{"id":5017,"date":"2015-05-17T16:07:16","date_gmt":"2015-05-17T15:07:16","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=5017"},"modified":"2017-02-23T14:56:51","modified_gmt":"2017-02-23T13:56:51","slug":"der-leise-niedergang-der-fdp-cvp-und-sp-in-den-stadten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2015\/05\/17\/der-leise-niedergang-der-fdp-cvp-und-sp-in-den-stadten\/","title":{"rendered":"SVP und Gr\u00fcne erobern die St\u00e4dte"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Neuste Zahlen des St\u00e4dteverbands zeigen: Die SVP und Gr\u00fcnen konnten in den St\u00e4dten seit 1983 stark zulegen. Das Nachsehen haben die<\/strong><strong> FDP, CVP und SP, welche an politischem Terrain verlieren. Der Anteil Mandate dieser Parteien in st\u00e4dtischen Exekutiv- und Legislativgremien ist r\u00fcckl\u00e4ufig.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Aufstieg der SVP ist nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch in den St\u00e4dten bemerkenswert. Zwischen 1983 und 2014 konnte sie ihre urbane Legislativmacht verdreifachen. 1983 war die heute w\u00e4hlerst\u00e4rkste Volkspartei relativ unbedeutend. Bei den <a href=\"http:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/portal\/de\/index\/themen\/17\/02\/blank\/data\/03.html\">damaligen Nationalratswahlen<\/a> erlangte sie 11 Prozent der W\u00e4hlerstimmen. W\u00e4hrend sie in den Stadtregierungen zu 10 Prozent &#8211; also fast ihrem damaligen W\u00e4hleranteil entsprechend &#8211; vertreten war, konnte sie in den Legislativgremien nur 5 Prozent der Sitze auf sich vereinen.<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/p6.html\" height=\"550\" scrolling=\"no\" width=\"100%\" class=\"iframe-class\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Gr\u00fcnen befinden sich auf einem regelrechten Siegeszug durch st\u00e4dtische Regierungen und Parlamente. So haben sie in den urbanen Entscheidungsgremien massiv an Einfluss gewonnen: Seit 1983 haben die Gr\u00fcnen ihre legislative Mandatsst\u00e4rke vervierfachen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend sie in den Exekutiven heute gar zehnmal st\u00e4rker vertreten sind.<\/p><p><strong>Mandatsverluste der FDP, CVP und SP in den St\u00e4dten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit Jahren im Negativtrend befinden sich die FDP, CVP und SP. Besonders schmerzhaft ist dieser f\u00fcr die FDP. War sie 1983 mit 34 Prozent aller Mandate in st\u00e4dtischen Parlamenten die weitaus st\u00e4rkste politische Kraft, sank dieser Anteil binnen 30 Jahren auf 23 Prozent. Damit ist sie heute gleich stark wie die SP. Diese tut sich ebenfalls schwer, ihre Mandate in urbanen Entscheidungsgremien zu halten. Bemerkenswert ist dies deshalb, weil die W\u00e4hlerbasis der SP auf nationaler Ebene haupts\u00e4chlich in den St\u00e4dten zu finden ist. Dennoch ist die Parteist\u00e4rke der SP in diesen Gebieten &#8211; zumindest was die lokale Ebene anbelangt &#8211; r\u00fcckl\u00e4ufig. Schwer wiegt der Verlust politischer Einflussnahme auch f\u00fcr die CVP: 1983 hielt sie 15 Prozent aller Legislativsitze, heute sind nur noch 10 Prozent davon christlich-demokratisch besetzt. Wie der obigen Grafik zu entnehmen ist, ergibt sich f\u00fcr die Exekutivgremien ein sehr \u00e4hnliches Bild.<\/p><p><strong>Grossst\u00e4dte werden linker<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der St\u00e4dteverband teilt die St\u00e4dte in vier Gr\u00f6sseklassen ein (vgl. Infobox). Vergleicht man die Entwicklung der Parteist\u00e4rken zwischen den verschiedenen Kategorien zeigt sich: Grossst\u00e4dte werden tendenziell linker. Die folgende Grafik schl\u00fcsselt die Daten nach Gr\u00f6sseklassen auf.<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/p7.html\" height=\"550\" scrolling=\"no\" width=\"100%\" class=\"iframe-class\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der gr\u00fcne Aufstieg war in den Grossst\u00e4dten am erfolgreichsten. In dieser Kategorie konnte sich auch die SP behaupten und legte gegen\u00fcber 1983 sogar leicht zu. Die GLP vermochte seit ihrer nationalen Gr\u00fcndung im Jahr 2007 in den mittelgrossen und grossen St\u00e4dten am st\u00e4rksten zu wachsen. Dies geschah vor allem auf Kosten der FDP, welche in diesen St\u00e4dten am meisten an politischem Terrain verlor.<\/p><p><strong>Parteien stagnieren in Kleinst\u00e4dten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In kleinen und mittleren St\u00e4dten konnte die SVP von allen Parteien bis 2009 am st\u00e4rksten zulegen. Interessanterweise stagnieren in diesen Kategorien die Mandatsst\u00e4rken s\u00e4mtlicher Parteien aber seit einigen Jahren. In fast der H\u00e4lfte aller Kleinst\u00e4dte wird die legislative Gewalt gar nicht in Stadtparlamenten, sondern an Gemeindeversammlungen ausge\u00fcbt. Mit knapp 27&#8217;000 Einwohnern und Einwohnerinnen ist Rapperswil-Jona heute die gr\u00f6sste Stadt, die nicht \u00fcber ein gew\u00e4hltes Parlament verf\u00fcgt. Dreimal j\u00e4hrlich entscheidet dort die <a href=\"http:\/\/www.rapperswil-jona.ch\/de\/politik\/sitzung\/\">B\u00fcrgerversammlung <\/a>\u00fcber Antr\u00e4ge des Stadtrats und Anliegen aus der Gemeinde.<\/p><p><strong>Best\u00e4ndige EVP<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus den Daten des St\u00e4dteverbands wird ausserdem ersichtlich, dass die Kleinstpartei EVP seit \u00fcber 30 Jahren 3 Prozent der st\u00e4dtischen Mandate inneh\u00e4lt. Weder hat sich ihre Mandatsst\u00e4rke \u00fcber die Zeit ver\u00e4ndert, noch treten gewichtige Unterschiede zwischen den verschiedenen Stadtgr\u00f6ssen zum Vorschein. Eine solch aussergew\u00f6hnliche Best\u00e4ndigkeit weist keine andere Partei auf.<\/p><p><strong>SP nach wie vor st\u00e4rkste politische Kraft in St\u00e4dten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber alle St\u00e4dtekategorien gesehen haben die FDP, CVP und SP wie beschrieben empfindliche Verluste ihrer politischen Einflussst\u00e4rke erlitten. Trotzdem sollte nicht vergessen werden, dass diese drei Parteien nach wie vor eine bedeutende Rolle bei der Bestellung von Volksvertretern und -vertreterinnen f\u00fcr urbane Entscheidungsgremien spielen. Die aktuellsten Daten des Jahres 2014 zeigen, dass die SP eine klare Vormachtstellung geniesst. Ausser in den Kleinst\u00e4dten, wo die FDP den Ton angibt, steht die SP an der Spitze. Die folgende Grafik schl\u00fcsselt die <em>aktuellen<\/em> Parteist\u00e4rken in st\u00e4dtischen Legislativen nach Kategorien auf.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: none;\" src=\"\/\/e.infogr.am\/parteistarke_nach_stadtgrosse\" width=\"560\" height=\"840\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p><p><strong>Wo die Parteien toppen und floppen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus Sicht der Parteien sind St\u00e4dte erstrebenswerte Orte ihrer Machtaus\u00fcbung. Was dort im Kleinen an Politikinhalten, Wahlkampfstrategien oder kommunikativem Auftreten in der \u00d6ffentlichkeit experimentiert wird, kann &#8211; falls erfolgreich &#8211; im gr\u00f6sseren Rahmen, sei es auf dem kantonalen oder nationalen Level, Anwendung finden. Die nachfolgende Grafik stellt f\u00fcr die acht gr\u00f6ssten Parteien dar, in welchen St\u00e4dten sie am Zenit ihres Erfolgs angelangt sind beziehungsweise wo noch Aufholbedarf besteht.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: none;\" src=\"\/\/e.infogr.am\/parteistarken_in_stadten\" width=\"550\" height=\"1520\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p><p><strong>FDP beherrscht das Val-de-Ruz (NE)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die einzige Ortschaft mit mehr als 10&#8217;000 Einwohnern, in der eine einzige Partei die absolute Macht auf sich vereinen kann, ist die im Neuenburger Jura gelegene Talschaft <a href=\"http:\/\/www.val-de-ruz.ch\/accueil\/\">Val-de-Ruz<\/a>. Hier stellt die FDP gleich zwei Mehrheiten: Im <em>Conseil G\u00e9n\u00e9ral <\/em>(Legislative) sind 22 von 41 Abgeordneten FDP-Mitglieder, im <em>Conseil Communal <\/em>(Exekutive) drei von f\u00fcnf. Ganz anders sieht es beispielsweise in Del\u00e9mont (JU) aus, wo die FDP mit drei von 41 Legislativmandaten und exekutiver Exklusion \u00fcber alle St\u00e4dte gesehen am schw\u00e4chsten ist. Die Parteiensysteme dieser beiden Kantone sind aber grunds\u00e4tzlich verschieden; so wird die FDP im sozialdemokratisch dominierten Jura wohl kaum an politischem Einfluss gewinnen k\u00f6nnen. Will die FDP aber ihren generellen Negativtrend in den St\u00e4dten stoppen, sind dringende \u00c4nderungen lokaler Wahlkampfstrategien n\u00f6tig. Bei der CVP und SP gilt dies, wie im Blogbeitrag aufgezeigt werden konnte, im \u00dcbrigen ebenso.<\/p>\n<div style=\"border: 1px solid black; padding: 3px;\"><strong>Infobox<\/strong><br \/>\n<strong>Daten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Daten wurden vom St\u00e4dteverband erhoben und sind beim Bundesamt f\u00fcr Statistik abrufbar (<a href=\"http:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/portal\/de\/index\/themen\/17\/02\/blank\/key\/gemeinden\/01.html\">Exekutiven <\/a>und <a href=\"http:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/portal\/de\/index\/themen\/17\/02\/blank\/key\/gemeinden\/02.html\">Legislativen<\/a>). Stichtag der Datenerhebung war der 1. August 2014. Daher kann es sein, dass sich die Parteizusammensetzung in den Gremien aufgrund von zwischenzeitlich in einzelnen Ortschaften erfolgten Ersatz- oder Gesamterneuerungswahlen (leicht) ver\u00e4ndert hat.<\/p><p><strong>Kategorisierung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Stadt gilt jede Ortschaft ab 10&#8217;000 Einwohner und Einwohnerinnen. Der St\u00e4dteverband weist dabei vier St\u00e4dtekategorien aus:<\/p><p>1. Grossst\u00e4dte (ab 100&#8217;000 Einwohner und Einwohnerinnen)<br \/>\n2. mittelgrosse St\u00e4dte (50&#8217;000 &#8211; 99&#8217;999)<br \/>\n3. mittlere St\u00e4dte (20&#8217;000 &#8211; 49&#8217;999)<br \/>\n4. kleine St\u00e4dte (10&#8217;000 &#8211; 19&#8217;999)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es muss beachtet werden, dass gewisse St\u00e4dte \u00fcber die untersuchten Jahre aufgrund von Bev\u00f6lkerungszuwachs die Kategorie gewechselt haben. Dieser Blogbeitrag soll aber ein Gesamtbild der Entwicklung st\u00e4dtischer Parteist\u00e4rken sowie deren Ver\u00e4nderungen innerhalb der untersuchten Kategorien vermitteln.<\/p>\n<\/div><p>&nbsp;<\/p><p>Literatur:<\/p><p>&#8211; Kriesi, Hanspeter, Lachat, Romain, Selb, Peter, Bornschier, Simon und Helbling, Marc (2005): <em>Der Aufstieg der SVP: Acht Kantone im Vergleich.<\/em> Z\u00fcrich: Verlag Neue Z\u00fcrcher Zeitung.<br \/>\n&#8211; Seitz, Werner (2014): <em>Geschichte der politischen Gr\u00e4ben in der Schweiz. Eine Darstellung anhand der eidgen\u00f6ssischen Wahl- und Abstimmungsergebnisse von 1848 bis 2012.<\/em> Z\u00fcrich\/Chur: R\u00fcegger Verlag.<br \/>\n_____________________________________________________________________<\/p><p>Autor: Lukas Lauener | lukas.lauener@uzh.ch | <a href=\"https:\/\/twitter.com\/l_lauener\">@l_lauener<\/a><br \/>\nVeranstaltung: Seminar Policy-Analyse: Politischer Datenjournalismus (Fr\u00fchjahrssemester 2015)<br \/>\nDozierende: Dr. Sarah B\u00fctikofer, Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Dr. Michael Hermann und Dr. des. Bruno W\u00fcest<br \/>\nAbgabedatum: 17.05.2015<br \/>\nW\u00f6rter: 903 (exkl. Infobox)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neuste Zahlen des St\u00e4dteverbands zeigen: Die SVP und Gr\u00fcnen konnten in den St\u00e4dten seit 1983 stark zulegen. Das Nachsehen haben die FDP, CVP und SP, welche an politischem Terrain verlieren. Der Anteil Mandate dieser Parteien in st\u00e4dtischen Exekutiv- und Legislativgremien ist r\u00fcckl\u00e4ufig. Der Aufstieg der SVP ist nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":12149,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[297],"tags":[32,50,74,81,99,107,147,180,181,223,232,243],"class_list":["post-5017","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized","tag-bdp","tag-cvp","tag-evp","tag-fdp-liberale","tag-glp","tag-grune","tag-mandatsstarke","tag-parteien","tag-parteistarke","tag-sp","tag-stadte","tag-svp"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5017","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5017"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5017\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11380,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5017\/revisions\/11380"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12149"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5017"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5017"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5017"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}