{"id":7345,"date":"2016-05-23T00:50:37","date_gmt":"2016-05-22T23:50:37","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=7345"},"modified":"2017-02-22T17:07:21","modified_gmt":"2017-02-22T16:07:21","slug":"wie-ahnlich-wir-unseren-nachbarn-sind-oder-auch-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2016\/05\/23\/wie-ahnlich-wir-unseren-nachbarn-sind-oder-auch-nicht\/","title":{"rendered":"Wie \u00e4hnlich wir unseren Nachbarn sind \u2013 oder auch nicht!"},"content":{"rendered":"<p lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Der Rechtsruck in Deutschland ist erschreckend. Die rechtspopulistische Partei Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) fordert in ihrem Wahlprogramm ein Deutschland der Deutschen und eine Ausweisung aller Nicht-Deutschen. Die AfD bezeichnet sich als die Stimme des Volks. Doch stimmt das wirklich? Im European Social Survey werden alle zwei Jahre Personen aus europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zu verschiedensten Themenw befragt. Ein kleiner Blick in die Daten verr\u00e4t, wie die Deutschen und die Bewohner der Nachbarregionen wirklich f\u00fchlen was die Themen EU Integration und Einwanderung angeht.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Was genau macht eine deutsche Person mit deutscher Identit\u00e4t aus? Ich bezweifle, dass man heute noch von der einen deutschen Identit\u00e4t sprechen kann. Denn Deutschland ist unter anderem mit der Zuwanderung der Gastarbeiter in den 1960er Jahren und durch die Internationalisierung des Arbeitsmarktes zu einer multikulturellen Gesellschaft geworden. Ist es da nicht realistischer von einer europ\u00e4ischen oder gar globalen Identit\u00e4t zu sprechen? Aber die AfD grenzt sich ab und sagt Nein. Hetze gegen die EU und Ausl\u00e4nder treibt ihre Kundgebungen an. In einigen Bundesl\u00e4ndern hat die AfD bei den Landtagswahlen im M\u00e4rz erschreckend hohe Ergebnisse erreicht. Und die n\u00e4chsten Landtagswahlen sind nicht weit entfernt. Daher ist es interessant zu schauen, wie sehr \u00e4hneln oder unterscheiden sich die in Deutschland lebenden Personen in diesen Themenbereichen untereinander. Wie homogen ist die Einstellung zu EU- und Einwanderungs-Themen \u00fcberhaupt auf die verschiedenen Bundesl\u00e4nder verteilt? Im European Social Survey von 2014 wurden Personen aus Deutschland und den Nachbarl\u00e4nder Deutschlands zu verschiedenen Themen befragt, unter anderem auch EU Integration und der Einfluss von Einwanderern im eigenen Land. Um zu sehen, wie die Einstellung zur EU Integration und Einwanderern sich in den sechzehn deutschen Bundesl\u00e4ndern unterscheidet, habe ich den Mittelwert f\u00fcr jedes Bundesland berechnet. F\u00fcr den Vergleich mit den Nachbarregionen, habe ich die angrenzenden Regionen aus den Nachbarl\u00e4ndern manuell selektiert und deren Mittelwert zu den Fragen berechnet. Auf den Karten in Bild 1 und Bild 2 sind die 16 deutschen Bundesl\u00e4nder plus die 20 Nachbarregionen von Deutschland abgebildet.* F\u00fcr die Karten der Bundesl\u00e4nder habe ich im Nachhinein erneut den Mittelwert von den Regionen, die an das deutsche Bundesland grenzen ausgerechnet. Das gleich habe ich f\u00fcr die Nachbarbundesl\u00e4nder des Bundeslands im Fokus gemacht und f\u00fcr die restlichen Bundesl\u00e4nder, die nicht an das Bundesland im Fokus grenzen. Somit gibt es vier Kategorien, f\u00fcr die jeweils ein Mittelwert berechnet wurde. Das ganze wiederholt sich f\u00fcr insgesamt zehn Bundesl\u00e4nder, die ans Ausland grenzen. Die Bundesl\u00e4nder Hessen, Sachsen-Anhalt und Th\u00fcringen und die drei Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg haben keine Grenze zum Ausland. In Bild 1 und Bild 2 sind jeweils die Ergebnisse f\u00fcr die Einstellung zur EU Integration und die subjektive Meinung der Befragten zu Einwanderern im eigenen Land grafisch dargestellt. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">\n<p lang=\"de-DE\"><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/map-eu-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7542 aligncenter\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/map-eu-1.png\" alt=\"map eu 1\" width=\"905\" height=\"687\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/map-eu-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7543 aligncenter\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/map-eu-2.png\" alt=\"map eu 2\" width=\"905\" height=\"547\" \/><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Die erste Deutschlandkarte mit den Nachbarregionen in Bild 1 zeigt, dass die Deutschen im Vergleich zu ihren Nachbarn nicht ganz so skeptisch der EU gegen\u00fcber sind. Je dunkler die Einf\u00e4rbung, desto st\u00e4rker ist der Wunsch nach weiterer EU-Integration. In Deutschland ist der Stadtstaat Hamburg am st\u00e4rksten f\u00fcr mehr EU-Integration, dicht gefolgt von Berlin, Niedersachsen, Th\u00fcringen, Rheinland-Pfalz und Baden-W\u00fcrttemberg. Von den Nachbarregionen erreicht die polnische Region West-Pommern den h\u00f6chsten Mittelwert. Was den Unterschied zu den Nachbarregionen angeht, so ist zu erkennen, dass die Einstellungen zwischen Bayern und den \u00f6sterreichischen Grenzregionen sehr unterschiedlich sind. Die Bayern sind weitaus st\u00e4rker f\u00fcr mehr EU-Integration als es die Menschen in \u00d6sterreich sind. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">\n<p lang=\"de-DE\"><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/map-immi-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7546 aligncenter\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/map-immi-1.png\" alt=\"map immi 1\" width=\"905\" height=\"687\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/map-immi-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7547 aligncenter\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/map-immi-2.png\" alt=\"map immi 2\" width=\"905\" height=\"562\" \/><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">\n<p lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Ein Blick auf die\u00a0 erste Karte zur Frage, ob Einwanderer das eigene Land zu einem wohnhafteren Ort machen oder die Situation verschlimmern, l\u00e4sst die alten Grenzen der DDR wieder aufleben. Die neuen Bundesl\u00e4nder, exklusive Berlin, haben alle weitaus tiefere Mittelwerte als die alten Bundesl\u00e4nder. Auch die \u00f6sterreichischen Regionen befinden sich wieder im hellen Lager, w\u00e4hrend die Bewohner der polnischen Regionen im Durchschnitt der Meinung sind, dass Einwanderer das Land zu einem besseren Ort machen. Man kann also nicht von einem einheitlichen Deutschland sprechen, was die Frage der EU-Integration und der Einwanderung angeht. Aber es ist eben auch klar zu sehen, dass nicht alle Bundesl\u00e4nder f\u00fcr weniger Einwanderer und einen EU-Austritt sind. Das gleiche ist zu sehen, wenn man auf die Nachbarregionen blickt. Auch diese unterscheiden sich stark voneinander. Es ist allerdings beruhigend, dass die meisten Bundesl\u00e4nder im Durchschnitt f\u00fcr mehr EU-Integration stimmen w\u00fcrden als einen Schritt r\u00fcckw\u00e4rts zu setzen. Somit bleiben den Deutschen hoffentlich in n\u00e4chster Zeit s\u00e4mtliche Diskussionen zu einem DExit erspart. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/plotblog3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7548 aligncenter\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/plotblog3.jpg\" alt=\"plotblog3\" width=\"747\" height=\"470\" \/><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"> Um eine Sch\u00e4tzung zu erstellen, wie stark sich die Meinungen in den Bundesl\u00e4ndern unterscheiden, habe ich eine statistische Simulation durchgef\u00fchrt. Diese zeigt f\u00fcr jedes Bundesland an, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Person f\u00fcr oder gegen mehr EU-Integration und Einwanderung ist. Was die EU-Integration angeht so ist ein Hamburger mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent pro EU und eine Person aus Baden-W\u00fcrttemberg mit einer Wahrscheinlichkeit von 71.5 Prozent. Die Schlusslichter sind Brandenburg und Th\u00fcringen. Eine simulierte Person ist In Brandenburg mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent f\u00fcr mehr EU-Integration und in Th\u00fcringen 41.5 Prozent. Auch was die Zustimmung zur Einwanderung angeht, ist Th\u00fcringen gemeinsam mit Sachsen-Anhalt klares Schlusslicht. In Th\u00fcringen sieht eine Person laut Simulation mit einer Wahrscheinlichkeit von 42 Prozent Einwanderung als positiv an und in Brandenburg ist es sogar nur eine Wahrscheinlichkeit von 39 Prozent, dass eine Person Einwanderung bef\u00fcrwortet. Menschen in Baden-W\u00fcrttemberg und Niedersachsen finden mit einer Wahrscheinlichkeit von 74 Prozent und 70 Prozent, dass Einwanderer das Leben im Land bereichern.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Auch an dieser Simulation ist zu sehen, dass die Deutschen so unterschiedlich sind wie ihre Nachbarn wohl auch. W\u00fcrde man diese Simulation auf Stadtebene durchf\u00fchren, g\u00e4be es h\u00f6chstwahrschienlich immer noch signifikante Unterschiede. Das zeigt, dass man gar nicht mehr von einer einheitlichen Identit\u00e4t sprechen kann. Europa ist die Heimat von unterschiedlichsten Menschen aus verschiedensten Kulturen. Und trotzdem, oder gerade deswegen, haben sie es geschafft die letzten siebzig Jahre in Frieden miteinander zu leben. Da sollten wir uns heute nicht von rechtspopulistischen Parteien in Europa vorschreiben lassen, welche Identit\u00e4t wir haben oder wer in unserem Land leben darf.\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">*<em>An Deutschland grenzende Regionen: Provence Li\u00e8ge (Belgien); Limburg, Gelderland, Overijssel, Drenthe, Groningen (Niederlande); Syddanmark (D\u00e4nemark); West-Pommern, Lebus (Polen); Aussig, Karlsbad (Tschechien); Ober\u00f6sterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg (\u00d6sterreich); Z\u00fcrich, Nordwestschweiz (Schweiz); Elsass, Lothringen (Frankreich). Luxemburg ist im Datensatz nicht vorhanden.<\/em><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Rechtsruck in Deutschland ist erschreckend. Die rechtspopulistische Partei Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) fordert in ihrem Wahlprogramm ein Deutschland der Deutschen und eine Ausweisung aller Nicht-Deutschen. 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