{"id":7201,"date":"2016-05-25T09:00:57","date_gmt":"2016-05-25T08:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=7201"},"modified":"2017-05-17T21:53:16","modified_gmt":"2017-05-17T19:53:16","slug":"wer-hat-angst-vorm-pukelsheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2016\/05\/25\/wer-hat-angst-vorm-pukelsheim\/","title":{"rendered":"Wer hat Angst vorm Pukelsheim?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\"><strong>Wieso eine biproportionale Wahl die gerechtere Wahl ist \u2013 wie die Zusammensetzung der grossen Parlamentskammer auss\u00e4he, h\u00e4tten die Wahlen letzten Herbst im Doppelproporz stattgefunden \u2013 und welche PolitikerInnen kaum Freude an einer exakteren Abbildung des W\u00e4hlerwillens h\u00e4tten.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Eines vorweg: Am wenigsten zu Lachen h\u00e4tten die grossen Polparteien SVP und SP. Auf der rechten Seite verpassten etwa die Milliard\u00e4rstochter Magdalena Martullo-Blocher, der Aargauer Fl\u00fcchtlingsschreck Andreas Glarner als auch der ewige Erzfeind der Berner Reitschule, Erich Hess, aller Voraussicht nach die Wahl in den Nationalrat. Am anderen politischen Ende tr\u00e4fe es u. a. den umstrittenen Berner Stadtpr\u00e4sidenten Alexander Tsch\u00e4pp\u00e4t, die von der Weltwoche zur <a href=\"http:\/\/www.weltwoche.ch\/ausgaben\/2014-45\/doppelmoral-steuern-sparen-mit-margret-kiener-nellen-die-weltwoche-ausgabe-452014.html\">\u00abVerm\u00f6gensmultimillion\u00e4rin ohne steuerbares Einkommen\u00bb<\/a> erkorene Margret Kiener Nellen oder die <a href=\"http:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/neo-nationalraetin-mit-chinesischen-wurzeln_min-li-marti---ultralinks--pragmatisch-und-umgaenglich-\/41875614\">\u00abultralinke\u00bb<\/a> Min Li Marti. Doch alles von Anfang an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Zu Beginn dieses Jahres konnte der Doppelproporz in der Schweiz sein 10-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um feiern. Am 12. Februar 2006 hatten die B\u00fcrgerInnen der Stadt Z\u00fcrich als erste das Vergn\u00fcgen, ihren Gemeinderat nach dem neuen Wahlverfahren zu w\u00e4hlen. Im Auftrag des Kantons Z\u00fc\u00adrich wurde es vom Augsburger Stochastik-Professor Friedrich Pukelsheim ausget\u00fcftelt \u2013 daher auch die Namen <em>Neues Z\u00fcrcher Zuteilungsverfahren<\/em>, <em>Doppelter Pukelsheim<\/em> oder kurz: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Doppeltproportionales_Zuteilungsverfahren\">Dop\u00adpelproporz<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Anlass f\u00fcr die Schaffung dieses neuen Verfahrens gab ein Entscheid des Bundesgerichts, der auf eine Stimmrechtsbeschwerde der Gr\u00fcnen Partei zur\u00fcckgeht. Das Gericht erkl\u00e4rte die Z\u00fcrcher Gemeinderatswahl von 2002 f\u00fcr verfassungswidrig. Nur, mit welcher Begr\u00fcndung?<\/p><p><strong>Kein Pukelsheim, keine Fairness<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Beim alten Wahlverfahren f\u00fcr den Z\u00fcrcher Gemeinderat nach <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hagenbach-Bischoff-Verfahren\">Hagenbach-Bischoff<\/a><\/em> w\u00e4hlte jeder Wahlkreis f\u00fcr sich isoliert. Dadurch ergeben sich in kleinen Wahlkreisen, denen bloss weni\u00adge Sitze zustehen, relativ hohe nat\u00fcrliche Quoren f\u00fcr eine erfolgreiche Wahl. Je weniger Stimm\u00adb\u00fcrgerInnen ein Wahlkreis z\u00e4hlt, desto mehr Stimmen finden keine Ber\u00fccksichtigung, weil sie das Mindestquorum f\u00fcr einen Sitz nicht zu erf\u00fcllen verm\u00f6gen. Im Extremfall eines einzigen Sitzes muss eine Partei <a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/04\/vatter-wirkungen-des-wahlsystems\/\">die H\u00fcrde von 50\u00a0% \u00fcberschreiten, um mit Sicherheit einen Sitz zu erlangen. Bei zwei Sitzen sind es noch immer satte 33\u00a0%<\/a>. Das heisst, alle Parteien, die weniger Stimmen erhalten, drohen leer auszugehen \u2013 unabh\u00e4ngig davon, in wie vielen Wahlkreisen sich dieses Scheitern am Quorum wiederholt. Dieser Umstand bevorzugt die grossen Parteien enorm und verzerrt in ebenso hohem Masse den W\u00e4hlerwillen. Dass dadurch grosse Parteien in gewissen Wahlkreisen de facto \u00fcber garantierte Sitzanspr\u00fcche verf\u00fcgen, bewegte das Bundesgericht schliesslich zu seinem drastischen Entscheid. Das Gleichbehandlungsgebot der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler sei damit auf eklatante Weise verletzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Selbiges gilt nat\u00fcrlich prinzipiell auch f\u00fcr die Wahlen auf h\u00f6herer politischer Ebene. Immerhin werden aber die kantonalen Parlamente mittlerweile in Z\u00fcrich, Aargau, Schaffhausen, Nidwalden, Zug und Schwyz im Doppelproporz gew\u00e4hlt. Sechs Kantone in zehn Jahren \u2013 das ist f\u00fcrs tr\u00e4ge politische System der Eidgenossenschaft keine schlechte Bilanz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Doch bei der bedeutendstes Proporzwahl in der Schweiz <a href=\"https:\/\/napoleonsnightmare.ch\/2015\/10\/20\/kleine-parteien-werden-bei-der-sitzverteilung-schlecht-bedient\/\">verbauen nach wie vor massive Wahlh\u00fcrden den kleineren politischen Kr\u00e4ften den Weg ins Bundeshaus<\/a>. Das w\u00e4re nicht n\u00f6tig und ist absolut ungerecht. Nicht in erster Linie f\u00fcr die betreffenden Nationalrats-KandidatInnen, sondern vor allen Dingen gegen\u00fcber den W\u00e4hlerInnen. Dieses Problem der mangelnden Repr\u00e4sentation l\u00e4sst sich wunderbar anhand folgender Karte illustrieren (<em>mit der Maus \u00fcber die Kantone fahren f\u00fcr weitere Infos<\/em>):<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/choropleth_plot_real.html\" width=\"100%\" height=\"700\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" style=\"margin-top:-50px; margin-left:-5px; margin-right:-5px;\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Im Allgemeinen gilt: Je kleiner der Kanton, desto mehr Stimmen fliessen nicht ins Wahlergebnis mit ein. F\u00fcr die betroffenen W\u00e4hlerInnen bedeutet das, sie h\u00e4tten sich das Ausf\u00fcllen des Wahlzettels genauso gut sparen und zu Hause bleiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Besonders die kleinen Kantone mit nur wenigen Nationalratssitzen stechen hervor. Ein absolut rekordverd\u00e4chtiges Missverh\u00e4ltnis bei den letzten Wahlen erreichte Appenzell Ausserrhoden. Die Stimmen von beinahe zwei Drittel der W\u00e4hlerInnen gingen schlicht und ergreifend unter, weil das heutige Wahlsystem hier nur die bestplatzierte Partei ber\u00fccksichtigt. Aber auch in gr\u00f6sseren Kantonen wie St.\u00a0Gallen, Tessin oder Bern wurden rund 5\u00a0% der \u2013 wohlgemerkt g\u00fcltigen \u2013 Wahlzettel nicht ber\u00fccksichtigt. Insgesamt blieben so die Pr\u00e4ferenzen von \u00fcber 117&#8217;000 W\u00e4hlerInnen auf der Strecke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Hinzu kommt, dass sich die Parteien dessen in aller Regel bewusst sind und daher in kleinen Kantonen oftmals gar nicht erst zur Wahl antreten \u2013 wodurch sich die Wahlverzerrung nochmals um eine kaum quantifizierbare Dunkelziffer vergr\u00f6ssert und die Stimmberechtigten zus\u00e4tzlich davon abhalten d\u00fcrfte, an den Wahlen teilzunehmen.<\/p><p><strong>Die Auswirkungen des Doppelproporzes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Trotz dieser eklatanten M\u00e4ngel des Wahlverfahrens scheint die \u00f6ffentliche Diskussion auf nationaler Ebene praktisch inexistent. Von einer <a href=\"http:\/\/www.zentralplus.ch\/de\/news\/politik\/4168774\/Zuger-Pirat-ist-entt%C3%A4uscht.htm\">Bundesgerichtsbeschwerde des Zuger Piraten Stefan Th\u00f6ni<\/a> abgesehen, scheint es kaum nennenswerte Bestrebungen f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines doppeltproportionalen Wahlverfahrens auf eidgen\u00f6ssischer zu geben. W\u00e4hrend das Bundesgericht die eben genannte Beschwerde ablehnte, zeigt die nachstehende Karte das Fairness-Potenzial biproportionaler Wahlen:<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/choropleth_plot_biprop.html\" width=\"100%\" height=\"700\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" style=\"margin-top:-50px; margin-left:-5px; margin-right:-5px;\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Hierzu wurde mittels des von Pukelsheim entwickelten Computeralgorithmus das hypothetische Wahlresultat beim doppeltproportionalen Zuteilungsverfahren mit Standardrundung berechnet<sup><a href=\"#eins\">1<\/a><\/sup>. Die Gesamtzahl nicht ber\u00fccksichtigter Wahlzettel im Doppelproporz f\u00e4llt rund 3,5 mal kleiner aus als beim heutigen Wahlverfahren und bewegt sich mit knapp 33&#8217;000 im Bereich der Zahl ung\u00fcltiger Stimmen (rund 30&#8217;500). Unter realen Verh\u00e4ltnissen, d.\u00a0h. wenn sich die Parteien auf das biproportionale Wahlverfahren einstellen w\u00fcrden, fiele die Zahl unber\u00fccksichtigter Stimmen wohl nochmals um ca. einen Drittel geringer aus. Denn bloss rund 20&#8217;000 W\u00e4hlerInnen entschieden sich 2015 f\u00fcr eine chancenlose Kleinpartei, die keinerlei Listenverbindung eingangen ist (<a href=\"#methoden\">vgl. Methoden-Bemerkungen<\/a>). Damit w\u00fcrde das Missverh\u00e4ltnis auf weniger als eine F\u00fcnftel des heutigen reduziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Sogenannt <a href=\"http:\/\/www.peter-moser.ch\/index.php?option=com_content&view=article&id=105:wahlsystem-mit-nebenwirkungen-warum-vom-doppelten-pukelsheim-auf-bundesebene-abzuraten-ist&Itemid=49\">&#8222;gegenl\u00e4ufige Sitzverschiebungen&#8220;<\/a> traten \u00fcbrigens \u2013 zumindest auf der h\u00f6chsten Ebene \u2013 keine auf. Das heisst, die jeweils st\u00e4rkste Partei erhielt auch in jedem Kanton mindestens einen Sitz<sup><a href=\"#zwei\">2<\/a><\/sup>. Wie diese Mandatsverteilung gesamthaft und im Vergleich zur heutigen &#8222;offiziellen&#8220; Verteilung ausf\u00e4llt, l\u00e4sst sich folgender Grafik entnehmen \u2013 Die Parteien sind dabei von links nach rechts in etwa gem\u00e4ss <a href=\"http:\/\/blog.smartvote.ch\/?p=1113\">g\u00e4ngigen Einordnungen<\/a> ihrer politischen Position angeordnet:<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/plot.ly\/~slim-b\/185.embed?link=false&modebar=false\" width=\"100%\" height=\"800\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was sofort auff\u00e4llt: Alle grossen Parteien verlieren Sitze, die meisten kleinen gewinnen welche hinzu. Die Jungparteien wurden in der Analyse dabei absichtlich als von ihren Mutterparteien separiert betrachtet, sofern es f\u00fcr einen eigenen Sitz reichte. Wie bereits in der <a href=\"https:\/\/napoleonsnightmare.ch\/2015\/10\/23\/grossparteien-erhalten-20-nationalraete-zu-viel-zulasten-der-jungen\/\">Auswertung von Claudio Kuster<\/a> zeigt sich auch hier, dass sie gesamtschweizerisch mit bis zu 2 Sitzen doch auf vergleichsweise beachtliche W\u00e4hleranteile gelangen und so manch andere Kleinpartei alt aussehen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Noch besser sichtbar werden die Sitzverschiebungen in untenstehender Grafik. Die Parteien sind aufgeteilt in je eine Gruppe f\u00fcr die Jungparteien (leuchtend blau umrandet) und eine f\u00fcr die anderen Parteien. Innerhalb der Gruppen wiederum sind sie von links nach rechts ungef\u00e4hr entsprechend ihrer politischen Positionierung auf der Links-Rechts-Achse angeordnet:<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/plot.ly\/~slim-b\/183.embed?link=false&modebar=false\" width=\"100%\" height=\"800\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Insgesamt l\u00e4sst sich festhalten, dass zum einen zwar die politische Vielfalt zunehmen w\u00fcrde \u2013 und damit idealerweise auch der Wettbewerb politischer Ideen. Doch zum andern zeigt sich auch, dass sich die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse zwischen links und rechts im Doppelproporz nicht grundlegend \u00e4ndern w\u00fcrden. Die Mutterparteien treten Mandate an ihre Jungparteien ab und beide Pole verlieren ein paar wenige Mandate an Parteien der Mitte. Die Rechte etwas st\u00e4rker als die Linke. Von einer \u00abSchw\u00e4chung der gem\u00e4ssigten Mitteparteien\u00bb, wie der <a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2015\/04\/vatter-wirkungen-des-wahlsystems\/\">Berner Politologie-Professor Adrian Vatter bef\u00fcrchtet<\/a>, kann aber keine Rede sein. Viel eher ist das Gegenteil der Fall, wie die folgende Grafik illustriert: (<em>wie bei allen Grafiken mit der Maus dr\u00fcber fahren f\u00fcr detailliertere Infos<\/em>):<\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/plot.ly\/~slim-b\/187.embed?link=false&modebar=false\" width=\"100%\" height=\"490\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: left\" align=\"justify\">Schliesslich stellt sich noch die Gretchenfrage nach den K\u00f6pfen: Wer w\u00fcrde konkret gew\u00e4hlt im Doppelproporz? Und nicht minder interessant: Wer m\u00fcsste stattdessen seinen oder ihren Sitz r\u00e4umen? Ersterer Frage kann jeder anhand der folgenden Tabelle selbst nachforschen:<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"justify\"><strong>Im Doppelproporz neu gew\u00e4hlte ParlamentarierInnen<\/strong><\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/candidates_in.html\" width=\"100%\" height=\"720\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" style=\"margin-top:-40px; margin-bottom:-10px;\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\" align=\"justify\">Die ParlamentarierInnen hingegen, welche bei den tats\u00e4chlichen Wahlen 2015 zwar gew\u00e4hlt wurden, im biproportionalen Verfahren die Wahl allerdings verpasst h\u00e4tten, sind in folgender Liste aufgef\u00fchrt:<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Im Doppelproporz nicht mehr gew\u00e4hlte ParlamentarierInnen<\/strong><\/p><p><!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ --><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/candidates_out.html\" width=\"100%\" height=\"740\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" style=\"margin-top:-40px; margin-bottom:-10px;\" class=\"iframe-class\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p id=\"eins\"><sup>1 <\/sup><em> Es handelt sich bei der Software um das von den beiden Mathematikern Friedrich Pukelsheim und Sebastian Meier erstellte Java-Programm <a href=\"https:\/\/www.math.uni-augsburg.de\/emeriti\/pukelsheim\/bazi\/\">Bazi<\/a>. Praktischerweise existiert auch ein Paket zur Anbindung an R namens <a href=\"https:\/\/www.math.uni-augsburg.de\/emeriti\/pukelsheim\/bazi\/RBazi.html\">RBazi<\/a>.<\/em><\/p>\n<p id=\"zwei\"><sup>2 <\/sup><em> Dieser unsch\u00f6ne Nebeneffekt des &#8222;klassischen&#8220; Doppelproporzes l\u00e4sst sich auch generell vermeiden, indem in den Algorithums zur Besetzung der kantonalen Sitze <a href=\"http:\/\/opus.bibliothek.uni-augsburg.de\/opus4\/files\/600\/mpreprint_07_039.pdf\">eine sogenannte Majorzbedingung eingebaut wird<\/a>. Diese stellt sicher, dass die st\u00e4rkste Partei in einem Kanton auch immer mindestens einen Sitz erh\u00e4lt, indem in einem solchen Fall <a href=\"#prinzip\">die Proportionalit\u00e4t der Wahlkreise h\u00f6her gewichtet wird als diejenige der Parteist\u00e4rken<\/a> \u2013 gewissermassen ein Kompromiss, der das Beste beider Welten vereint.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p id=\"prinzip\" style=\"text-align: justify\"><strong>Prinzip des Doppelproporzes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Beim Doppelproporz werden zwei verschiedene Proportionalit\u00e4tskriterien erf\u00fcllt. Es werden sowohl die Parteist\u00e4rken proportional zum W\u00e4hleranteil abgebildet als auch die Wahlkreise proportional zur jeweiligen Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6sse. In der Schweiz entsprechen die Wahlkreise im Falle der Nationalratswahlen bekanntlich den Kantonen. Das erste Kriterium stellt das Prinzip der Wahlgleichheit sicher, sprich dass die Stimme jedes B\u00fcrgers, jeder B\u00fcrgerin gleich viel z\u00e4hlt. Das zweite soll si\u00adcherstellen, dass alle Landesteile \u2013 in Gestalt der Kantone \u2013 in Bezug auf den jeweiligen Bev\u00f6lkerungsanteil gleichermassen vertreten sind.<\/p>\n<p id=\"methoden\" style=\"text-align: justify\"><strong>Methoden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die verschiedenen Zahlen zu den Wahlzetteln pro Kanton wurden berechnet, indem jeweils die Anzahl der Stimmen durch die Sitzzahl des Kantons geteilt wurde. Damit ergibt sich die Zahl &#8222;fiktiver&#8220; W\u00e4hlerInnen bzw. Wahlzettel (das BFS stellt analoge Berechnungen an). Daher d\u00fcrfen die absoluten Zahlen nur als grobe Ann\u00e4herung verstanden werden \u2013 die Verh\u00e4ltnisse hingegen sollten \u00e4usserst pr\u00e4zise sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Zuteilung der 440 verschiedenen Listen bei den Nationalratswahlen 2015 zu den jeweiligen (Tochter-)Parteien wurde nach bestem Wissen und Gewissen von Hand vorgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Grunds\u00e4tzlich sind im Doppelproporz keine Listenverbindungen vorgesehen, da alle Stimmen einer Partei zuerst auf der Ebene des gesamten Wahlk\u00f6rpers zusammengerechnet und erst danach wieder auf die einzelnen Wahlkreise heruntergebrochen werden. Es erscheint deshalb \u00e4usserst wahrscheinlich, dass Parteien, die im heutigen System kaum einen eigenen Sitz erreichen und im Bewusstsein dessen Listenverbindungen eingehen, im Doppelproporz auch entsprechend rational agieren w\u00fcrden. D. h. sie w\u00fcrden sehr wahrscheinlich direkt auf den Listen ihrer &#8222;befreundeten&#8220; gr\u00f6sseren Partei antreten oder sich anderweitig zusammenschliessen. Demgegen\u00fcber stehen &#8222;irrational&#8220; handelnde bzw. prinzipienfeste Parteien, die bereits heute keine Listenverbindungen eingehen (bspw. in den meisten Kantonen die <em>Schweizer Demokraten<\/em> (SD) oder die <em>Intergrale Politik<\/em> (IP)).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Deshalb wurden f\u00fcr die vorliegende Analyse die Listenverbindungen einer Partei ber\u00fccksichtigt, sobald es nicht reichte f\u00fcr einen eigenen Sitz. So wurde bspw. in Bern die Liste &#8222;Alpenparlament&#8220; der SVP zugerechnet, da sie nur mit dieser Partei eine Listenverbindung eingegangen ist (und somit damit rechnete, dass ihre Stimmen vollumf\u00e4nglich der SVP zugute kommen). Aufgrund von Mehrdeutigkeiten, d. h. Listenverbindungen mit mehreren Parteien, welche jeweils eigene Sitze erlangten, war das allerdings nicht in allen F\u00e4llen m\u00f6glich. Das hat \u2013 wie auch im Artikel erw\u00e4hnt \u2013 zur Folge, dass die Anzahl biproportional unber\u00fccksichtigter Stimmen vermutlich um rund einen Drittel zu hoch eingesch\u00e4tzt wird. Konkret waren die folgenden Listen von diesem Problem betroffen:<\/p><p>Z\u00fcrich:<\/p>\n<ul>\n<li>Liste <em>Stopp Stau und Blitzerterror &#8211; die Autofahrer Liste<\/em> ist sowohl mit EDU als auch SVP verbunden<\/li>\n<li>Liste <em>Kunst + Politik<\/em> ist sowohl mit SP, Gr\u00fcnen als auch weiteren Linksparteien verbunden<\/li>\n<li>Liste <em>ECOPOP, Lebensqualit\u00e4t statt Wachstumszwang<\/em> ist sowohl mit CVP, BDP, glp, EVP als auch Piraten verbunden<\/li>\n<\/ul><p>Aargau:<\/p>\n<ul>\n<li>Liste <em>SLB \u2013 Sozial-Liberale Bewegung<\/em> und Liste <em>Ecopop<\/em> sind sowohl mit BDP als auch GLP verbunden<\/li>\n<li>Liste <em>Integrale Politik Aargau<\/em> ist sowohl mit SP, Gr\u00fcnen als auch Piraten verbunden<\/li>\n<\/ul><p>Freiburg:<\/p>\n<ul>\n<li>Liste <em>Centre Gauche-PCS, Mitte Links-CSP<\/em> ist sowohl mit SP, Gr\u00fcnen als auch EVP verbunden<\/li>\n<\/ul><p>Waadt:<\/p>\n<ul>\n<li>Liste <em>Centre Gauche &#8211; PCS<\/em> ist sowohl mit SP als auch Gr\u00fcnen verbunden<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Parteien <em>Alternative Linke<\/em>, <em>Alternative Liste<\/em>, <em>Partei der Arbeit<\/em> und <em>solidarit\u00e9S<\/em> wurden unter einer Gruppe (<em>AL | PdA | solidarit\u00e9S<\/em>) zusammengefasst, da sie sich politisch sehr nahe stehen und bereits bei den Wahlen 2007 im Wahlb\u00fcndnis <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/\u00c0_Gauche_toute!\/Linke_Alternative\">\u00c0 Gauche toute!\/Linke Alternative<\/a><\/em> mit dem Ziel antraten, eine eigene Fraktion im Nationalrat zu bilden (was allerdings misslang).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zu erw\u00e4hnen bleibt, dass die Resultate vorliegender Analyse trotz aller angewandten Sorgfalt mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen sind. Denn je nach dem, wie stark die Parteien ihre Aufstellung \u00e4nderten, w\u00fcrde der doppelte Pukelsheim in der Realit\u00e4t wohl deutlich anders ausfallen. Was auf jeden Fall aber bliebe, w\u00e4re eine fairere Vertretung kleiner Parteien.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"padding-left: 30px;text-align: justify\"><span style=\"color: #666699\">Autor: Salim Br\u00fcggemann, 08-915-126, <a href=\"mailto:salim@posteo.ch\" target=\"_blank\">salim@posteo.ch<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #666699\"> Blogeintrag im Rahmen des <a href=\"http:\/\/www.vorlesungen.uzh.ch\/FS16\/lehrangebot\/fak-50000007\/sc-50614868\/cga-50614868240\/cg-50614869\/cg-50663482\/sm-50672614.modveranst.html\" target=\"_blank\">Forschungsseminars <em>Politischer Datenjournalismus<\/em><\/a> der Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #666699\"> Dozierende: Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Dr. Michael Hermann, Dr. des. Bruno W\u00fcest, Dr. Sarah B\u00fctikofer<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #666699\"> Abgabedatum: 22. Mai 2016<br \/>\nAnzahl Worte (exkl. Lead): 1&#8217;127 + 675 (Fussnoten und Methoden-Hinweise)<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #666699\"> Datenquellen: <a href=\"http:\/\/www.portal-stat.admin.ch\/nrw\/index.html\">Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/a> <a href=\"http:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/portal\/de\/index\/themen\/17\/02\/blank\/data\/07\/03.html\">(BFS)<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #666699\"> Datens\u00e4tze: <a href=\"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Nationalratswahlen-2015-\u2013-Erhaltene-Stimmen-und-St\u00e4rke-der-Wahllisten-nach-Kantonen.csv\">BFS 1<\/a> | <a href=\"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Nationalratswahlen-2015-\u2013-Erhaltene-Stimmen-der-Kandidierenden-nach-Kantonen.csv\">BFS 2<\/a> | <a href=\"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Nationalratswahlen-2015-\u2013-Mandatsverteilung-nach-Parteien-und-Kanton.csv\">BFS 3<\/a> | <a href=\"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Nationalratswahlen-2015-\u2013-Parteist\u00e4rken.csv\">BFS 4<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #666699\"> R-Quellcode: <a href=\"https:\/\/gist.github.com\/anonymous\/1b6c312f28f5b370c14c37ec867d329c\">biproportional.R (GitHub Gist)<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieso eine biproportionale Wahl die gerechtere Wahl ist \u2013 wie die Zusammensetzung der grossen Parlamentskammer auss\u00e4he, h\u00e4tten die Wahlen letzten Herbst im Doppelproporz stattgefunden \u2013 und welche PolitikerInnen kaum Freude an einer exakteren Abbildung des W\u00e4hlerwillens h\u00e4tten. Eines vorweg: Am wenigsten zu Lachen h\u00e4tten die grossen Polparteien SVP und SP. 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