigung nie eine Niederlage einstecken. Und nach diesem turbulenten Jahrzehnt (Mitte 80er bis Mitte 90er) voller Armeediskussionen, flachten die Wogen ab. Die darauffolgenden Abstimmungen wurden zu einer veritablen Siegesserie f\u00fcr die Armee: Zwischen den Jahren 1984 und 2014 kamen 23 Vorlagen vors Schweizer Stimmvolk und nur gerade 2 davon gingen entgegen dem Willen der Armee aus (Grafik 1).<\/p><p><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Grafik-1-DEF-DEF.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3534 size-full\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Grafik-1-DEF-DEF.jpg\" alt=\"Grafik 1 DEF DEF\" width=\"1193\" height=\"865\" \/><\/a><\/p><p>Grafik 1 (f\u00fcr Vollbild anklicken, eigene Darstellung, Quelle: <a title=\"VoxIt\" href=\"http:\/\/forsdata.unil.ch\/projects\/voxit\/\">VoxIt<\/a>)<\/p><p>Bei der einen Niederlage handelt es sich um die sogenannte \u201eRothenturm\u201c-Initiative (<strong>3<\/strong>). Diese ist jedoch faktisch gar keine Niederlage f\u00fcr die Armee, sondern ein Bekenntnis f\u00fcr den Schutz des Hochmoors der Gemeinde &#8222;Rothenturm&#8220;. Dies ergaben Nach-Abstimmungsbefragungen. Die &#8222;Gripen\u201c-Abstimmung war hingegen eindeutig eine Niederlage f\u00fcr die Armee. Das Stimmvolk befand die schwedischen Kampfflugzeuge f\u00fcr zu teuer und nicht den Anforderungen entsprechend.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Gripen&#8220;-Abstimmung als einzige wirkliche Armee-Niederlage<\/p><\/blockquote><p>Die grosse Zahl der Abstimmungs-Siege der Armee \u00fcberwiegt also eindeutig. Im Durchschnitt \u00fcber alle Vorlagen, liegt die Armee-Zustimmung bei 64% (nur Volksinitiativen: 63%, nur Bundesbeschl\u00fcsse\/-gesetze: 64%). Diese hohen Werte erstaunen nicht, wenn man Grafik 1 betrachtet. Gewisse Abstimmungen fielen mit \u00fcber 70% der Stimmen zugunsten der Armee aus, zwei sogar \u00fcber 80%. Die Schweizer Bev\u00f6lkerung steht also eindeutig hinter ihrer Armee. Daran wird auch die &#8222;Gripen&#8220;-Abstimmmungs-Niederlage kaum etwas \u00e4ndern.<\/p>\n<blockquote><p>Oft hohe Zustimmungswerte zur Armee bei Abstimmungen<\/p><\/blockquote><p>Die Schweizer Armee sass in den vergangenen 30 Jahren also eigentlich fester im Sattel, als es die Aufmerksamkeit rund um die vielen Volksinitiativen und Bundesbeschl\u00fcsse\/-gesetze vermuten lassen. Oder anders gesagt: Die Entwicklung der Schweizer Armee verlief eigentlich stets nach dem Gusto des Schweizer Stimmb\u00fcrgers. Korrekturen durch Volksinitiativen oder Referenden waren offensichtlich nicht n\u00f6tig.<\/p><p><strong>Hauptunterst\u00fctzer der Armee<br \/>\n<\/strong><\/p><p>Die Stimmb\u00fcrger, welche die Schweizer Armee bei Abstimmungen in den vergangenen 30 Jahren am meisten unterst\u00fctzten, verorten sich in der politischen Mitte (bspw. CVP-W\u00e4hler). In Grafik 2 ist zu sehen, dass sich ein Mitte-W\u00e4hler bei Armee-Volksinitiativen mit \u00fcberdurchschnittlich hoher Wahrscheinlichkeit zugunsten der Armee \u00e4usserte.<\/p><p><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Grafik-2-DEF.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3527 size-full\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Grafik-2-DEF.jpg\" alt=\"Grafik 2 DEF\" width=\"1202\" height=\"880\" \/><\/a><\/p><p>Grafik 2 (f\u00fcr Vollbild anklicken, eigene Darstellung, Quelle: <a title=\"VoxIt\" href=\"http:\/\/forsdata.unil.ch\/projects\/voxit\/\">VoxIt<\/a>)<\/p><p>Gut zu sehen ist dieser Sachverhalt beispielsweise bei der 2001er-Abstimmung \u201eF\u00fcr eine Schweiz ohne Armee\u201c (<strong>16<\/strong>). F\u00fcr eine Person, die sich zur politischen Mitte z\u00e4hlt, war die Wahrscheinlichkeit bei \u00fcber 80%, dass sie zugunsten der Armee, also gegen die Abschaffung, stimmte. Bei Personen, die sich politisch rechts verorten, liegt diese Wahrscheinlichkeit bei etwas \u00fcber 60%. Ebenfalls ein hoher Wert, aber doch deutlich tiefer als jener der politischen Mitte.<\/p>\n<blockquote><p>Mitte-W\u00e4hler stehen voll hinter der Armee; mehr noch als die Rechten<\/p><\/blockquote><p>Derselbe Befund gilt f\u00fcr diverse weitere Abstimmungen (<strong>4<\/strong>, <strong>11<\/strong>, <strong>13<\/strong>, <strong>17<\/strong>, <strong>19<\/strong>,<strong> 20<\/strong>,<strong> 22<\/strong>). Die Trendlinien f\u00fcr die Mitte- und Rechts-W\u00e4hler verdeutlichen diese Tatsache noch: die gelbe Linie verl\u00e4uft mehrheitlich oberhalb der gr\u00fcnen Linie (mehr gelbe oberhalb gr\u00fcner Dreiecke; bei Bundesbeschl\u00fcssen\/-gesetzen ist dieser Trend weniger deutlich ersichtlich, darum weggelassen). Demnach ist die politische Mitte das R\u00fcckgrat der Schweizer Armee.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Der Hauptbefund dieser Analyse ist also: Mitte-W\u00e4hler stimmen bei Armeevorlagen mit h\u00f6herer Wahrscheinlichkeit zugunsten der Schweizer Armee, als Rechts-W\u00e4hler. Letztere stimmen jedoch ebenfalls \u00fcberdurchschnittlich oft im Sinne der Armee. Die Links-W\u00e4hler konnten der Schweiz Armee in den vergangenen 30 Jahren nichts abgewinnen. Kein Wunder: Sass der eine oder andere Linke doch sicher 1982 in diesem Restaurant in Solothurn, in dem die \u201eGSoA\u201c gegr\u00fcndet wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den vergangenen 30 Jahren entschied das Schweizer Stimmvolk \u00fcber 23 Armee-Vorlagen an der Urne. Alle diese Abstimmungen gingen zugunsten der Schweizer Armee aus, bis auf zwei. Einen grossen Anteil daran haben Stimmb\u00fcrger, die sich zur politischen Mitte z\u00e4hlen. Sie stimmten jeweils kompromisslos im Sinne der Armee. Mehr noch als die Rechten. 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