{"id":6381,"date":"2016-04-17T18:47:57","date_gmt":"2016-04-17T17:47:57","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=6381"},"modified":"2017-02-23T13:42:44","modified_gmt":"2017-02-23T12:42:44","slug":"zwitschern-gegen-auslanderdiskriminierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2016\/04\/17\/zwitschern-gegen-auslanderdiskriminierung\/","title":{"rendered":"Zwitschern gegen Ausl\u00e4nderdiskriminierung"},"content":{"rendered":"<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Die Durchsetzungsinitiative der Schweizerischen Volkspartei war eine der wichtigsten und meist verfolgten Abstimmungen der letzten Jahre. Vor allem auf Facebook und Twitter wurde heftigst mobilisiert. Denn immerhin ging es bei der Abstimmung am 28. Februar um ein Viertel derBev\u00f6lkerung, die keinen Schweizer Pass besitzen. Am Abend der Abstimmung konnten sie dann doch aufatmen. Die Initiative wurde mit 59 Prozent abgelehnt. So sicher war dieser Ausgang in den Wochen zuvor jedoch nicht. Die von gfs.bern und 20 Minuten ver\u00f6ffentlichten Prognosen sagten ein ganz anderes Ergebnis vorher. W\u00e4re die Abstimmung einen guten Monat fr\u00fcher gewesen, so h\u00e4tten laut gfs.bern-Prognosen 51 Prozent der W\u00e4hler die Initiative angenommen. Mitte Januar noch h\u00e4tten sogar 61 Prozent eine Ja-Stimme abgegeben. Zu diesem Zeitpunkt schien sich auf Twitter das Blatt schon gewendet zu haben. Die Stimmen gegen die Initiative waren deutlich lauter als die daf\u00fcr.<\/strong> <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Ende 2015 lancierte Gegenkampagne mobilisierte die eidgen\u00f6ssische Bev\u00f6lkerung und r\u00fcttelte die vom Wahlkampf ersch\u00f6pften Politiker wach. Eine Gruppe junger Erwachsener setzte sich das Ziel, die Initiative abzulehnen und k\u00e4mpfte f\u00fcr eine rechtsstaatliche Schweiz mit Gewaltentrennung und Beachtung der Menschenrechte. Aus Spenden finanziert f\u00fchrten sie eine Kampagne, die den Dialog mit der Zivilbev\u00f6lkerung suchte und gr\u00f6sstenteils \u00fcber die sozialen Medien aufkl\u00e4rte und mobilisierte. Noch nie zuvor hat eine Kampagne so viel Aufmerksamkeit auf Facebook, Twitter und Co. erreicht. In den letzten vier Wochen vor der Abstimmung erschienen \u00fcber 23&#8217;000 Tweets zur Durchsetzungsinitiative. Das sind mehr als im gesamten Wahlkampf zu den eidgen\u00f6ssischen Wahlen im Oktober 2015. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Doch nicht nur die Zivilbev\u00f6lkerung und Kampagnenmitglieder waren auf Twitter aktiv. Auch manch ein Politiker wurde von der wandelnden Stimmung im Twitter-Land gepackt und involvierte sich so in der Abstimmungskampf. Die Operation Libero hatte die Kampagne gestartet, da sie aus der Politik die Mobilisierung gegen die Initiative vermisste. Die partielle Beteiligung von Politikern auf Twitter war somit ein erster kleiner Erfolg. Auf Twitter werden gew\u00f6hnlich keine Prognosen gestellt. Was w\u00e4re aber wenn man den Traffic und die Einstellung zur Durchsetzungsinitiative auf Twitter anhand von Hashtags messen w\u00fcrde. In meinem Datensatz sind alle Accounts von Politikern gesammelt inklusive ihrer Tweets. Eine Suche nach den Hashtags #DSI, #DSInein und DSIja (unterschiedliche Schreibweisen wurden beachtet) im Zeitraum vom 1. Oktober 2015 bis 1. M\u00e4rz 2016 ergab, dass knapp ber 7&#8217;000 Tweets zum Thema geschaltet wurden. In Bild 1 sind die Tweets nach Tagen dargestellt. Sehr auff\u00e4llig ist, dass die Tweets mit dem #DSIja kaum zu sehen sind. Dagegen etablierte sich das #DSInein ab Ende Dezember stark und hatte selbstverst\u00e4ndlich am Tag der Abstimmung seinen H\u00f6hepunkt. Das #DSI wird ganz klar am h\u00e4ufigsten verwendet. Wahrscheinlich ist, dass es in einem neutralen Tweet vorkommt, das einen informierenden Ton hat. Zudem beinhalten die gesammelten #DSI auch die #DSInein und #DSIja. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6389\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-1.jpg\" alt=\"Bild 1\" width=\"917\" height=\"538\" \/><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Interessant ist nun, zu schauen, inwiefern sich die Tweets mit den Prognosen von gfs.bern und 20 Minuten vergleichen lassen. Da es zwischen dem 7. November 2015 und dem 17. Februar 2016 f\u00fcnf Ver\u00f6ffentlichungen von Prognosen gab, habe ich die Tweets pro Tag ebenfalls gruppiert. Somit gibt es f\u00fcnf Gruppen der Tweets f\u00fcr die Prognosen und eine f\u00fcr die Abstimmung. Um einen prozentualen Wert zu bekommen, habe ich die #DSI als 100 Prozent gesetzt und die Anzahl der #DSInein Tweets durch die #DSI Tweets geteilt. Gleiches wurde f\u00fcr #DSIja durchgef\u00fchrt. Die \u00fcberbleibenden Prozent, sind als Unentschlossene gruppiert und werden hier nicht weiter beachtet. In Bild 2 wird der der Verlauf der Prognosen parallel zum Verlauf der gruppierten Tweets dargestellt. Da es nur wenige #DSIja unter den Politikern gab, ist die Kurve auch in Prozent umgerechnet sehr schwach und bewegt sich nah an der x-Achse. Sie schwankt zwischen 0 und 2<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"> Prozent und ist daher wenig repr\u00e4sentativ, wenn man sie mit den Prognosen vergleicht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Rplot03.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6412\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Rplot03.jpeg\" alt=\"Rplot03\" width=\"905\" height=\"538\" \/><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Kurven der Nein-Prognosen und der #DSInein verlaufen daf\u00fcr sehr <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4hnlich. Zum Zeitpunkt der ersten ver\u00f6ffentlichten Prognose gab es noch keine Tweets zum Thema, jedoch nahm der Anteil der Nein-Tweets in den folgenden Monaten stark zu. Es ist zu sehen, dass zwischen den Prognosen am 27. Dezember 2015 und 12. Januar 2016 die #DSInein-Kurve von 13 Prozent auf 47 Prozent enorm anstieg. Eine Erkl\u00e4rung k\u00f6nnte sein, dass die Bundesr\u00e4tin Eveline Widmer-Schlumpf am 22. Dezember 2015 die Gegenkampagne von Operation Libero offiziell im Namen des Bundesrates unterst\u00fctzte und damit das Thema auch unter den Politikern erh\u00f6ht verkehrte. Auch die Vorkommnisse der K\u00f6lner Silvester-Nacht k\u00f6nnten zur vermehrten Nennung von #DSInein gef\u00fchrt haben \u2013 ganz nach dem Motto: Jetzt erst recht nicht! Hier ist auff\u00e4llig, dass vonseiten der DSI-F\u00fcrsprecher kein #DSIja erschienen ist. Der erste #DSIja-Tweet erscheint am 12. Januar 2016. Es w\u00e4re zu erwarten gewesen, dass die Initiatoren der Durchsetzungsinitiative nach den Ereignissen in K\u00f6ln die Situation ausnutzen und eine #DSIja-Welle starten. Denn es gab in Deutschland und auch in der Schweiz jede Menge Menschen, die nach der Silvesternacht f\u00fcr h\u00e4rtere Massnahmen gegen kriminelle Ausl\u00e4nder pl\u00e4dierten. Stattdessen dominierte das Thema wahrscheinlich nur die primitiven Stammtischgespr\u00e4che und die SVP verpasste eine Gelegenheit, um sich in der Social Media Welt einen einflussreichen Namen zu machen. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Da die Twitter-Plattform generell ins politisch linke Lager und in urbane Gegenden verzerrt ist, war eine Dominanz der #DSInein zu erwarten. Allerdings war nicht zu erwarten, dass die Schlucht zwischen den DSI-Gegnern und DSI-Bef\u00fcrwortern in Form von Hashtags so gross sein w\u00fcrde. Die Bef\u00fcrworter scheinen entweder grosse Hashtag-Verweigerer zu sein oder wissen schlicht nicht wie und weshalb man diese einsetzt. Was das #DSI angeht, so wurde es erstaunlicherweise am meisten von Samuel Balsiger (SVP) verwendet. In seinen Tweets tritt er stark f\u00fcr die Durchsetzungsinitiative ein, jedoch nutzt er nur #DSI und niemals #DSIja. Bild 3 zeigt die Accounts an, die mehr als 50 mal #DSI in ihren Tweet einbetteten. Immerhin sind dort 16 Accounts und alle grossen Parteien vertreten. So zeigt sich, dass das Thema Durchsetzungsinitiative lebhaft diskutiert wurde. Und das haben wir nicht zuletzt der leidenschaftlich gef\u00fchrten Gegenkampagne zu verdanken. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Rplot04.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6413\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Rplot04.jpeg\" alt=\"Rplot04\" width=\"905\" height=\"538\" \/><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Vielleicht s\u00e4he das Ergebnis der Twitter-Prognosen anders aus, wenn man die #DSI von SVP-Accounts alle als ein klares Ja zur DSI einordnen w\u00fcrde. Da die Partei die Initiative eingereicht hat, steht sie geschlossen dahinter. Schaut man sich allerdings an, wie h\u00e4ufig alle Accounts twitterten, ist zu sehen, dass nur ungef\u00e4hr jeder f\u00fcnfte Tweet von einem SVP-Account stammt. Das best\u00e4tigt wieder, dass Twitter gr\u00f6sstenteils von politisch linken und jungen Stadt-Menschen genutzt wird und die W\u00e4hler der SVP bekanntlich ein h\u00f6heres Durchschnittsalter haben und in l\u00e4ndlichen Gegenden wohnen. Momentan kann man mit Twitter also noch keine repr\u00e4sentativen Prognosen erstellen. Zumindest nicht mit den Accounts der Politiker. Interessant w\u00e4re es, eine solche Studie mit den Accounts der Schweizer Zivilbev\u00f6lkerung durchzuf\u00fchren. Denn diese hat schliesslich den Kampf gef\u00fchrt und gewonnen!<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Durchsetzungsinitiative der Schweizerischen Volkspartei war eine der wichtigsten und meist verfolgten Abstimmungen der letzten Jahre. Vor allem auf Facebook und Twitter wurde heftigst mobilisiert. Denn immerhin ging es bei der Abstimmung am 28. Februar um ein Viertel derBev\u00f6lkerung, die keinen Schweizer Pass besitzen. 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