{"id":7730,"date":"2016-11-28T14:10:47","date_gmt":"2016-11-28T13:10:47","guid":{"rendered":"http:\/\/pwipdm.uzh.ch\/wordpress\/?p=7730"},"modified":"2017-02-21T12:46:46","modified_gmt":"2017-02-21T11:46:46","slug":"fake-news-so-informieren-sich-herr-und-frau-schweizer-jennifer-victoria-scurrell-jennifer-scurrelluzh-ch-04-400-156-28-11-2016-1-version-dr-michael-hermann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/blog\/2016\/11\/28\/fake-news-so-informieren-sich-herr-und-frau-schweizer-jennifer-victoria-scurrell-jennifer-scurrelluzh-ch-04-400-156-28-11-2016-1-version-dr-michael-hermann\/","title":{"rendered":"&#8222;Gefangen in der Filter Bubble?!&#8220; &#8211; So informieren sich Herr und Frau Schweizer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Brexit, Trump und die AfD \u2013 \u00a02016 l\u00e4sst sich als ein Jahr voller spektakul\u00e4rer Polit-\u00dcberraschungen kennzeichnen. Die Schuld an diesen oftmals mit Emp\u00f6rung betrachteten Entwicklungen wird den Sozialen Medien zugeschrieben, die vermeintliche Fake News produzieren und die Konsumenten in selbstkreierten Filter Bubbles dahinvegetieren lassen. Im Gegensatz zu konventionellen Medien wie beispielsweise Radio, TV und Zeitungen scheinen also Social Media-Plattformen fragw\u00fcrdige Kan\u00e4le politischer Informationsbeschaffung zu sein. Sehen dies Herr und Frau Schweizer \u00e4hnlich?<\/strong><\/p><p><em><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/1467287316101597.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8548\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/1467287316101597.jpg\" alt=\"1467287316101597\" width=\"665\" height=\"266\" \/><\/a><\/em><\/p><p><em>Umstrittener\u00a0Informationskanal: Facebook (Bild: <a href=\"http:\/\/motherboard.vice.com\/it\/read\/facebook-filter-bubble-algoritmo\">Motherboard Vice Italia<\/a>)<\/em><\/p><p>Nicht zuf\u00e4lligerweise l\u00e4sst sich der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2016\/11\/28\/opinion\/fake-news-and-the-internet-shell-game.html\">New York Times<\/a>\u00a0zu Folge das Jahr 2016 auch als das Jahr der Fake News und der damit in Verbindung stehenden Filter Bubbles benennen, wobei sich &#8222;pure Fiktionen als Wahrheiten ausgebend&#8220; so weit verbreitet haben k\u00f6nnten, so dass damit etwa das Ergebnis der U.S. Wahl beeinflusst wurde (New York Times vom 28.11.2016). Die brisante Kombination von bewusst falsch produzierten Nachrichtenmeldungen und algorithmisch festgelegten Informationsblasen scheint also ein Ursprung politischer Polarisierungserfolge zu sein. Das mobilisierende Digitale, unkontrollierbar Schnelllebige wird demgem\u00e4ss zum Feind des konventionellen Polit-Expertentums erkl\u00e4rt.<\/p><p><strong>Polarisierende Informationsblase<\/strong><\/p><p>Tats\u00e4chlich scheinen Herr und Frau Schweizer bei politischen Themen noch immer konventionelle Medienkan\u00e4le deutlich zu bevorzugen. Die ausgewerteten Daten der nach den Parlamentswahlen 2015 durchgef\u00fchrten Selects-Umfrage unterstreichen, dass auch in der Schweiz hinsichtlich politischer Informationsbeschaffung weiterhin auf Radio, TV und Printmedien gesetzt wird. Das Bed\u00fcrfnis sich ausserdem \u00fcber Soziale Medien politisch zu informieren ist jedoch &#8211; wenn auch nur geringf\u00fcgig &#8211; vorhanden.<\/p><p><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/facet-LR.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8338\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/facet-LR.png\" alt=\"facet-lr\" width=\"647\" height=\"386\" \/><\/a><\/p><p>Interessanterweise l\u00e4sst sich feststellen, dass polarisierende Filtermechanismen hinsichtlich ausgesch\u00fctteter Meldungen auf Social Media-Plattformen durchaus existent sind. Der Konsum von klassischen Medientypen weist auf einem links-rechts Spektrum nur geringe Unterschiede auf. Dagegen kann beobachtet werden, dass die Verwendung von Sozialen Medien zwecks politischer Informationsbeschaffung ansteigt, je radikaler sich die befragte Person selbst auf dem politischen Spektrum einstuft. Im Gegensatz zu sich in der politischen Mitte positionierenden B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern (10%) bezogen doppelt so viele links-aussen (21%) sowie rechts-aussen (20%) eingestellte W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler ihre Informationen von Facebook, Twitter und Co.<\/p><p><strong>Generationsunterschiede<br \/>\n<\/strong><\/p><p>Vor allem die \u00e4lteren Semester des Schweizer Stimmvolks informieren sich noch immer auf konventionelle Art. Jeweils knapp 75% der \u00fcber 50-J\u00e4hrigen verfolgten die politische Berichterstattung \u00fcber die Wahlen im Radio, TV und etablierten Printmedien, wogegen weniger als ein Viertel ihre Informationen aus Gratiszeitungen (z.B. 20 Minuten) oder Online News (z.B. Tageszeitung im Internet-Format) bezogen. Social Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter wurden indes von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern dieser Alterskategorien fast \u00fcberhaupt nicht konsultiert, was sich mit den unterschiedlichen Technologieaffinit\u00e4ten der verschiedenen Altersklassen erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Vor allem Schweizerinnen und Schweizer zwischen 18-29 Jahren verfolgten politische News auch in den Sozialen Netzwerken: Knapp 30% der Befragten dieser Altersklasse gaben an Informationen zu den Wahlen via Facebook oder etwa Twitter bezogen zu haben. Jedoch stehen Online News (40%) und die Medien Radio und TV (45%) auch bei dieser Altersklasse an erster Stelle, dicht gefolgt von Printmedien und Gratiszeitungen mit jeweils knapp \u00fcber 30%. B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der Altersklasse 30-49 Jahre bevorzugten klar konventionelle Medientypen wie Radio und TV (60%) und Printmedien (52%) oder auch Online News (knapp 40%), Gratiszeitungen (27%) und Social Media (17%) wurden dagegen eher nicht mit politischer Informationsbeschaffung in Verbindung gesetzt.<\/p><p><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/facet-Alter.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8006\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/facet-Alter.png\" alt=\"facet-alter\" width=\"764\" height=\"446\" \/><\/a><\/p><p><strong>Online-Gender-Gap<\/strong><\/p><p>M\u00e4nner wie Frauen verfolgten politische Nachrichten im Zuge der Parlamentswahlen 2015 in den Sozialen Medien nur geringf\u00fcgig: Lediglich 15% der weiblichen und 16% der m\u00e4nnlichen Befragten bezogen laut Umfrage Informationen von Facebook oder Twitter. Die klassischen Medien wie Radio und TV (Frauen: 60%, M\u00e4nner: 67%) und auch gedruckte Zeitungen (Frauen: 53%, M\u00e4nner: knapp 60%) wurden von den Schweizer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern fast gleichermassen oft, Gratiszeitungen (Frauen: 25%, M\u00e4nner: 27%) dagegen gleichermassen wenig konsultiert. Auff\u00e4llig ist der Unterschied bei den Online News: Weibliche Mitb\u00fcrgerinnen, mit einem Anteil von 25%, bezogen ihre Informationen im Vergleich zu ihren m\u00e4nnlichen Mitb\u00fcrgern (38%) weit aus weniger von Online Zeitungen oder Newsportalen.<\/p><p><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/facet-Geschlecht.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8001\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/facet-Geschlecht.png\" alt=\"facet-geschlecht\" width=\"780\" height=\"446\" \/><\/a><\/p><p><strong>Diskrepanz hinsichtlich Bildung<\/strong><\/p><p>Werden die verschiedenen Bildungsniveaus der Befragten verglichen, k\u00f6nnen vereinzelt bemerkenswerte Unterschiede herausgepickt werden. Auff\u00e4llig ist, dass B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger mit niedrigem oder mittlerem Bildungsniveau das politische Geschehen im Vorfeld der Parlamentswahlen 2015 bedeutend st\u00e4rker in der traditionellen Berichterstattung verfolgten als B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger mit hohem Bildungsniveau. Nur 45% respektive 39% der Hochschulabg\u00e4ngerinnen und -abg\u00e4nger informierten sich \u00fcber Radio und TV bzw. Printmedien \u2013 rund 20% weniger als die Befragten der beiden anderen Bildungskategorien. Auch die Konsultation der Online News betrachtend lassen sich extreme Unterschiede feststellen: Personen mit niedriger Bildung beziehen politische Informationen fast drei Mal h\u00e4ufiger aus Online Zeitungen und Online Newsportalen als Personen mit einem Hochschulabschluss. Diese doch sehr unerwarteten Beobachtungen k\u00f6nnten mit der Vermutung in Zusammenhang gebracht werden, dass Schweizerinnen und Schweizer mit hohem Bildungsgrad diese in der Selects-Befragung vorgeschlagenen Medienkategorien nicht zu Zwecken politischer Informationsbeschaffung verwenden, sondern demgem\u00e4ss eher andere relevante, direktere Informationskan\u00e4le wie Fachzeitschriften, das Abstimmungsb\u00fcchlein, Parteibrosch\u00fcren oder etwa die offizielle Homepage des Bundes (admin.ch) heranziehen. Interessanterweise lassen sich bez\u00fcglich der Bildungsniveaus nur marginale Unterschiede im Bereich der Social Media-Konsumation feststellen: nur jeweils 16-18% der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der entsprechenden Bildungskategorie verfolgten politische Themen \u00fcber Plattformen wie Facebook oder Twitter.<\/p><p><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/facet-Bildung.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8012\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/facet-Bildung.png\" alt=\"facet-bildung\" width=\"770\" height=\"446\" \/><\/a><\/p><p>Generell bevorzugen Herr und Frau Schweizer weiterhin\u00a0konventionelle Medienkan\u00e4le. Doch vor allem die junge Generation der Schweizer Stimmb\u00fcrgerinnen und Stimmb\u00fcrger verfolgt politische Ereignisse zunehmend auch\u00a0auf Social Media-Plattformen. Die Schweiz ist zwar keineswegs\u00a0in einer algorithmisch bestimmten Informationsblase gefangen, Soziale Medien gewinnen aber auch in der schweizerischen Polit-Landschaft an Bedeutung. Demgem\u00e4ss muss die Diskussion in Anbetracht eindimensionaler Filterproblematiken auch hierzulande zweifellos er\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 4\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\"><p><a href=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Box.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8579\" src=\"http:\/\/pwiweb.uzh.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Box.png\" alt=\"box\" width=\"567\" height=\"324\" \/><\/a><\/p><p>Lynch, Michael P. (New York Times) (2016): Fake News and the Internet Shell Game. (<a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2016\/11\/28\/opinion\/fake-news-and-the-internet-shell-game.html\">http:\/\/www.nytimes.com\/2016\/11\/28\/opinion\/fake-news-and-the-internet-shell-game.html<\/a>\u00a0[27.11.2016]).<\/p><p>Bildquelle: Motherboard Vice Italia (2016). (<a href=\"http:\/\/motherboard.vice.com\/it\/read\/facebook-filter-bubble-algoritmo\">http:\/\/motherboard.vice.com\/it\/read\/facebook-filter-bubble-algoritmo<\/a>\u00a0[18.12.2016]).<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><p>Jennifer Victoria Scurrell, jennifer.scurrell@uzh.ch, 04-400-156; 18.12.2016; Forschungsseminar Politischer Datenjournalismus, Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Dr. Michael Hermann, Dr. Bruno W\u00fcest; Wortanzahl: 770 (exkl. Lead, Anh\u00e4nge und Literaturverzeichnis).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brexit, Trump und die AfD \u2013 \u00a02016 l\u00e4sst sich als ein Jahr voller spektakul\u00e4rer Polit-\u00dcberraschungen kennzeichnen. 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