{"id":6118,"date":"2015-12-14T14:45:48","date_gmt":"2015-12-14T13:45:48","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=6118"},"modified":"2017-02-23T14:40:56","modified_gmt":"2017-02-23T13:40:56","slug":"bis-zur-mittelschicht-wahlt-der-eingeburgerte-schweizer-vorzugsweise-sp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2015\/12\/14\/bis-zur-mittelschicht-wahlt-der-eingeburgerte-schweizer-vorzugsweise-sp\/","title":{"rendered":"Bis zur Mittelschicht w\u00e4hlt der eingeb\u00fcrgerte Schweizer vorzugsweise SP"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der grosse Unterschied zwischen den geb\u00fcrtigen und den eingeb\u00fcrgerten Schweizern besteht darin, dass das Einkommen bei der Wahl der SP bei den eingeb\u00fcrgten Schweizern seit 1995 bis 2011 einen wichtigen erkl\u00e4renden Faktor darstellt. Die SP wird bei den geb\u00fcrtigen Schweizern nicht, wie oft zu lesen, vorrangig von der sogenannten Mittelschicht gew\u00e4hlt, sondern die Wahrscheinlichkeit der SP-Wahl ist bei allen Einkommensstufen der W\u00e4hler mehr oder weniger gleich hoch. <\/strong><\/p><p>Der Effekt des Einkommens auf das Wahlverhalten hat sich \u00fcber die Jahre kaum ver\u00e4ndert. Auch Die <a href=\"http:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/portal\/de\/index\/themen\/01\/07\/blank\/key\/03.html\">Einkommensungleichheit in der Schweiz<\/a> ist seit 1998 weitgehend stabil geblieben. Die Partei, die bei der Wahl bei allen Schweizern (sowohl bei den eingeb\u00fcrgerten als auch bei den geb\u00fcrtigen) eine Auswirkung des Einkommens vorweist, ist kaum \u00fcberraschend die \u201eWirtschaftspartei\u201c FDP. Die FDP z\u00e4hlt zu der Lieblingspartei der Schweizer Oberschicht.<br \/>\nVon 1995 bis 2011 w\u00e4hlte die Unterschicht der eingeb\u00fcrgerten Schweizer vorrangig die Sozialdemokratische Partei. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung w\u00e4re, dass die Arbeitsmigranten ihrer \u201eArbeiterpartei\u201c \u00fcber die Jahre treu geblieben sind. Die Oberschicht der eingeb\u00fcrgerten Schweizer, beispielsweise Spezialisten aus dem Ausland oder auch Steuermigranten, ist genau wie bei den geb\u00fcrtigen Schweizern politisch eher rechts angesiedelt. Sie bevorzugte bei den Wahlen 2011 die SVP oder die FDP. Bei den geb\u00fcrtigen Schweizern sind, ausser bei der FDP, keine Auswirkungen des Einkommens auf das Wahlverhalten ersichtlich.<\/p><p>Die folgende Grafik zeigt nun die Wahlwahrscheinlichkeiten der eingeb\u00fcrgerten Schweizer und geb\u00fcrtigen Schweizer in Abh\u00e4ngigkeit vom Einkommen im Wahljahr 2011.<\/p><p>Grafik 1: Der Einkommenseffekt auf die Wahlwahrscheinlichkeit der einzelnen Parteien 2011<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" style=\"border: none;\" title=\"Probability 2011\" src=\"\/\/e.infogr.am\/probability_2011?src=embed\" width=\"550\" height=\"689\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p><p>In der Grafik ist der starke Zusammenhang zwischen dem Einkommen und dem Wahlverhalten bei den SP- und den FDP-W\u00e4hlern deutlich zu sehen. Allerdings hat das Einkommen bei allen Schweizern bei der Wahl der FDP eine grosse Auswirkung. Die eingeb\u00fcrgerten Schweizer mit einem tiefen Einkommen w\u00e4hlen mit einer viel h\u00f6heren Wahrscheinlichkeit die Sozialdemokratische Partei als eingeb\u00fcrgerte Schweizer mit hohem Einkommen. Dieses Wahlverhalten \u00fcberrascht nicht gross, es erstaunt vielmehr, dass bei den geb\u00fcrtigen Schweizern kein Zusammenhang zwischen dem Einkommen und der Wahl der SP besteht.<\/p><p>In den Jahren von 1995 bis 2011 ist diese Struktur des Einkommenseinflusses auf das W\u00e4hlen der einzelnen Parteien mehr oder weniger konstant geblieben. Gleichwohl ist bei den eingeb\u00fcrgerten Schweizern und bei den geb\u00fcrtigen Schweizern in den Jahren 1999, 2003, 2007 bei allen Einkommensstufen die Erstarkung der SVP nach der EWR-Abstimmung von 1999 nachvollziehbar. CVP und SVP haben sich in all den Jahren bei allen Schweizern \u201eparalell zum Einkommen\u201c entwicklet, deshalb zeigt die CVP im Vergleich mit der SVP in Abh\u00e4ngigkeit des Einkommens keine signifikanten Werte auf.<\/p><p>Die nachfolgende Grafik zeigt die Wahlwahrscheinlichkeiten der eingeb\u00fcrgerten Schweizer und geb\u00fcrtigen Schweizer in Abh\u00e4ngigkeit vom Einkommen im Wahljahr 1995.<\/p><p>Grafik 2: Der Einkommenseffekt auf die Wahlwahrscheinlichkeit der einzelnen Parteien 1995<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" style=\"border: none;\" title=\"Probability 1995\" src=\"\/\/e.infogr.am\/probability_1995?src=embed\" width=\"550\" height=\"689\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p><p>Der Vergleich von 1995 und 2011 zeigt nun f\u00fcr alle Schweizer deutlich das Aufstreben der Schweizerischen Volkspartei. Dennoch hat die SP 2011 bei eingeb\u00fcrgerten Schweizern mit einem Monatseinkommen zwischen 2&#8217;000 Fr. bis fast 6&#8217;000 Fr. immer noch eine h\u00f6here Wahlwahrscheinlichkeit als die SVP. Folglich trifft das Ph\u00e4nomen, dass die Bev\u00f6lkerung mit unterdurchschnittlichem Einkommen vorrangig SVP w\u00e4hlt, bei den eingeb\u00fcrgerten Schweizern bis 2011 nicht zu. Bei einer Analyse der Wahlergebnisse von 2015, bei der die SVP als Gewinner hervorgingen, w\u00fcrde dies vermutlich anders aussehen. Bei den geb\u00fcrtigen Schweizern weist die SVP 2011 bei allen Einkommensstufen mit Abstand die h\u00f6chste Wahlwahrscheinlichkeit auf.<\/p><p>Wenn allerdings der Effekt der Bildung auf das Wahlverhalten untersucht wird, verh\u00e4lt sich dieser klassisch: die Wahlwahrscheinlichkeit der SP nimmt bei allen Schweizern mit h\u00f6herer Ausbildung mehr oder weniger stetig zu. Dies ist wiederum ein Beispiel daf\u00fcr, dass die oftmals instinktive hergestellte \u201eGleichsetzung\u201c von Einkommen und Bildung mit Vorsicht zu geniessen ist. Bei den eingeb\u00fcrgerten Schweizern besteht also nicht nur bei der Wahl der \u201eWirtschaftspartei\u201c ein Zusammenhang mit der Einkommensh\u00f6he, sondern auch bei der Wahl der Sozialdemokratischen Partei.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/><p><strong>Daten<\/strong>: SELECTS 1995-2011 Anzahl geb\u00fcrtige befragte Schweizer: 15\u2019137<br \/>\nAnzahl eingeb\u00fcrgerte befragte Schweizer: 1\u2019846, Daten gewichtet<\/p><p><strong>Methode<\/strong>: F\u00fcr die Grafiken wurde mit den gewichteten Daten eine multinomiale Regression durchgef\u00fchrt.<\/p><p>Autorin: Marina Abbas | marina.abbas@uzh.ch| 12-739-330<br \/>\nVeranstaltung: Forschungsseminar Politischer Datenjournalismus (Herbstsemester 2015)<br \/>\nDozierende: Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Dr. Michael Hermann und Dr. des. Bruno W\u00fcest<br \/>\nAbgabedatum: 6. 12. 2015<br \/>\nW\u00f6rter: 693 (exkl. Infobox)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der grosse Unterschied zwischen den geb\u00fcrtigen und den eingeb\u00fcrgerten Schweizern besteht darin, dass das Einkommen bei der Wahl der SP bei den eingeb\u00fcrgten Schweizern seit 1995 bis 2011 einen wichtigen erkl\u00e4renden Faktor darstellt. 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