{"id":6258,"date":"2016-04-17T20:00:55","date_gmt":"2016-04-17T19:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=6258"},"modified":"2017-02-23T13:41:06","modified_gmt":"2017-02-23T12:41:06","slug":"die-bundesratswahlen-2015-eine-chronik-der-ereignisse-auf-twitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2016\/04\/17\/die-bundesratswahlen-2015-eine-chronik-der-ereignisse-auf-twitter\/","title":{"rendered":"Die Bundesratswahlen 2015 \u2013 Ein Gewitter in den Medien, ein laues L\u00fcftchen auf Twitter"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Bundesratswahlen 2015 versprachen nach den Nationalratswahlen im Oktober Spannung vor und w\u00e4hrend des Wahltages. Auch auf Twitter wurde dar\u00fcber spekuliert, wer zu den Wahlen antritt und wer sich am Schluss Bundesrat nennen darf. Folgend wird dargestellt, welche Hashtags am meisten benutzt wurden und welche nur wenig Anklang auf dem sozialen Netzwerk fanden. Ein R\u00fcckblick auf die Wahlen und die Wochen zuvor aus der Sicht von Twitter und den verwendeten Hashtags.<\/strong><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Natalie-Rickli_new.png\" alt=\"Natalie Rickli_new\" width=\"802\" height=\"574\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6629\" \/><br \/>\n<em><span style=\"font-size: small;\">Nationalr\u00e4tin Natalie Rickli am Mobiltelefon (Bild: Keystone\/Alessandro Della Valle)<\/span><\/em><\/p><p>Nach den National-und St\u00e4nderatswahlen am 18. Oktober 2015 begannen die Spekulationen und Ger\u00fcchte um die anstehenden Bundesratswahlen vom 9. Dezember 2015. Die SVP machte sich nach ihrem Sitzgewinn von 11 Sitzen bemerkbar und forderte vehement einen zweiten Sitz im Bundesrat. Es wurden von der SVP selbst und auch von allen anderen Parteien Namen von m\u00f6glichen Kandidaten ins Spiel gebracht. Nicht nur in der Wandelhalle des Bundeshauses werden die zuk\u00fcnftigen Bundesr\u00e4te unter die Lupe genommen. Auch die wichtigsten Print- und Onlinemedien untersuchen das Kandidatenkarusell und heben den einen oder anderen Politiker bereits virtuell in das Amt des Bundesrates. Ebenso geben auf Twitter die Politiker, Journalisten und Politikwissenschaftler ihre Kommentare zu den bevorstehenden Bundesratswahlen und den m\u00f6glichen taktischen Spielereien mit verschiedensten Kandidaten ab. Dazu werden zur Kennzeichnung der Wortmeldungen unterschiedliche Hashtags benutzt, welche Gegenstand der Untersuchung sind. In den sozialen Medien brodelt normalerweise die Volksseele und es werden emotionale Tweets abgesetzt. Der Vergleich der Stimmungen zeigt \u00fcblicherweise eine n\u00fcchterne Darstellung in den klassischen Medien und eine hoch emotionale Angelegenheit in den sozialen Medien. In diesem Fall zeigt die Analyse der untersuchten Tweets aber ein anderes Bild.<\/p><p>Bereits am Wahlsonntag wurde die BDP mit der Frage konfrontiert, wie es mit ihrer Bundesr\u00e4tin Eveline Widmer-Schlumpf weitergeht, ob sie nochmals antritt und wenn ja, wie sie sich ihre Wahlchancen ausrechnen. Es wurde stets abgeblockt und auf die Bundesr\u00e4tin selbst verwiesen. Eveline Widmer-Schlumpf vertr\u00f6stete die Journalisten auf einen sp\u00e4teren Zeitpunkt. Dies heizte die Spekulationen in den Medien umso mehr an. Es wurde bereits vom sicheren R\u00fccktritt geschrieben und was dies f\u00fcr die Bundesratswahlen im Dezember bedeutet. Gleichzeitig gab es auch Stimmen in den Medien, welche immer noch mit Widmer-Schlumpf als amtierende Bundesr\u00e4tin bei den Wahlen rechneten. Am 28. Oktober 2015 platzt dann die Bombe: Eveline Widmer-Schlumpf tritt auf Ende des Jahres 2015 zur\u00fcck. Auf Twitter sorgt nur die Medienkonferenz von Widmer-Schlumpf f\u00fcr Furore. Die Anzahl Tweets stiegen nach der Ank\u00fcndigung der Konferenz an und erreichten am Tag des R\u00fccktritts mit 311 Tweets zu den Stichworten #EWS und #Widmer-Schlumpf ihren Zenit. In den Tagen davor bleibt es im Vergleich mit der Medienlandschaft ruhig. Es wurden nur wenige Tweets zu Widmer-Schlumpf verfasst. Auch bereits am Tag danach wurden mit 81 Wortmeldungen deutlich weniger gezwitschert.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">R\u00fccktritt von Eveline Widmer-Schlumpf: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/BDP?src=hash\">#BDP<\/a> bedankt sich ganz herzlich bei ihrer Bundesr\u00e4tin.<a href=\"https:\/\/t.co\/76HxgykeX8\">https:\/\/t.co\/76HxgykeX8<\/a><\/p><p>&mdash; BDP Schweiz (@BDPSchweiz) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/BDPSchweiz\/status\/659398658174140416\">October 28, 2015<\/a><\/p><\/blockquote><p><script async src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p><p>Nur am Tag der Bundesratswahlen selbst wurden noch einmal einige Tweets, n\u00e4mlich genau 98, zu diesen Stichworten versendet. Diese zahlreichen Tweets entstanden wohl auch als Reaktion der Abschiedsrede der abtretenden Bundesr\u00e4tin. Die Reaktionen fielen nicht nur positiv aus, was dieser Tweet zeigt:<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Die linke Ratsseite hat Bundesr\u00e4tin Eveline Widmer-Schlumpf noch lange applaudiert, als die andern l\u00e4ngst aufgeh\u00f6rt haben.<\/p><p>&mdash; Christoph M\u00f6rgeli (@ChrMoergeli) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ChrMoergeli\/status\/674492821508857857\">December 9, 2015<\/a><\/p><\/blockquote><p><script async src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p><p>Ebenfalls am Wahlsonntag wurde der Sieg der SVP mit 11 Sitzen gefeiert. Die Anspr\u00fcche der gr\u00f6ssten Partei im Nationalrat wuchsen und es wurde einen zweiten Sitz gefordert. Die Kandidatensuche lief danach aber nicht ganz reibungslos ab. Es wurden nicht nur etliche Namen innerhalb der SVP diskutiert. Auch die Ausschlussklausel aus der SVP im Falle einer Annahme der Wahl als nicht-offizieller Kandidat und dann das Dreierticket nach der Bestimmung eben dieser Kandidaten galt als wichtiges Thema in den Medien zur Bundesratswahl 2015. Nur auf Twitter kam diese Meldung nicht an. Die Bemerkungen im sozialen Netzwerk zu diesen Themen waren sehr sp\u00e4rlich. Nach der Fraktionssitzung der SVP am 20. November wurde das bereits erw\u00e4hnte Dreierticket offiziell und die Kandidaten waren bestimmt. Die Wortmeldungen zu den Stichworten \u201eAusschlussklausel\u201c, \u201eDreierticket\u201c und \u201eSVP Bundesrat\u201c waren von Beginn weg sehr sp\u00e4rlich vorhanden. Sie fanden auch zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Dreiertickets nur wenig Anklang und wurden erst am 9. Dezember zur Wahl mehr als 20 Mal verwendet. Obwohl die Ausschlussklausel in den Medien breit ausgeschlachtet wurde, ging diese auf Twitter also v\u00f6llig vergessen.<\/p><p>Auch die drei offiziellen Kandidaten der SVP Aeschi, Gobbi und Parmelin erzielten am 20. November mit 70 Tweets pro Tag ein erstes Zwischenhoch. Wirklich wichtig wurden die Hashtags der Kandidaten erst am 9. Dezember mit 355 Erw\u00e4hnungen. Das Interesse auf Twitter stieg zu Beginn des Tages der Bundesratswahlen stark an, flachte aber bereits am n\u00e4chsten Tag wieder merklich ab. Der Online Blog <a href=\"http:\/\/www.politan.ch\/bundesratswahl\/\" target=\"_blank\">Politan<\/a> untersuchte bereits die Verteilung der Hashtags unter den einzelnen Kandidaten in der Woche direkt vor den Bundesratswahlen. Dabei konnte festgestellt werden, dass Aeschi fast 70 Prozent der Tweets zu den offiziellen Kandidaten f\u00fcr sich verbuchen konnte. Der sp\u00e4ter gew\u00e4hlte Bundesrat Parmelin musste sich mit Gobbi die restlichen Erw\u00e4hnungen teilen. Bei der Betrachtung der Anzahl Tweets zu den drei Kandidaten \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum wird ein \u00e4hnliches Bild ersichtlich. Im Gegensatz zur Grafik von Politan wurde in der folgenden Darstellung auch der Wahltag selbst und die folgenden Tage ber\u00fccksichtigt. Dabei ist klar, dass Guy Parmelin als neu gew\u00e4hlter Bundesrat stark oben ausschwingt. \u00dcber ihn wurden mehr als doppelt so viele Tweets geschrieben, wie \u00fcber den zweitplatzierten Thomas Aeschi.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/plot.ly\/~lumoeh\/232.embed?link=false&modebar=false\" width=\"100%\" height=\"600\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" ><\/iframe><br \/>\n<em><span style=\"font-size: small;\">Anzahl Tweets zu drei offiziellen SVP-Kaniddaten<\/span><\/em><\/p><p>Die \u00fcbrigen Kandidaten der SVP und die m\u00f6gliche Sprengkandidatin Viola Amherd wurden auf Twitter bereits fr\u00fch aus dem Rennen geschrieben. Obwohl die Medien noch den einen oder anderen Politiker als m\u00f6glichen \u00dcberraschungsbundesrat sahen, fanden sie alle keine grosse Beachtung unter den Twitterern. Einzig am 9. Dezember wurden 35 Tweets zu diesen Stichworten abgesetzt. Diese gehen vor allem auf das Konto der bisher eher unbekannten Viola Amherd. Sie wurde in der Twittergemeinde aber nicht als ernstzunehmende Kandidatin f\u00fcr den Bundesrat betrachtet. Die ihr geschenkte Aufmerksamkeit beruht vor allem auf dem Tweet von Reto Vogt, welcher sich unter den untersuchten Accounts grosser Beliebtheit erfreute.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Rein vom Namen her sollte Frau Amherd doch grosse Akzeptanz und Unterst\u00fctzung in der SVP finden. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/brw15?src=hash\">#brw15<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/BRWahl15?src=hash\">#BRWahl15<\/a><\/p><p>&mdash; Reto Vogt (@revogt) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/revogt\/status\/674534936569880576\">December 9, 2015<\/a><\/p><\/blockquote><p><script async src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p><p>Die Bundesratswahlen spielten sich auf Twitter vor allem \u00fcber ein Stichwort ab: \u201eBundesratswahl\u201c. Es wurden zu keinem Stichwort so viele Tweets abgeschickt, wie zu den verschiedenen Hashtags zur Bundesratswahl 2015. Am Vortag und am Tag der Bundesratswahlen selbst wurden zusammen fast 750 Tweets verfasst. Keine andere Person, weder abtretende Bundesr\u00e4tin, noch m\u00f6glicher zuk\u00fcnftiger Bundesrat konnte mit diesen Hashtags mithalten. Auffallend ist neben der starken Zunahme auch die rasche Abnahme der Anzahl Tweets. Die Schnelllebigkeit als Zeichen des sozialen Mediums wird hier gut sichtbar. So schnell die Aufmerksamkeit f\u00fcr die Bundesratswahlen gekommen ist, so schnell war sie auf Twitter auch wieder vorbei. Bereits zwei Tage nach der Wahl dominieren bereits wieder andere Themen die Twittergemeinde. In der untenstehenden Darstellung k\u00f6nnen die verschiedenen Hashtags durch Klick in der Legende ein- und ausgeblendet werden.<\/p><p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/plot.ly\/~lumoeh\/229.embed?link=false&modebar=false\" width=\"100%\" height=\"600\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" ><\/iframe><br \/>\n<em><span style=\"font-size: small;\">Anzahl Tweets zu den Bundesratswahlen<\/span><\/em><\/p><p>Obwohl die Bundesratswahlen 2015 im Vorfeld mit einem R\u00fccktritt und m\u00f6glichen Ausschl\u00fcssen f\u00fcr Aufregung in der Medienlandschaft sorgen konnte, liefen die Wahlen auf Twitter ohne grosse Erw\u00e4hnungen und \u00dcberraschungen ab. Der Anspruch der SVP auf einen zweiten Bundesrat war unbestritten. Die drei offiziellen Kandidaten erhielten von einigen Kollegen zwar das Label \u201enicht w\u00e4hlbar\u201c. Doch aufgrund der Ausschlussklausel der SVP, welche von allen Kandidaten der internen Findungskomission unterschrieben wurde, wurde die Versuchung einen Sprengkandidaten zu finden klein gehalten. Durch den mehr oder weniger reibungslosen Ablauf ohne grosse \u00dcberraschungen am Tag der Bundesratswahlen hielten sich auch die Wortmeldungen auf Twitter dazu in Grenzen und sorgten f\u00fcr weniger Gespr\u00e4chsstoff, als die in den klassischen Medien der Fall war.<\/p>\n<div style=\"border: 1px solid black; padding: 5px; font-size: 13px; font-family: verdanan;\">Um die Bundesratswahlen auf Twitter zu untersuchen wurde ein Datensatz des Forschungsseminars \u201ePolitischer Datenjournalismus\u201c benutzt. Darin enthalten sind ungef\u00e4hr 2100 Accounts von Politikern, Parteien und anderen politisch wichtige Personen. Es wurden ca. 1.2 Millionen Tweets zusammengetragen. Von dieser Auswahl wurden die Tweets zwischen dem 18.10.2015 um 11:00 Uhr (Schliessung der Urne am Wahlsonntag) und dem 20.12.2015 12:00 Uhr extrahiert. Diese Tweets wurden danach auf verschiedenste Hashtags und Stichworte gepr\u00fcft:<br \/>\nF\u00fcr das Stichwort \u201eEveline Widmer-Schlumpf\u201c wurden die Hashtags #EWS und #Widmer-Schlumpf untersucht. F\u00fcr das Stichwort \u201eSVP-Bundesrat\u201c wurden die Hashtags #Dreierticket, #Ausschlussklausel und #SVPBundesrat zusammengefasst. In der Stichwortsuche \u201eSVP-Kandidaten\u201c wurden die Hashtags zu den drei offiziellen Kandidaten #Aeschi, #Gobbi, #Parmelin ermittelt. Unter dem Stichwort \u201eBunderats-Kandidaten\u201c wurden alle \u00fcbrigen Kandidaten #Brand, #R\u00f6sti, #Hurter, #Germann und #Amherd zusammengefasst. Ebenfalls wurde unter dem generellen Stichwort \u201eBundesratswahl\u201c die Hashtags #BRW15, #BRWahl15, #BRWahlen, #BRWahl, #brw zusammengetragen.<\/div><p>Autor: Lukas\u00a0M\u00f6hr \/ lukas.moehr@uzh.ch \/ 11-722-568 \/ Abgabedatum 17.04.2016<br \/>\nBlog: Im Rahmen des Forschungsseminars Policy Analyse: Politischer Datenjournalismus<br \/>\nDozenten: \u00a0Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Dr. Michael Hermann und Dr. des. Bruno W\u00fcest<br \/>\nW\u00f6rter: (1090 exkl. Lead, Infobox und Infos)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesratswahlen 2015 versprachen nach den Nationalratswahlen im Oktober Spannung vor und w\u00e4hrend des Wahltages. Auch auf Twitter wurde dar\u00fcber spekuliert, wer zu den Wahlen antritt und wer sich am Schluss Bundesrat nennen darf. Folgend wird dargestellt, welche Hashtags am meisten benutzt wurden und welche nur wenig Anklang auf dem sozialen Netzwerk fanden. 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