{"id":3587,"date":"2014-12-05T21:16:47","date_gmt":"2014-12-05T20:16:47","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=3587"},"modified":"2017-02-23T15:46:32","modified_gmt":"2017-02-23T14:46:32","slug":"gefangen-zwischen-cvp-und-der-svp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2014\/12\/05\/gefangen-zwischen-cvp-und-der-svp\/","title":{"rendered":"BDP: Gefangen zwischen CVP und SVP"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Wahljahr 2015 r\u00fcckt n\u00e4her. Die Parteien m\u00fcssen Positionen beziehen. Mit der Niederlage bei den Grossratswahlen in Bern im M\u00e4rz 2014 begann f\u00fcr die BDP die Frage nach einer Positionsfindung. Die gescheiterte Fraktionszusammenlegung mit der CVP im Oktober 2014 stellte einen weitere Weiche f\u00fcr das kommende Wahljahr. Die \u00c4ngste der BDP zu weit rechts im b\u00fcrgerlichen Lager zu politisieren und zugleich von der CVP marginalisiert zu werden, sollen im folgenden Artikel unter die Lupe genommen werden.<\/strong><\/p><p>&nbsp;<\/p><p><em><strong>Niederlage im Kanton Bern<\/strong><\/em><\/p><p>Bei den Wahlen 2011 trat mit der BDP eine neue Partei zu den Parlamentswahlen an. Die von der SVP abgespaltene BDP holte auf Anhieb 5.4% der W\u00e4hlerstimmen. Dies war der Erfolg einer unverbrauchten, frischen Neu-Partei.<\/p><p>Das Wahljahr 2015 steht jedoch unter ganz anderen Voraussetzungen. Die BDP muss sich beweisen und wirkt nicht mehr so unbedarft. Die wichtigen Grossratswahlen im Kanton Bern des Fr\u00fchjahres 2014 standen f\u00fcr die BDP unter keinem guten Stern. Die BDP verlor 9 ihrer 25 Sitze. Brisant dabei ist, dass der Kanton Bern eine \u201eStammlande\u201c der BDP war und viel zur Legitimation als Bundesratspartei beitrug. Die vielen Sitzverluste in Bern verunsicherten die Partei. Justierungen des Parteikurses scheinen unausweichlich. Die Diagnose wurde schnell gestellt: Die BDP habe zu nahe an der SVP und FDP politisiert. Auch neue Ideen waren schnell zur Hand: Eine Kurskorrektur nach links sollte neue Erfolge verschaffen.<\/p><p>Dies scheint schneller gesagt als getan. Die politische Mitte ist so stark fraktioniert wie nie zuvor. Die BDP k\u00e4mpft mit der FDP, CVP und GLP um die Gunst der W\u00e4hlerInnen.<\/p><p>&nbsp;<\/p><p><em><strong>Gescheiterte Fraktionszusammenlegung mit der CVP<\/strong><\/em><\/p><p>Die Ger\u00fcchte \u00fcber eine Fraktionszusammenlegung von CVP und BDP hielten sich in den letzten 2 Jahren hartn\u00e4ckig. Eine Allianz zwischen den beiden Parteien sollte als Union die Mitte st\u00e4rken. Die kleine BDP h\u00e4tte in der Fraktionsgemeinschaft mit der CVP gr\u00f6ssere Chancen gehabt, ihren Bundesratssitz zu verteidigen und die CVP andererseits w\u00e4re nicht abgeneigt gewesen, den 2003 verlorenen Bundesratssitz wieder in der eigenen Fraktion zu wissen.<\/p><p>Bekanntlich kam es anders. Ende Oktober 2014 platzte der Versuchsballon und die Allianz zwischen CVP und BDP scheiterte. Die beiden Parteien gehen weiterhin getrennte Wege. Die Parteileitung beschloss dies nach einer Konsultation der kantonalen Fraktionen. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Scheitern, war deren Veto. Die Kantonalfraktionen, die eine eigene Fraktion als unabdingbare Notwendigkeit erachteten, um sich selbst zu profilieren und bef\u00fcrchteten von der CVP marginalisiert zu werden.<\/p><p>Zwei f\u00fcr die BDP zentrale \u00c4ngste manifestieren sich: Zu nahe an der FDP und SVP zu politisieren und Stimmen an sie zu verlieren und andererseits von einer Allianz mit der CVP marginalisiert zu werden. Wie diese beiden \u00c4ngste zu bewerten sind, soll im Folgenden anhand der <a href=\"http:\/\/forscenter.ch\/de\/our-surveys\/selects\/1994-2\/selects-2011-2\/\" target=\"_blank\">Selects 2011-Daten von FORS<\/a> beurteilt werden.<\/p><p>&nbsp;<\/p><p><em><strong>Positionierung der Parteien<\/strong><\/em><\/p><p>Die nachfolgende Grafik zeigt die Parteien und ihre W\u00e4hlerInnen auf einer Links-Rechts-Skala. Sie stellt die Selbsteinsch\u00e4tzung der weiblichen und m\u00e4nnlichen Parteiw\u00e4hler dar, und vergleicht diese mit der Wahrnehmung der Parteien durch ihre eigenen W\u00e4hlerInnen.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/cf.datawrapper.de\/wdP8R\/3\/\" width=\"640\" height=\"700\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><br \/>\nGrafik 1 (<a href=\"http:\/\/forscenter.ch\/de\/our-surveys\/selects\/1994-2\/selects-2011-2\/\" target=\"_blank\">Quelle: FORS \u2013 Selects 2011<\/a>)<\/p><p>Der Grafik zu entnehmen ist, wie nahe sich die W\u00e4hlerInnen der Mitte-Parteien CVP und BDP sind. Die Unterschiede sind klein. F\u00fcr die SVP, und in geringerem Masse auch f\u00fcr die FDP und BDP, l\u00e4sst sich feststellen, dass die W\u00e4hlerInnen sich linker einsch\u00e4tzen, als die von ihnen gew\u00e4hlte Partei. Aufgrund dieser Beobachtung, mag die Reaktion auf die Niederlage der BDP im Kanton Bern, sich linker auszurichten, auf den ersten Blick die richtige sein.Der Blick auf die Herkunft der Stimmen der BDP bei den Wahlen 2011 erweckt jedoch Skepsis.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/di9b3p0sfiivd.cloudfront.net\/9h9cV\/2\/\" frameborder=\"0\" allowtransparency=\"true\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" webkitallowfullscreen=\"webkitallowfullscreen\" mozallowfullscreen=\"mozallowfullscreen\" oallowfullscreen=\"oallowfullscreen\" msallowfullscreen=\"msallowfullscreen\" width=\"640\" height=\"260\"><\/iframe><br \/>\nGrafik 2 (<a href=\"http:\/\/forscenter.ch\/de\/our-surveys\/selects\/1994-2\/selects-2011-2\/\" target=\"_blank\">Quelle: FORS \u2013 Selects 2011<\/a>)<\/p><p>Die Grafik verdeutlicht, dass sich die Stimmen der BDP im Jahre 2011 prim\u00e4r aus SVP, FDP und SP zusammensetzten. Klar wird auch, dass die BDP bei den CVP-W\u00e4hlerInnen im Jahre 2011 nicht punkten konnte. Die Grafik verdeutlicht auch die Tatsache, dass die meisten neuen BDP W\u00e4hler ehemalige SVP-W\u00e4hlerInnen waren. Diese Feststellung wirft ein kritisches Licht auf einen m\u00f6glichen \u201eLinksrutsch\u201c der BDP. Die Positionen der Neo-BDP-W\u00e4hler sind sehr unterschiedlich. SP-W\u00e4hlerInnen sind links der Partei, FDP-W\u00e4hler leicht links und ehemalige SVP-W\u00e4hler leicht rechts der jetzigen Position der BDP. Nachfolgende Grafik verdeutlicht diese Beobachtung.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/di9b3p0sfiivd.cloudfront.net\/Lc3Nt\/2\/\" width=\"640\" height=\"220\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><br \/>\nGrafik 3 (<a href=\"http:\/\/forscenter.ch\/de\/our-surveys\/selects\/1994-2\/selects-2011-2\/\" target=\"_blank\">Quelle: FORS \u2013 Selects 2011<\/a>)<\/p><p>&nbsp;<\/p><p>Eine linkere Positionierung der BDP, w\u00fcrde sicher die ehemaligen SP-W\u00e4hlerInnen ansprechen. Die Marge nach links f\u00fcr die ehemaligen FDP W\u00e4hler ist jedoch klein. Bei den ehemaligen SVP W\u00e4hler zeigt sich wie gef\u00e4hrlich eine linkere Positionierung w\u00e4re. So sind sie jetzt schon rechts der BDP positioniert und bei einer allf\u00e4lligen Kurskorrektur nach links, k\u00f6nnte es kritisch werden, diese Gruppe bei der BDP halten zu k\u00f6nnen. Die gr\u00f6sste \u201eZuz\u00fcger\u201c-Gruppe zu br\u00fcskieren, k\u00f6nnte f\u00fcr die BDP zu einem Eigentor werden.<\/p><p>&nbsp;<\/p><p><em><strong>Gefangen zwischen CVP, FDP und der SVP<\/strong><\/em><\/p><p>Das Scheitern der engeren Zusammenarbeit zwischen CVP und BDP, zeigt deutlich, welche Bef\u00fcrchtungen die BDP hat. Sie bef\u00fcrchtet von der CVP marginalisiert zu werden. Wenn man sich die Grafik 1 noch einmal vor Augen f\u00fchrt, wird schnell klar warum. BDP und CVP sind kaum unterscheidbar. Aus Grafik 2 wird ersichtlich, dass die BDP 2011 kaum Stimmen von ehemaligen CVP-W\u00e4hlerInnen ergattern konnte. Die CVP-W\u00e4hlerInnen scheinen nicht bereit zu sein die BDP zu w\u00e4hlen. Deutlich macht dies auch die Grafik 4.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/di9b3p0sfiivd.cloudfront.net\/a0yFW\/2\/\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><br \/>\nGrafik 4 (<a href=\"http:\/\/forscenter.ch\/de\/our-surveys\/selects\/1994-2\/selects-2011-2\/\" target=\"_blank\">Quelle: FORS \u2013 Selects 2011<\/a>)<\/p><p>&nbsp;<\/p><p>Es zeigt sich, dass die BDP-W\u00e4hler eher die CVP w\u00e4hlen w\u00fcrden, als umgekehrt. Dieser Unterschied ist zwar nur sehr klein, doch vorhanden. Bei der FDP sieht die Lage ganz anders aus. BDP-W\u00e4hlerInnen sind um einiges gewillter, als die FDP-W\u00e4hlerInnen, die andere Partei zu w\u00e4hlen. Hier ist die Evidenz gegeben, da die BDP eher Stimmen an die FDP verliert, als ehemalige FDP-W\u00e4hlerInnen f\u00fcr sich zu gewinnen. Auf einem tieferen Niveau gilt das Selbe f\u00fcr die SP. Hier scheinen kaum neue Stimmen zu holen sein. Das angespannte Verh\u00e4ltnis zwischen BDP und SVP zeigt sich in den Daten. Die W\u00e4hler der beiden Parteien sind kaum bereit die andere Partei zu w\u00e4hlen. Wenn die BDP Stimmen aus der Mitte holen k\u00f6nnte, so scheint dies am ehesten auf Kosten der GLP zu sein.<\/p><p>&nbsp;<\/p><p><em><strong>Fazit<\/strong><\/em><\/p><p>Die BDP befindet sich in keiner vielversprechenden Situation. Sie ist zwischen der SVP, der CVP und der FDP gefangen. Seitens der SVP scheinen kaum mehr Stimmen zu holen zu sein. Doch werden auch kaum viele BDP-W\u00e4hler zur SVP zur\u00fcckkehren, ausser eine \u201elinkere\u201c Neupositionierung schreckt diese zu stark ab. Die gr\u00f6sste Gefahr d\u00fcrfte von der FDP ausgehen. Mehr als die H\u00e4lfte der BDP-W\u00e4hlerInnen ist bereit der FDP ihre Stimme zu geben. Die CVP ist der BDP zu \u00e4hnlich. W\u00e4hlerwechsel scheinen unwahrscheinlich. Die verschm\u00e4hte Fraktionszusammenlegung wird der BDP hier nicht weiterhelfen.<\/p><p>&nbsp;<\/p><p>Autor: Thomas M\u00fcller \/ 03-708-815 \/\u00a0thoeme.m@gmail.com<br \/>\nF\u00fcr: Seminar Policy-Analyse: Politischer Datenjournalismus (HS 2014)<br \/>\nDozenten: Dr. S. B\u00fctikofer, Prof. Dr. F. Gilardi, Dr. M. Hermann und Dr. des. B. W\u00fcest.<br \/>\nAbgabedatum: 07.12.2014<\/p><p>Worte: 984 (excl. Lead)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wahljahr 2015 r\u00fcckt n\u00e4her. Die Parteien m\u00fcssen Positionen beziehen. Mit der Niederlage bei den Grossratswahlen in Bern im M\u00e4rz 2014 begann f\u00fcr die BDP die Frage nach einer Positionsfindung. Die gescheiterte Fraktionszusammenlegung mit der CVP im Oktober 2014 stellte einen weitere Weiche f\u00fcr das kommende Wahljahr. 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