{"id":6504,"date":"2016-04-17T22:47:57","date_gmt":"2016-04-17T21:47:57","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=6504"},"modified":"2017-05-17T18:45:42","modified_gmt":"2017-05-17T16:45:42","slug":"twitter-vs-realwelt-wo-erzeugen-welche-volksinitiativen-die-meiste-resonanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2016\/04\/17\/twitter-vs-realwelt-wo-erzeugen-welche-volksinitiativen-die-meiste-resonanz\/","title":{"rendered":"Twitter vs. Realwelt: Wo erzeugen welche Volksinitiativen die meiste Resonanz?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\"><strong>Aufmerksamkeit ist Voraussetzung, ist Antrieb, ist W\u00e4hrung politischen Erfolges. Ohne sie geht kaum etwas, das belegt auch die Forschung. Ist das neue soziale Medium Twitter in dieser Hinsicht bloss Abbild der offline-Welt oder setzt es eigene Akzente? Und welche Unterschiede offenbaren sich in der Bewertung der Abstimmungsvorlagen zwischen Presse und Parlament?<\/strong><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6788\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/parlprint_vs_tw.png\" alt=\"parlprint_vs_tw\" width=\"1152\" height=\"712\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Verschiedene Forschungsarbeiten aus der Politik- und Kommunikationswissenschaft legen nahe<sup>1<\/sup>, dass Wahl- wie Abstimmungserfolge stark von der Medienresonanz der jeweiligen Akteure bzw. deren Kernthemen abh\u00e4ngen. Dabei ist mitunter nachrangig, in welche Richtung die Reaktionen des Publikums laufen. Hauptsache, es entsteht gen\u00fcgend Aufruhr, um die eigene Anh\u00e4ngerschaft kr\u00e4ftig wachzur\u00fctteln \u2013 und damit f\u00fcr einen anstehenden Urnengang zu mobilisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Klassischerweise werden dabei die althergebrachten Printmedien untersucht, wie dies beim sogenannten <a href=\"http:\/\/www.foeg.uzh.ch\/de\/analyse\/dossier.html\">Abstimmungsmonitor<\/a> des <a href=\"http:\/\/www.foeg.uzh.ch\/de.html\">Forschungsinstituts \u00d6ffentlichkeit und Gesellschaft (f\u00f6g) der Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/a> der Fall ist. Seit Anfang 2013 und damit zum mittlerweile elften Male haben die beteiligten Medienwissen\u00adschaftler Resonanz und Tonalit\u00e4t aller Vorlagen eines Abstimmungstermines in den vorangegangenen Wochen anhand von Zei\u00adtungsartikeln der gr\u00f6ssten Schweizer Printmedien erfasst und analysiert (vgl. Info zu den Metho\u00adden am Schluss dieses Beitrags).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Ausgehend von diesen Daten sollen im Folgenden Vergleiche gezogen werden mit eigenen Erhebungen und Auswertungen von Politiker-Tweets und Parlamentsreden in National- und St\u00e4nderat. So l\u00e4sst sich etwa der Frage nachgehen, ob die Aufmerksamkeit der politischen Elite mit derjenigen der Presse zusammenh\u00e4ngt oder ob Parlament und Journalismus gemeinsam Schlagseite haben, wenn es um die inhaltliche Bewertung der Volksbegehren geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wenn das Gezwitscher einmal los geht, dann aber richtig<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Heute ist evident: Twitter macht auch vor der Schweizer Politszene nicht halt. Gem\u00e4ss einem einschl\u00e4gigen Datensatz<sup>2<\/sup> der Universi\u00adt\u00e4t Z\u00fcrich z\u00e4hlt der k\u00fcrzlich 10-j\u00e4hrig gewordene Kurznachrichtendienst inzwischen \u00fcber 2&#8217;000 Twitter-Konten von Schweizer Politikern und Parteisoldaten. Mehr als die H\u00e4lfte aller Bundesparlamentarier nutzt den Dienst \u2013 bei ei\u00adnem <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/%C3%BCber-das-parlament\/fakten-und-zahlen\/zahlen-ratsmitglieder\">Durchschnittsalter<\/a> von 50 (Nationalrat) respektive 55 Jahren (St\u00e4nderat) durchaus keine Selbstverst\u00e4nd\u00adlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein Vergleich zwischen den von diesen 2&#8217;000 Twitter-Konten abgesetzten Tweets, den gem\u00e4ss des f\u00f6g-Abstimmungsmonitors ermittelten Printbeitr\u00e4gen sowie den zugeh\u00f6rigen Parlamentsreden zu allen Volksinitiativen der letzten drei Jahre gestaltet sich wie folgt:<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/plot.ly\/~slim-b\/159.embed?link=false&modebar=false\" width=\"100%\" height=\"700\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Was als erstes auff\u00e4llt, sind die vergleichsweise starken Ausschl\u00e4ge bei den abgesetzten Tweets. Die Aufmerksamkeit von Parlament und Printmedien f\u00e4llt nicht ann\u00e4hernd so selektiv aus. Bekanntlich sind die politischen Kr\u00e4fte nicht ausgewogen auf Twitter vertreten, sondern das Gezwitscher grosso modo eher links-schief. Dies spiegelt sich auch in der Tweetzahl zu den einzelnen Initiativen wieder: So findet zwar die Masseneinwanderungsinitiative in den Printmedien mehr Resonanz als die 1:12-Initiative, doch auf Twitter ist es genau umgekehrt. Verschiedene andere Vorlagen von Rechts \u2013 wie die Volkswahl des Bundesrates, die Streichung der Abtreibungsfinanzierung durch die Grundversicherung oder die Goldinitative \u2013 finden auf Twitter nur wenig Beachtung, w\u00e4hrend etwa die Mindestlohn-, die Erbschaftssteuer- oder die Initiative f\u00fcr eine Energie- statt Mehrwertsteuer im Verh\u00e4ltnis zur Printmedienberichterstattung ausserordentlich viel Interesse wecken. Unangefochtene Spitzenreiter in der Tweetzahl sind indes die beiden j\u00fcngsten migrationspolitischen Vorlagen: Die Ecopop- und die Durchsetzungsinitiative.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Die Besch\u00e4ftigung der Parlamentarier mit direktdemokratischen Anliegen hingegen unterliegt nur relativ geringen Schwankungen und korreliert kaum mit den beiden Medienformaten. Im Gegenteil werden die \u201ePopstars\u201c der Initiativen \u2013 diejenigen, die medial die h\u00f6chsten Wellen schlagen \u2013 nach relativ kurzer Debatte abgewunken. So geschehen bei der 1:12-, der Ecopop- oder der Durchsetzungsinitiative. Die Abzockerinitiative scheint dabei die Ausnahme, die die Regel best\u00e4tigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Demgegen\u00fcber wird bei n\u00e4herer Betrachtung eine gewisse Korrelation zwischen Twitter und Printjournalismus erkennbar. Die Berechnung eines <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Korrelationskoeffizient\">Pearson-Korrelationskoeffizienten<\/a> best\u00e4tigt die Vermutung: Zwischen der altehrw\u00fcrdigen Offline-Presse und dem Kurznachrichten-Gezwitscher besteht ein relativ starker, statistisch signifikanter Zusammenhang (0.77)<sup>3<\/sup>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Dieser wird in folgendem Diagramm verdeutlicht (mit der Maus \u00fcber die Kreise fahren f\u00fcr n\u00e4here Angaben \u00fcber die einzelnen Vorlagen):<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/plot.ly\/~slim-b\/149.embed?link=false&modebar=false\" width=\"100%\" height=\"600\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zwar ist die Fallzahl gering und insbesondere im oberen Bereich ist die Datenlage d\u00fcnn, aber trotzdem l\u00e4sst sich festhalten, dass die beiden Medienformate klar zusammenh\u00e4ngen. Allf\u00e4llige Ursache-Wirkungs-Beziehungen bleiben freilich ungekl\u00e4rt \u2013 es scheint aber wahrscheinlich, dass eher die Realwelt tonangebend ist und die digitale Sph\u00e4re ihr folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zeitungen und Parlament beurteilen die Vorlagen \u00e4hnlich<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Leider ist es nicht ohne Weiteres m\u00f6glich, die Tweets hinsichtlich der Tonalit\u00e4t gegen\u00fcber den Vorlagen einzuordnen. Doch immerhin mit den Parlamentsreden ist ein solches Unterfangen realisierbar. Konkret wurde bei denjenigen Parlamentariern, welche eine Rede zu einer untersuchten Vorlage hielten, ermittelt, wie sie bei der Schlussabstimmung zu ebendiesem Gesch\u00e4ft gestimmt haben. Auf diese Weise l\u00e4sst sich mit relativ hoher Sicherheit bestimmen, ob eine Rede pro oder contra den Forderungen der jeweiligen Vorlage ausfiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie sich zeigt, besteht ein positiver Zusammenhang<sup>4<\/sup> zwischen der auf diese Weise ermittelten Tonalit\u00e4t der Parlamentsreden und derjenigen der Printbeitr\u00e4ge. F\u00fcr die Volksinitiativen wird dieser anhand der folgenden Grafik ersichtlich:<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/plot.ly\/~slim-b\/155.embed?link=false&modebar=false\" width=\"100%\" height=\"600\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Werden nun statt bloss der Volksinitiativen \u300cI\u300d alle vom f\u00f6g-Abstimmungsmonitor erfassten Vorlagen in die Analyse aufgenommen \u2013 d.&nbsp;h. auch die direkten Gegenvorschl\u00e4ge \u300cD\u300d sowie obligatorischen \u300cO\u300d und fakultativen Referenden \u300cF\u300d \u2013 so erh\u00f6ht sich die Korrelation nochmals erheblich<sup>5<\/sup>:<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/plot.ly\/~slim-b\/157.embed?link=false&modebar=false\" width=\"100%\" height=\"600\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zusammenfassend l\u00e4sst sich festhalten, dass sich das Twitter-Forum keineswegs in luftleerem Raum bewegt und das politische Gezwitscher denselben Abstimmungsvorlagen die gr\u00f6sste Aufmerksamkeit schenkt wie die professionelle Presse. Dagegen scheinen im tagenden Parlament ganz klar andere Kriterien zu gelten f\u00fcr eine lebendige Debatte. So l\u00e4sst sich denn auch keine eindeutige Antwort geben auf die Frage, ob die Volksinitiativen in der gemeinen \u00d6ffentlichkeit jeweils \u00e4hnlich salient sind wie unter der politischen Elite. Sie sind es nicht, betrachtet man die stark formalisierten Reden im Parlament. Sie sind es doch, betrachtet man hingegen den eher informellen Kommunikationsfluss auf Twitter \u2013 auch wenn ausschliesslich National- und St\u00e4nder\u00e4te ber\u00fccksichtigt werden. Denn die Korrelation zwischen allen Politiker-Tweets und der Untermenge der Bundesparlamentarier ist nahezu perfekt<sup>6<\/sup>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ferner erstaunt das Ausmass der Gleichartigkeit in der Bewertung direktdemokratischer Vorlagen \u00fcberaus. Die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse im Parlament scheinen sich im Printjournalismus regelrecht zu reproduzieren. Dass Parlament und Printmedien unter dem Strich eine derart hohe \u00c4hnlichkeit in der Tonalit\u00e4t aufweisen, scheint schon fast ein wenig suspekt. Doch die im Rahmen dieses Beitrags ermittelten Daten zeigen in eine eindeutige Richtung \u2013 was nat\u00fcrlich f\u00f6rmlich nach weitergehenden Untersuchungen in dieser Hinsicht ruft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als kleines Am\u00fcsement zum Schluss noch eine etwas ungewohnte, daf\u00fcr \u00e4usserst kompakte Grafik, welche alle relevanten Informationen dieses Blogeintrages in drei Dimensionen vereint. Einfach so. Weil&#8217;s m\u00f6glich ist. Weil&#8217;s irgendwie gut ausschaut. Punkt.<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/plot.ly\/~slim-b\/151.embed?link=false&modebar=false\" width=\"100%\" height=\"700\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><sup>1 <\/sup><em>Vgl. etwa:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Boomgaarden, Hajo G.; Vliegenthart, Rens (2007): Explaining the Rise of Antiimmigrant Parties: The Role of News Media Content. In: Electoral Studies, Jg. 26, H. 2, S. 404\u2013417.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Mazzoleni, Gianpietro (2008): Populism and the Media. In: Albertazzi, Daniele; McDonnell, Duncan (Hg.): Twenty-First Century Populism. The Spectre of Western European Democracy. Basingstoke: Palgrave, S. 49\u201364.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Udris, Linards: Imhof, Kurt (2011): Conflict, the Media and the Far Right. Theoretical Foundations and Empirical Evidence from the Case of Switzerland. In: Virchow, Fabian (Hg.): Media an the Far Right in Contemporary Europe \u2013Theoretical Considerations and Case Studies, Br\u00fcssel.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Walgrave, Stefaan; Swert, Knut de (2007): Where Does Issue Ownership Come From? From the Party or from the Media? Issue-party Identifications in Belgium, 1991\u20132005. In: The Harvard International Journal of Press\/Politics, Jg. 12, H. 1, S. 37\u201367.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><sup>2 <\/sup><em>Der Datensatz stammt von Bruno W\u00fcest, Oberassistent an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, und diente auch als Grundlage f\u00fcr diese Arbeit.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><sup>3 <\/sup><em>Das 95&nbsp;%-<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konfidenzintervall\">Konfidenzintervall<\/a> verl\u00e4uft dabei von 0.51 bis 0.90.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><sup>4 <\/sup><em>Der entsprechende Pearson-Korrelationskoeffizient betr\u00e4gt 0.51. Das 95&nbsp;%-Konfidenzintervall verl\u00e4uft dabei von 0.10 bis 0.77.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><sup>5 <\/sup><em>Der entsprechende Pearson-Korrelationskoeffizient betr\u00e4gt 0.75. Das 95&nbsp;%-Konfidenzintervall verl\u00e4uft dabei von 0.55 bis 0.87.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><sup>6 <\/sup><em>Der entsprechende Pearson-Korrelationskoeffizient betr\u00e4gt 0.98. Das 95&nbsp;%-Konfidenzintervall verl\u00e4uft dabei von 0.95 bis 0.99.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Methoden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Twitter:<\/em><br \/>\nEs wurden f\u00fcr die vorliegende Analyse alle \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Tweets der rund 2&#8217;000 Twitter-Konten aus dem Schweizerpolitik-Datensatz von Bruno W\u00fcest untersucht. Dabei konnten allerdings aufgrund <a href=\"https:\/\/dev.twitter.com\/overview\/general\/things-every-developer-should-know\">einer von Twitter auferlegten API-Beschr\u00e4nkung<\/a> pro Konto jeweils nur die 3&#8217;200 neuesten Tweets in die Analyse aufgenommen werden (Twitter unterbindet schlicht den Abruf \u00e4lterer Tweets). Es haben aber nur 142 aller untersuchten Twitter-Konten mehr als 3&#8217;200 Tweets abgesetzt und sind damit von dieser Limite betroffen. Von diesen 142 Konten wiederum fallen die unber\u00fccksichtigten Tweets nur bei 96 Konten \u00fcberhaupt in einen der Untersuchungszeitr\u00e4ume (d.&nbsp;h. nach dem 12. Dezember 2012 getweetet). Unter dem Strich f\u00e4llt die Abdeckung also sehr hoch aus.<br \/>\nAls Untersu\u00adchungszeitr\u00e4ume dienten exakt dieselben wie beim f\u00f6g-Abstimmungsmonitor (meist knapp 3 Monate bis 1 Woche vor der Abstimmung). Von den insgesamt 1,2 Mio Tweets fallen damit je nach Abstimmung zwischen 30&#8217;000 und 100&#8217;000 Tweets in den jeweiligen Untersuchungszeitraum.<br \/>\nF\u00fcr die Zuordnung der Tweets zu den einzelnen Vorlagen wurde ausschliesslich die deutsche Sprache ber\u00fccksichtigt, d.&nbsp;h. franz\u00f6sische, italienische, englische oder gar r\u00e4toromanische Tweets fanden h\u00f6chsten als \u201eBeifang\u201c Eingang in die Analyse. Die Tweets wurden f\u00fcr jede Vorlage mittels regul\u00e4rer Ausdr\u00fccke durchsucht (sozusagen eine thematische Suche statt bloss eine nach dem Titel o. \u00e4. Ein Beispiel: Im Falle der Durchsetzungsinitiative etwa wur\u00adden die Tweets nicht bloss nach den gebr\u00e4uchlichen Hashtags und dem Titel der Initiative sowie g\u00e4ngigen Abwandlungen davon (wie \u201eEntrechtungs-\u201c oder \u201eVersch\u00e4r\u00adfungsinitiative\u201c) durchforstet, sondern auch nach Wortfolgen wie \u201ekriminelle(r) Ausl\u00e4nder\u201c oder dem gemeinsamen Auftreten von W\u00f6rtern wie \u201eAutomatismus\u201c zusammen mit \u201e#ASI\u201c (Hashtag f\u00fcr die Ausschaffungsinitiative) oder \u201eInitiative\u201c, \u201eVorlage\u201c, \u201eAbstimmung\u201c etc. Besonderes Augenmerk wurde auf die Vermeidung von falschpositiven Treffern gelegt. Kurz gesagt, es steckt enorm viel Handarbeit in der Formulierung der regul\u00e4ren Ausdr\u00fccke, welche sich bei Interesse alle im verlinkten R-Code weiter unten finden).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Parlamentsreden:<\/em><br \/>\nF\u00fcr die Parlamentsreden wurde die Tonalit\u00e4t analog zum f\u00f6g-Abstimmungsmonitor berechnet, d.&nbsp;h. nach folgender Formel:<br \/>\n<span style=\"color: #808000\">(Anzahl Reden Pro &#8211; Anzahl Reden Contra) \/ Gesamtzahl Reden * 100<\/span><br \/>\nBer\u00fccksichtigt zur Ermittlung der Tonalit\u00e4t wurden nur diejenigen RednerInnen, welche zum ent\u00adsprechenden Gesch\u00e4ft auch ein eindeutiges Abstimmungsverhalten aufwiesen, d.&nbsp;h. bei der jewei\u00adligen Schlussabstimmung mit Ja oder Nein gestimmt haben. Dies trifft im Schnitt doch immerhin auf mehr als 2\/3 Drittel der RednerInnen zu \u2013 wobei ber\u00fccksichtigt werden muss, dass ein Teil der RednerInnen sowieso keine stimmberechtigten ParlamentarierInnen sind, sondern Bundesr\u00e4te etc.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Printmedien:<\/em><br \/>\nDie Daten zu den Printmedien (Anzahl und durchschnittliche Tonalit\u00e4t der Beitr\u00e4ge) stammen vollumf\u00e4nglich vom f\u00f6g. Wie eingangs erw\u00e4hnt, wird dort seit Anfang 2013 systematisch erhoben, wie in ver\u00adschiedenen Schweizer Tages- und Wochenzeitungen \u00fcber die Abstimmungsvorlagen berichtet wird. Das Sample an Zeitungen wurde 2014 deutlich ausgebaut und umfasst mittlerweile die 22 reichweitenst\u00e4rksten Titel. Zum letzten Abstimmungstermin vom 28. Februar 2016 etwa wurden insgesamt 1&#8217;128 Artikel ausgewertet.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"padding-left: 30px;text-align: justify\"><span style=\"color: #666699\">Autor: Salim Br\u00fcggemann, 08-915-126, <a href=\"mailto:salim@posteo.ch\" target=\"_blank\">salim@posteo.ch<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #666699\"> Blogeintrag im Rahmen des <a href=\"http:\/\/www.vorlesungen.uzh.ch\/FS16\/lehrangebot\/fak-50000007\/sc-50614868\/cga-50614868240\/cg-50614869\/cg-50663482\/sm-50672614.modveranst.html\" target=\"_blank\">Forschungsseminars <em>Politischer Datenjournalismus<\/em><\/a> der Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #666699\"> Dozierende: Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Dr. Michael Hermann, Dr. des. Bruno W\u00fcest, Dr. Sarah B\u00fctikofer<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #666699\"> Abgabedatum: 17. April 2016<br \/>\nAnzahl Worte (exkl. Lead): 954 + 637 (Fussnoten und Methoden-Hinweise)<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #666699\"> Datenquellen: Bruno W\u00fcest | <a href=\"https:\/\/dev.twitter.com\/rest\/public\">Twitter<\/a> | <a href=\"http:\/\/ws-old.parlament.ch\/\">Schweizer Parlament<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.foeg.uzh.ch\/de\/analyse\/dossier.html\">f\u00f6g<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #666699\"> Datens\u00e4tze: <a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Data_Abstimmungsmonitor.csv\">Data_Abstimmungsmonitor.csv<\/a> | <a href=\"https:\/\/drive.google.com\/open?id=0B6XTRPf4LO6iQjdHbjB2STBObVk\">data_bruno.Rda<\/a> | <a href=\"https:\/\/drive.google.com\/open?id=0B6XTRPf4LO6iUDNGNlpZMHRSNVU\">twitter_scrape_job.Rda<\/a><br \/>\nR-Quellcode: <a href=\"https:\/\/gist.github.com\/anonymous\/07eeb33982affbfc1659f8edd160a5f0\">TwitterScrapeJob.R (GitHub Gist)<\/a> | <a style=\"color: #666699\" href=\"https:\/\/gist.github.com\/anonymous\/50b93a22539bad62197eb4cebf07d702\" target=\"_blank\">TwitterParlPrint.R (GitHub Gist)<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #666699\"> Bild: Eigene Darstellung<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufmerksamkeit ist Voraussetzung, ist Antrieb, ist W\u00e4hrung politischen Erfolges. 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